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Einkommensteuer als Mitarbeiter auf Kreuzfahrtschiff?


| 17.09.2013 21:46 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Zusammenfassung: Arbeitnehmer auf Seeschiffen, deren Arbeitgeber im Ausland liegt, können in aller Regel auf eine Freistellung von der deutschen Einkommensteuer hoffen, wenn der Tätigkeitsstaat tatsächlich eine Einkommensbesteuerung vornimmt.


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin 23 Jahre alt arbeite in der Hotellerie und werde demnächst ( Oktober 2013) auf ein Kreuzfahrtschiff arbeiten, soweit so gut.

So auf dem Papier gehört mir ein Biergarten wo ich monatlich Miete beziehe. Der Biergarten wurde direkt nach der Geburt auf meinen Namen geschrieben, allerdings ist das die Altersvorsorge von meinen Eltern und ich seh von den Mieteinnahmen nichts.


So meine frage jetzt, ich habe mir überlegt in Deutschland mich abzumelden da ich auf hohersee arbeite und auf Weltreise unterwegs bin, 5 Monate voraussichtlich max. 6, dann 2 Monate urlaub und dann wieder das gleiche Prozedere.

Auf dieserweise müsste ich mein Lohn von dem Kreuzfahrtschiff nicht versteuern und nur das Einkommen von dem Biergarten richtig ?!

Ich will noch dazu erläutern, ms europa gehört zu hapag Lloyd mit Sitz in Hamburg. Allerdings fährt das Schiff unter bahamas Flagge und ich habe eine zypriotischen Vertrag, so und das beste zum Schluss, ich werde von der recruiting Agentur bezahlt die ihren Sitz in der Schweiz und Zypern hat . Heißt der Sitz der Reederei spielt eh keine Rolle da ich ja von Dennen nicht bezahlt werde sondern von der Agentur.....

Ich habe das mit der Reederei erwähnt da ich mir vielleicht überlegt habe das ich mich erst garnicht abmelden muss .... Dazu muss ich sagen das ich auch gelesen/gehört habe, das man erst ab 183 Tage Arbeit auf hohersee ein steuerfreies einkommes hat in Deutschland, würde bei mir nicht ganz hin kommen.

Ich habe eine deutsche und griechische Staatsangehörigkeit, war allerdings immer nur in Deutschland angemeldet( fallst man damit was anfangen kann ).
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich im Rahmen einer Erstberatung, des gbotnen Einsatzes und aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt beantworten möchte:

Zunächst vorab: Ihre Frage berührt die kompliziertesten Fragen des Steuerrechts (Auslandstätigkeit, Doppelbesteuerungsabkommen, internationales Steuerrecht), weshalb im Hinblick auf den Einsatz nur ein grober Überblick gegeben werden kann.

Zunächst ist richtig, dass irrelevant ist, welche Staatsgehörigkeit sie haben. Die Steuerpflicht in Deutschland knüpft an Ihren Wohnsitz bzw. an den Ort der Ausübung der zu besteuernden Tätigkeit an. Aufgrund der tatsache, dass Sie wohl immer schon in Deutschalnd leben, sind Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, grundsätzlich mit Ihrem Welteinkommen.

Dies könnten Sie nur verhindern, indem Sie Ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Deutschalnd aufgeben, was äußerst kompliziert ist. Aufgrund nachfolgender Ausführungen ist dies auch nicht zu empfehlen:

Gemäß Artikel 14 des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Zypern aus dem Jahre 2011 gilt folgendes:

"Ungeachtet der vorstehenden Bestimmungen dieses Absatzes werden Vergütungen für an Bord eines Seeschiffes (...)im internationalen Verkehr ausgeübte unselbständige Tätigkeit nur in dem Vertragssaat besteuert, in dem sich der ort der tatsächlichen Geschäftsleitung des Unternehmens befindet."

Die meisten Doppelbesteuerungsabkommen, die Deutschalnd geschlossen hat, beinhalten diese Klausel zu unselbständiger Arbeit (Arbeitnehmer) auf Seeschiffen.

Gehen wir davon aus, dass Ihr Arbeitgeber seine Geschäftsleitung in Zypern hat, wäre obiger § anwendbar.

Wird Ihr Einkommen sodann in Zypern besteuert, greift § 50d Abs. 8 EStG:

"Sind Einkünfte eines unbeschränkt Steuerpflichtigen aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19) nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen, wird die Freistellung bei der Veranlagung ungeachtet des Abkommens nur gewährt, soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass der Staat, dem nach dem Abkommen das Besteuerungsrecht zusteht, auf dieses Besteuerungsrecht verzichtet hat oder dass die in diesem Staat auf die Einkünfte festgesetzten Steuern entrichtet wurden. 2Wird ein solcher Nachweis erst geführt, nachdem die Einkünfte in eine Veranlagung zur Einkommensteuer einbezogen wurden, ist der Steuerbescheid insoweit zu ändern."

Das heisst vereinfacht gesagt: Sie müssen Ihr Einkommen in aller Regeln nicht zweimal versteuern. Wird ihr Einkommen in dem Tätigkeitsland besteuert, in dem Sie arbeiten bzw. in dem (bei Seeschiffen) ihr Arbeitgeber sitzt, wird eine Doppelbesteuerung dadurch vermieden, dass Sie in Deutschland von der Einkommensteuer freigestellt werden, wenn Sie nachweisen, dass die Steuer im Ausland tatsächlich erhoben wurde bzw. au die Erhebung verzichtet wurde.

Eine "Abmeldung" in Deutschland ist also nicht notwendig!

Ich empfehle, einmal mit Ihrem Arbeitgeber Rücksprache zu halten, wie dort die regelmäßige steuerliche Handhabe ist, Sie dürften ja kein Einzelfall sein.

Sollte Ihnen von dort keine Auskunft gegeben werden können, empfehle ich, nochmals vor Ort Rat bei einem Steuerberater oder einem auf Steuerrecht spezialisierten Rechtsanwalt einzuholen, da in jedem Fall eine Kommunikation mit dem Finanzamt zu führen wäre.

Dies ist jedenfalls aber einfacher, als über eine Aufgabe des Wohnsitzes in Deutschland nachzudenken.

Bitte beachten Sie, dass diese Webseite lediglich dazu dient, Ihnen einen erste Einschätzung zur Rechtslage zu liefern. Eine ausführliche und persönliche Beratung soll und kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Außerdem kann das Fehlen oder Hinzufügen wesentlicher Angaben im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Einschätzung führen.


Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen einen ersten Überblick verschafft haben zu können, wie er im Rahmen einer Erstberatung möglich ist und bedanke mich nochmals für die Anfrage.

Bei Nachfragen nutzen Sie unbedingt die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Baur

Nachfrage vom Fragesteller 18.09.2013 | 11:16

Sehr geehrter Herr Baur,

vielen dank für ihre Antwort erst mal.

Das heißt mein Miete Einkommen ganz normal in Deutschland versteuernund das Einkommen von meinem Arbeitgeber mit Sitz in Zypern, in Zypern versteuern.

Also in klare heißt das ich würde mit meinem Lohn steuerfrei in Deutschland leben können ?! .

Soweit ich weiß muss man in Zypern auch erst eine Steuererklärung machen wenn man die 17.000€ Grenze überschreitet das bei mir nicht der fall wer.

Schon mal vielen dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.09.2013 | 11:28

Danke für die Nachfrage.

Genau so wäre es. Weisen Sie nach, dass Ihr Einkommen bereits in Zypern versteuert wurde bzw. Zypern auf eine Versteuerung verzichtet hat, müssen Sie Ihr Einkommen zwar in Deutschland erklären, d.h. ganz normal eine Steuererklärung über Ihre Welteinkünfte abgeben.

Bei entsprechendem Nachweis (s.o.) würden aber vom Einkommen aus Zypern keine Steuern erhoben.

Wie das im Einzelnen abläuft, empfehle ich, mit einem Steuerberater bzw. Ihrem Arbeitgeber zu besprechen. So könnte es beispielsweise sein, dass Sie auch bei der Besteuerung in Zypern Ihre Mieteinkünfte angeben müssen. Die Freigrenze wäre dann eventuell doch überschritten. Dies richtet sich dann nach dem jeweiligen nationalen Steuerrecht.

Sie sehen: Insgesamt ist dies eine sehr komplizierte Materie. Den Grundsatz konnte ich Ihnen aber hoffentlich verständlich darstellen.

Beste Grüße

Bewertung des Fragestellers 18.09.2013 | 11:34


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