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Einnahmen aus Landwirtschaft in Türkei. Wie versteuern? Doppelbesteuerungsabkommen?

| 08.03.2012 11:01 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Mein Bruder und ich besitzen in der Türkei Ackerland, welches landwirtschaftlich genutzt wird. Hierfür haben wir einen Verwalter, der auch Vollmachten von uns hat und gemeinsam mit uns alles bewirtschaftet. Wir betreiben also eine Landwirtschaft in der Türkei. Nachdem der Verwalter alles geerntet hat, verkauft er die Erträge (Mais, Weizen etc.) an staatliche Käuferstellen. Das macht er dort unter seinem Namen und unter den Namen seiner Verwandten. Die Einnahmen, die er dort erzielt, sind seitens der Türkei also durch ihn vollständig versteuert.

Einmal im Jahr treffen wir uns, um die Einnahmen und Ausgaben zu berechnen. Den Gewinn, der am Schluss nach Abzug aller Kosten übrig bleibt, verteilen wir nach einem jedes Jahr neu ausgehandelten prozentualen Schlüssel. Er will uns das Geld überweisen.

Zwischen der Türkei und Deutschland gibt es ja ein Doppelbesteuerungsabkommen. Einmal bis 2010 (welches ja seitens Deutschland gekündigt wurde) und ein neues Abkommen, welches zwar rückwirkend ab 1.1.2011 gelten soll aber noch nicht verabschiedet wurde.

In Artikel 6 (Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen) beider Doppelbesteuerungsabkommen (alt und neu) steht ja, dass die Einnahmen in dem anderen Staat besteuert werden können (also in dem Fall Türkei). Das werden sie ja auch. Der Verwalter und seine Verwandtschaft zahlen dort ihre Steuern.

Wenn uns der Verwalter nun unseren Gewinnanteil aus unserer Land- und Forstwirtschaft nach Deutschland überweisen möchte:

- Müssen wir diesen bereits versteuerten Gewinnanteil bei unserer Steuererklärung in Deutschland angeben?
- Wenn ja: Machen wir das dann über eine gemeinsame Feststellungserklärung oder jeder für sich? Wie müssten diese Einnahmen aus Land- und Forstwirtschaft in der Türkei angegeben werden?
- Fallen auf die bereits versteuerten Gelder erneut Steuern in Deutschland an? Wenn ja, wie viel? Gilt der Steuersatz der Türkei oder der in Deutschland?
- Und wie wirkt sich das auf meine Einnahmen in Deutschland aus. Muss ich ggf. einen höheren Steuersatz bezahlen?

Beispiel:
Person A hat in Deutschland Einnahmen von 30.000 Euro und bezahlt darauf ca. 18,75% Einkommensteuer (das wären ca. 5625 Euro). Zusätzlich hat er Gewinne aus der Land- und Forstwirtschaft aus der Türkei von 10.000 Euro und gibt diese auch in Deutschland steuerlich bei der Steuererklärung an. Wie viel Steuern müsste er dann bezahlen?

Fall A: Er muss gegenüber dem Finanzamt Einkommensteuer auf 40.000 Euro zahlen (30.000 plus 10.000). Also rund 9.000 Euro und rund 22,5%. Das Komische hierbei: In der Türkei wurde das Geld durch unseren Verwalter ja schon einmal versteuert. Warum müssten wir das dann erneut versteuern?

Fall B: Die 10.000 Euro werden nicht noch einmal versteuert aber bei dem Progressionsvorbehalt für die 30.000 Euro mit eingerechnet. Das Finanzamt würde also 22,5% für die 30.000 Euro rechnen (weil sie die 10.000 Euro rechnerisch berücksichtigen) anstatt die 18,75%. Er würde also "nur" 6.750 Euro an Steuern bezahlen müssen.

Bei einem Anruf beim lokalen Finanzamt hier im Ort hat man mir ganz gute Auskunft gegeben. Laut dieser Auskunft würde - soweit ich das verstanden habe - Fall B in Kraft treten. Ist das korrekt? Ich frage mich aber: Wenn Fall B stimmt, dann würde jemand, der in Deutschland schon den Spitzensteuersatz bezahlt, weil er in Deutschland so hohe Einkünfte hat, für zusätzliche Einkünfte aus der Türkei ja gar keine zusätzlichen Steuern bezahlen müssen.

Wir machen unsere Abrechnungen jedes Jahr mit unserem Verwalter in schriftlicher Form. Müssten diese Abrechnungen beim Finanzamt eingereicht werden oder nur auf Nachfrage? Rein zu Dokumentationszwecken würden wir die Unterlagen natürlich aufbewahren.

Ich bitte um eine detaillierte Antwort, damit steuerrechtlich alles klar ist und wir wissen, wie die Steuergesetzgebung in diesem Fall korrekt funktioniert.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:
Da Sie und Ihr Bruder wirtschaftlich Berechtigter der Landwirtschaft ist, verstehe ich nicht, inwieweit dass der Verwalter in der Türkei versteuert oder ist die Landwirtschaft an diesen verpachtet. Die Einkünfte aus der Landwirtschaft sind nicht in der Anlage V und V sondern in der Anlage L jeweils für beide Personen einzutragen. Etwas anderes gilt nur, wenn die Landwirtschaft verpachtet ist. In diesem Fall gilt, dass die Einkünfte in der Vund V zu erklären sind.
Richtig ist, dass Art. 6 DBA gilt. Grundsätzlich gilt danach, dass die Einkünfte in dem Belegenheitsstaat zu besteuern sind, also hier die Türkei und zwar durch Sie und Ihren Bruder.
Die aufgrund der Landwirtschaft resultierenden Einkünfte, welche Ihnen und Ihrem Bruder als in Deutschland ansässigen Grundeigentümer zufallen, werden jedoch auch in Deutschland im Rahmen der dortigen unbeschränkten Steuerpflicht des Grundeigentümers erfasst. Die etwaige resultierende Doppelbesteuerung wird vermieden, indem die türkische Steuer nach Maßgabe des deutschen Rechts auf die deutsche Steuer angerechnet wird (Art. 24 DBA). Damit wird die Steuerbelastung auf dem in der Türkei belegenen Grundeigentum auf das deutsche Steuerniveau hochgeschleust.
Was ich nicht ganz verstehe ist, was Ihr Verwalter in der Türkei versteuert, da er ja nicht wirtschaftlicher Eigentümer ist. In Deutschland müssen Sie grob gesagt, die Erträge aus der Landwirtschaft deklarieren abzüglich des Aufwandes für den Verwalter und sonstige Aufwendungen für die Bestellung des Feldes.
Die Abrechnungen müssen Sie nur auf Nachfrage einreichen, allerdings ist es erforderlich, dass Sie einen Nachweis bezüglich der bezahlten Steuern in der Türkei erbringen.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Hermes, Rechtsanwalt

Rückfrage vom Fragesteller 08.03.2012 | 13:20

Danke für Ihre Antwort Herr Hermes.

Was ich generell verstanden habe (und teilweise vorher auch schon wusste):
Wir müssen das Geld in Deutschland dem Finanzamt mitteilen - und zwar den Gewinn abzüglich aller Kosten inkl. dem Verwalter.

Mir fehlt noch die Information, wie das später dann genau versteuert wird. Auf mein Beispiel mit der zusätzlichen Aussage des Finanzamtes sind Sie leider gar nicht eingegangen. Bitte teilen Sie mir mit, wie die Abrechnung genau vor sich geht. Ob wie bei Fall A oder Fall B. Oder gar nichts von beiden. Ich will genau sehen, was bei diesem fiktiven Fall an zusätzlichen Steuern in Deutschland anfallen würde.

Hier noch einmal die von Ihnen nicht beantwortete Passage:

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Person A hat in Deutschland Einnahmen von 30.000 Euro und bezahlt darauf ca. 18,75% Einkommensteuer (das wären ca. 5625 Euro). Zusätzlich hat er Gewinne aus der Land- und Forstwirtschaft aus der Türkei von 10.000 Euro und gibt diese auch in Deutschland steuerlich bei der Steuererklärung an. Wie viel Steuern müsste er dann bezahlen?

Fall A: Er muss gegenüber dem Finanzamt Einkommensteuer auf 40.000 Euro zahlen (30.000 plus 10.000). Also rund 9.000 Euro und rund 22,5%. Das Finanzamt tut also so, als wäre das Geld aus der Türkei rein kalkulatorisch hier in Deutschland erworben worden.

Fall B: Die 10.000 Euro werden nicht noch einmal versteuert aber bei dem Progressionsvorbehalt für die 30.000 Euro mit eingerechnet. Das Finanzamt würde also 22,5% für die 30.000 Euro rechnen (weil sie die 10.000 Euro rechnerisch berücksichtigen) anstatt die 18,75%. Er würde also "nur" 6.750 Euro an Steuern bezahlen müssen.

Bei einem Anruf beim lokalen Finanzamt hier im Ort hat man mir ganz gute Auskunft gegeben. Laut dieser Auskunft würde - soweit ich das verstanden habe - Fall B in Kraft treten. Ist das korrekt? Ich frage mich aber: Wenn Fall B stimmt, dann würde jemand, der in Deutschland schon den Spitzensteuersatz bezahlt, weil er in Deutschland so hohe Einkünfte hat, für zusätzliche Einkünfte aus der Türkei ja gar keine zusätzlichen Steuern bezahlen müssen.
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Bitte gehen Sie konkret auf diesen Fall ein. Ich möchte wissen, wie viel Steuer in dem genannten Beispiel anfallen würde und wie die Abrechnung erfolgt. Ich möchte immer genau kalkulieren können, wie viel zusätzliche Steuer ich dann bezahlen muss. Danke.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 08.03.2012 | 13:34

Vielen Dank für die Nachfrage. In Ihrem Fall greift Fall A.
Also müssten Sie nach Ihrem Berechnungsbeispiel 9000 € zahlen. Die in der Türkei bezahlte Steuer zb in Höhe von 3.000 € wird allerdings angerechnet, d.h. Sie müssten im Ergebnis dann noch 6.000 € Steuern an den deutschen Fiskus zahlen. Insoweit wird nämlich eine Doppelbesteuerung weitestgehend vermieden.
Ich dachte, ich hätte Ihnen dies anhand der Anrechnung bereits in der Ausgangsantwort verdeutlicht.
Für Rückfragen stehe ich weiterhin gerne zur Verfügung und freue mich auf eine positive Bewertung.

Bewertung des Fragestellers 08.03.2012 | 14:20

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