Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Einkommensbesteuerung bei langfristigem Auslandsaufenthalt

| 18.05.2011 07:30 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Ernesto Grueneberg, LL.M.


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich lebe seit 17 Jahren im Ausland. Habe aber meinen Hauptwohnsitz seit diesem Zeitpunkt bei meinen Eltern in Deutschland angegeben und dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht geaendert.
Ich habe 15 in Aegypten gelebt und dort gearbeitet. Dort habe ich zu dieser Zeit zwei Wohnungen besessen. Beide Wohnung habe ich Ende 2008 verkauft und das Geld auf ein Deutsches Sparkonto angelegt.
Von einem Teil dieses Geldes habe ich zusammen mit meinem Freund ein Segelboot gekauft und lebe seitdem auf unserem Segelboot in Griechenland. Das Segelboot ist im Deutschen Schiffsregister unter meinem Namen angemeldet.
Ich habe eine Steuernummer und bezahle auf mein Kapitalvermoegen Steuern.
Ich habe fuer das Jahr 2010 eine Einkommensteuererklaerung eingerreicht. Sie kam mit den folgenden Fragen zurueck:
1. Wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt?
2. Wo befindet sich ihr Lebensmittelpunkt?
Nun also meine rechtliche Frage:
Habe ich mich strafbar gemacht, indem ich meinen Hauptwohnsitz nicht korrekt angegeben habe? Muss ich mein damals in Aegypten erwirtschaftetes Kapital in Deutschland versteuern, auch wenn ich dort seit 17 Jahre nicht mehr lebe? Muss ich meinen Hauptwohnsitz abmelden? Wie verhalte ich mich am Besten?

Sehr geehrter Fragesteller:

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich möchte anhand des geschilderten Sachverhaltes im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworten:

Frage: Habe ich mich strafbar gemacht, indem ich meinen Hauptwohnsitz nicht korrekt angegeben habe? Muss ich mein damals in Aegypten erwirtschaftetes Kapital in Deutschland versteuern, auch wenn ich dort seit 17 Jahre nicht mehr lebe?

Ob man sich (im steuerrechtlichen Sinne) in Deutschland durch die falsche Angabe Ihrer Hauptwohnung strafbar gemacht hat, hängt davon ab, ob man nach § 370 AO:

1.
den Finanzbehörden oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht,
2.
die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt oder
3.
pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlässt
und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt.
Ein versuch ist auch strafbar.

Es kommt also entscheidend darauf an, ob Sie in Deutschland Steuer zu bezahlen gehabt hätten.

Dies kann nicht pauschal beantwortet werden. Deutschland beansprucht Steuerhoheit für das weltweite Einkommen einer Person, die in Deutschland eine Wohnung im steuerlichen Sinne inne hat. Nach § 8 AO kann dies auch gegeben sein, wenn Sie lediglich freien Zugang zu der Wohnung der Eltern hatten, gleichwohl, ob Sie jemals da waren. Dass die melderechtlichen Verhältnisse dies bestätigen, ist nicht per se entscheidend, sondern nur ein Indiz dafür.

Sollten Sie jedoch eine Wohnung nach § 8 AO haben, kann durchaus sein, dass Sie aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommen mit Ägypten (DBA-Ägypten) nur dort steuerlich ansässig waren.

Nach Art. 8 DBA-Ägypten gilt eine Person als in dem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in
dem Staat ansässig, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen
Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen).

Das sollte in Ihrem Fall Ägypten gewesen sein.

Ob Sie Steuer in Deutschland zahlen mussten, kann nicht ohne weiteres festgestellt werden, denn es fehlen dafür Angaben.

Im Allgemeinen kann aber gesagt werden, dass in D nur Steuer überhaupt bezahlt werden, wenn die Quelle dieser Einkünfte einen Bezug zu D ausweist. Liegenschaften werden idR nur dort besteuert, wo diese liegen.

Zusammenfassend: es spricht vieles dafür, dass das Einkommen Ihrer Tätigkeit in Ägypten nur dort hätte versteuert werden müssen. Eine abschließende Prüfung ist ohne weitere Angaben nicht möglich und würde zusätzlich den Rahmen der Erstberatung sprengen.

Ich weise in dem Zusammenhang auf die sog. erweiterte beschränkte Steuerpflicht, die auch geprüft werden sollte. Die Vorschrift (§ 2 AStG) lautet wie folgt:

1) Eine natürliche Person, die in den letzten zehn Jahren vor dem Ende ihrer unbeschränkten Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes als Deutscher insgesamt mindestens fünf Jahre unbeschränkt einkommensteuerpflichtig war und
1.
in einem ausländischen Gebiet ansässig ist, in dem sie mit ihrem Einkommen nur einer niedrigen Besteuerung unterliegt, oder in keinem ausländischen Gebiet ansässig ist und
2.
wesentliche wirtschaftliche Interessen im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat,
ist bis zum Ablauf von zehn Jahren nach Ende des Jahres, in dem ihre unbeschränkte Steuerpflicht geendet hat, über die beschränkte Steuerpflicht im Sinne des Einkommensteuergesetzes hinaus beschränkt einkommensteuerpflichtig mit allen Einkünften im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 erster Halbsatz des Einkommensteuergesetzes, die bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nicht ausländische Einkünfte im Sinne des § 34d des Einkommensteuergesetzes sind. Für Einkünfte der natürlichen Person, die weder durch deren ausländische Betriebsstätte noch durch deren in einem ausländischen Staat tätigen ständigen Vertreter erzielt werden, ist für die Anwendung dieser Vorschrift das Bestehen einer inländischen Geschäftsleitungsbetriebsstätte der natürlichen Person anzunehmen, der solche Einkünfte zuzuordnen sind. Satz 1 findet nur Anwendung für Veranlagungszeiträume, in denen die hiernach insgesamt beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte mehr als 16 500 Euro betragen.

Sie haben aber wahrscheinlich eine Ordnungswidrigkeit begangen, indem Sie sich nicht abgemeldet haben. Dies aber unter dem Meldegesetzt Ihres Landes (welches ich nicht kenne).

Frage: Muss ich meinen Hauptwohnsitz abmelden?
Wenn Sie keine Wohnung im Inland mehr beziehen, müssen Sie sich abmelden.

Wie verhalte ich mich am Besten?
Sie sollten einen Anwalt damit beauftragen, dass anhand aller relevanten Informationen und Durchsicht der eingereichten Steuererklärung prüft, ob Sie Steuer hinterzogen haben. Erst dann kann eine seriöse abschließende Antwort auf Ihre Frage gegeben werden.

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.
Mit freundlichen Grüßen.

Bewertung des Fragestellers 18.05.2011 | 09:18

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Ich moechte mich hiermit fuer die sehr ausfuehrliche und praezise Antwort bedanken."
Stellungnahme vom Anwalt:
Jetzt Frage stellen