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Einkommensteuerpflicht in Deutschland bei 3-jährigem Auslandseinsatz

10.06.2020 11:44 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


13:08

Meine Frau und ich leben und arbeiten in Deutschland und besitzen gemeinsam ein selbstgenutztes Einfamilienhaus. Mein Arbeitgeber bietet mir jetzt eine 3-jährige Anstellung in einer seiner Vertriebsgesellschaften (in Dubai) an. Es handelt sich um keine Entsendung oder Expatriate Einsatz sondern um einen lokalen Arbeitsvertrag für 3 Jahre in Dubai. Meine Frau und ich werden für diese Zeit in Dubai wohnen und arbeiten. Wir wollen jedoch unser Haus in Deutschland nicht verkaufen und nach den 3 Jahren wieder bewohnen.

1. Sind wir durch das EFH weiterhin in Deutschland unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig?
2. Reicht eine Vermietung / Mietvertrag des EFH über 3 Jahre aus, um keinen Wohnsitz in Deutschland nachweisen zu können und so in Deutschland nicht steuerpflichtig zu werden?
3. Müssen Strom, Wasser, Gas oder Telefonverträge gekündigt und auf den Mieter übertragen werden um einer unbeschränkten Einkommensteuerpflicht in Deutschland zu entgehen?


10.06.2020 | 12:30

Antwort

von


(196)
70 Queens Road Central
00 Hong Kong
Tel: +85281913060
Web: http://www.greenawalt.hk
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Sehr geehrter Fragesteller,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten möchte:

Vorbemerkung
Die unbeschränkte Steuerpflicht aufgrund von Wohnsitz (§ 8 AO: Wohnsitz ) oder gewöhnlichem Aufenthalt (§ 9 AO: Gewöhnlicher Aufenthalt ) unterliegt immer einer Einzelfallprüfung anhand aller Umstände durch das Finanzamt. Sie sollten Ihren Wegzug deshalb offen kommunizieren und möglichst viele Anhaltspunkte aufbieten können, um dem Verdacht eines Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthalts entgegenzuwirken.

Im Detail

1. Sind wir durch das EFH weiterhin in Deutschland unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig?
Nein, Sie sollten aber im Idealfall sämtliche Schlüssel für das Haus einem vertrauenswürdigen Dritten (als Mieter oder zur Hinterlegung) übergeben und sich hierfür eine Quittung geben lassen. Für einen steuerlichen Wohnsitz genügt es nämlich grundsätzlich, wenn Sie jederzeit die Möglichkeit haben, das Haus zu nutzen.

2. Reicht eine Vermietung / Mietvertrag des EFH über 3 Jahre aus, um keinen Wohnsitz in Deutschland nachweisen zu können und so in Deutschland nicht steuerpflichtig zu werden?
Für den Wegfall des Wohnsitzes reicht die Vermietung aus, wenn Sie dem Mieter sämtliche Schlüssel übergeben haben. Es muss ein tatsächliches Mietverhältnis sein, eine bloße Scheinvermietung genügt nicht. Insbesondere sollten sich die Mietzahlungen nachweisen lassen.

Lediglich vorsorglich der Hinweis, dass Sie natürlich auch nicht einen gewöhnlichen Aufenthalt begründen sollten, das dürfte aber aufgrund Ihrer Beschäftigung in Dubai eher unwahrscheinlich sein. Kurze Aufenthalte zum Besuch in Deutschland sind natürlich grundsätzlich weiterhin möglich.

3. Müssen Strom, Wasser, Gas oder Telefonverträge gekündigt und auf den Mieter übertragen werden um einer unbeschränkten Einkommensteuerpflicht in Deutschland zu entgehen?
Zwingend ist das nicht (insbesondere wenn z.B. der Anbieter eine längere Kündigungsfrist hat und Ihren Wegzug nicht als Grund für eine Sonderkündigung anerkennt oder Sie z.B. Ihre Telefonnummer behalten wollen). Ich rate aber dazu, grundsätzlich die Übertragung auf den Mieter zu versuchen; falls dies nicht möglich oder nicht praktikabel ist, sollten Sie dem Anbieter jedenfalls schriftlich mitteilen, dass Sie in dem Haus vorübergehend nicht selbst wohnen und Ihre neue Adresse in Dubai hinterlegen.

Ebenso rate ich dazu, Ihre Bankkonten und ggf. Wertpapierdepots auf die neue Adresse umzuschreiben. Falls Sie in Dubai eine Steuernummer erhalten, sollten Sie diese ebenfalls hinterlegen bzw. nachreichen (meines Wissens vergibt Dubai aber derzeit keine TINs). Das hat zusätzlich den Vorteil, dass in der Regel die Kapitalertragsteuer nicht von der Bank einbehalten wird (die Details sind allerdings komplex und wären ggf. im Rahmen eine detaillierten Beratung zu klären).

Sie sollten sich zudem bei der Wohnsitzgemeinde abmelden (mit Angabe Ihrer neuen Anschrift in Dubai). Im Personalausweis wird dann hinterlegt, dass Sie keine Adresse mehr in Deutschland haben. Den Eintrag im Reisepass ändert dagegen nicht die Wohnsitzgemeinde, sondern das Konsulat in Dubai.

Ebenso sollten Sie im Idealfall Ihre Namensschilder am Briefkasten und Klingelschild demontieren. Die Nachweise und Ihre neue Adresse übersenden Sie dann zum Zeitpunkt Ihres Wegzugs an das Finanzamt mit dem Hinweis, dass Sie ab sofort keinen Wohnsitz und keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr in Deutschland haben. Ebenso sollte das Finanzamt dann alle weitere Kommunikation über Ihre Adresse in Dubai führen.

Achten Sie auch auf eine Abmeldung beim ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice (früher GEZ). Andernfalls könnte nach Ihrer Rückkehr eine Nachforderung für die Zeit der Abwesenheit auf Sie zukommen.

Schließlich noch der Hinweis, dass Sie höchstwahrscheinlich der erweitert beschränkten Steuerpflicht nach dem Außensteuergesetz unterliegen. Alle Einkünfte, die nicht eindeutig ausländische Einkünfte sind, werden dann u.U. dennoch in Deutschland besteuert (dazu gehört aber natürlich nicht das Gehalt von Ihrem Arbeitgeber in Dubai). Wenn Sie noch als Mitunternehmer an einem Unternehmen in Deutschland beteiligt sind, unterliegen Sie zudem möglicherweise der Wegzugsbesteuerung.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen,

RA Dr. Tim Greenawalt


Rückfrage vom Fragesteller 10.06.2020 | 12:55

Vielen Dank für die umfangreiche und sehr aufschlussreiche Antwort. Noch eine Verständnisfrage - auf unserem Haus befindet sich eine Solaranlage aus der monatlich Einnahmen entstehen. Insofern bin ich tatsächlich als Unternehmer in Deutschland tätig und Umsatzsteuer pflichtig. Ergeben sich hieraus irgendwelche Konsequenzen in Bezug auf die Einkommenssteuerplicht in Dubai / Deutschland?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 10.06.2020 | 13:08

Sehr geehrter Fragesteller,

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich gerne beantworte:

Ja, diese Einkünfte unterliegen in Deutschland der beschränkten Einkommensteuerpflicht nach § 49 EStG: Beschränkt steuerpflichtige Einkünfte ) EStG (unabhängig von der erweitert beschränkten Steuerpflicht nach dem AStG). Sie müssen also dafür weiterhin eine Steuererklärung in Deutschland abgeben.

Gleiches gilt für die Umsatzsteuer, die Sie weiterhin in Deutschland abführen (§ 3g UStG: Ort der Lieferung von Gas, Elektrizität, Wärme oder Kälte ).

Ich hoffe damit konnte ich Ihnen bereits helfen. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen unter tg@greenawalt.hk gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

RA Dr. Tim Greenawalt

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