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Eine Familie in Sorge


25.11.2016 15:50 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle



Sehr geehrte Damen und Herren,
zuallererst, entschuldigen Sie bitte mein niedriges Gebot. Mehr kann ich mir momentan nicht leisten.
Ich hoffe dennoch auf eine ausführliche Antwort, warte aber gerne dementsprechend länger, denn meine Nachricht ist lang.

Meine Situation: Mit meinem Ex-Partner habe ich einen gemeinsamen Sohn. Wir waren nicht verheiratet. Er hat vor der Geburt die Vaterschaft anerkannt und wir hatten das gemeinsame Sorgerecht. Als unser Sohn 9 Monate alt war, hat er uns verlassen. Kurz darauf ist er in eine 600km entfernte Stadt gezogen, wo er heute mit seiner Frau und ihrem Kind lebt, nicht adoptiert, im selben Alter wie unser Sohn.

2009 hat er freiwillig auf das Sorgerecht verzichtet, damit ich besser wichtige Entscheidungen regeln kann. Er weiß, dass ich ihn sowieso konsultiere. Nun habe ich das alleinige Sorgerecht, welches mir das Amtsgericht nach einer mündlichen Verhandlung zugesprochen hat. Im Beschluss wird aufgeführt, dass "der Vater die Übertragung der elterlichen Sorge auf die Mutter will", ein Umgangsrecht wurde nicht geregelt. Wir haben das unter uns geklärt, sie sehen sich so oft es die Entfernung zulässt, bei ihnen oder bei uns.

Ich bin verheiratet, mit meinem Mann habe ich eine kleine Tochter. Ich bin in DE aufgewachsen, mein Mann lebt seit 5 Jahren hier, nun wollen wir zusammen in unsere alte Heimat zurückziehen, ein EU-Nachbarland, dessen Staatsbürger wir beide sind. Mein Sohn hat zwei Staatsbürgerschaften, er ist an das andere Land sehr gebunden, hat dort unsere große Familie, soziale Kontakte, ist der Sprache mächtig, schriftlich und mündlich, verbringt fast jede Ferien dort, und das seit 10 Jahren. Wir wollen ihn natürlich mitnehmen, jedoch haben wir unterschiedliche Möglichkeiten, was den Zeitpunkt seines Umzugs angeht. Im Hinblick auf einen möglichen Sorgerechtsstreit, den mein Expartner nun angekündigt hat, wissen wir nicht, was wir tun sollen.

Die erste Möglichkeit: sofort, zusammen mit uns. Nachteil wäre, er würde aus dem Schulalltag gerissen und müsste sich plötzlich mitten im Schuljahr an eine neue Schule gewöhnen. Das könnte der Kindsvater sicher gegen uns verwenden. Doch ich denke, dass es vielleicht gar keine schlechte Alternative wäre, denn er wäre ja mit uns zusammen und wir könnten ihn unterstützen. Es folgen sehr schnell die Weihnachtsferien, in denen er aufatmen könnte um sich an seine neue Umgebung besser zu gewöhnen.

Die zweite Möglichkeit ist, er beendet das Schuljahr hier. Das war ursprünglich unser Favorit. Dazu würde er ab Dezember bei meiner Mutter wohnen, wir wären dann schon umgezogen (aus verschiedenen Gründen haben wir diesen Umzugstermin festgelegt und können ihn nicht wirklich verschieben). Meine Mutter ist seine wichtige Bezugsperson, sie hat sich von Anfang an sehr viel um ihn gekümmert, deshalb wäre es für mich keine Frage ob er gut aufgehoben sein würde.
Er hat das letzte Jahr ebenfalls bei ihr verbracht (20min Fahrtweg zu uns), denn die einzige Wohnung, die wir finden konnten um nach der Hochzeit zusammenzuziehen, war viel zu klein und zudem ungünstig geschnitten für 4 Personen. Wir haben das Jahr über nach einer größeren Wohnung gesucht, damit wir zusammenziehen können, wir hatten einen befristeten Vertrag und waren somit auch noch unter Zeitdruck. Irgendwann hatten wir uns dann entschieden, zurück in unsere alte Heimat zu gehen, vor allen Dingen wegen Familie, Heimweh, etc.

Der Kindsvater will nun das Sorgerecht zurückerlangen und sagte mir offen, dass er erreichen will, dass unser Sohn bei ihm lebt. Er hat dazu schon einen Termin im Jugendamt gemacht und will eventuell auch einen Anwalt hinzuziehen. Unser Sohn würde auch bei seinem Vater sein wollen, doch ich denke wenn der Alltag über sie kommt wäre das alles vielleicht nicht ganz so rosig, wie sie sich das vorstellen. Ich sehe das größte Problem in dem Zusammenleben mit einem "fremden" Mädchen im gleichen Alter, die keine Blutsverwandte ist. Obwohl sie sich gut verstehen sehe ich dort Konflikte für die Zukunft.

Er will nicht, dass ich unseren Sohn in das andere Land mitnehme. Er sieht dort Probleme politischer Natur. Darüber kann man denken, was man will. Es ist jedenfalls ein demokratisches EU-Land.
Meine Fragen:

1. Welche Möglichkeit bezüglich des Umzugs wäre die bessere in Hinblick auf einen möglichen Sorgerechtsstreit? Falls der Kindsvater sogar das alleinige Sorgerecht beantragen wird, was er angedeutet hat.

2. Unser ursprünglicher Favorit, dass mein Sohn hier das Schuljahr beendet, erscheint mir nach der Reaktion des Kindsvaters riskant. Kann es passieren, dass unser Sohn vom Jugendamt in Obhut genommen würde, wenn der Kindsvater beim Jugendamt seiner Sorge Ausdruck verleiht, ich hätte mein Kind verlassen und er sieht das Kindswohl gefährdet? Er redet in letzter Zeit immer häufiger über das Alter meiner Mutter, "falls ihr etwas passiert", wer würde dann unseren Sohn auffangen, usw.

3. Kann der Kindsvater den Umzug verhindern? Kann er eine Eilverfügung zum Sorgerecht erwirken oder ähnliches? Kann er es schon mit dem Sorgerechtsantrag bewirken, dass mein Sohn vorerst im Land bleiben muss?

4. Ich habe nun Angst, je länger mein Sohn ohne mich unter Obhut meiner Mutter in DE verweilt, desto größer wären des Kindsvaters Chancen, das alleinige Sorgerecht zu bekommen und zu bewirken, dass unser Sohn bei ihm lebt. Meine Mutter ist kurz vor der Rente, und ist in keiner guten finanziellen Situation. Falls unser Sohn bei ihr bleibt, wären sie angewiesen auf unsere Hilfe, die sie auch bekommen würde. All das könnte doch der Kindsvater vor Gericht gut für sich nutzen, oder?

Ich habe nichts gegen das geteilte Sorgerecht, das habe ich ihm gesagt. Ich will keinen Streit. Ich würde ihm mit den Unterhaltszahlungen entgegenkommen, er kann den Unterhalt ruhig vermindern. Ich würde auch ihrem Kontakt nicht entgegenwirken. Im Gegenteil, die neue Stadt wäre sogar (obwohl in einem anderen Land) etwas näher am Vater dran als aktuell, mit einer guten Anbindung.

Soll ich meinen Sohn sofort mitnehmen, solange ich das alleinige Sorgerecht habe, oder kann uns nichts passieren, solange wir getrennt sind bis er sein Schuljahr beendet hat?

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich denke nicht, dass weitere Gespräche mit dem Kindsvater etwas an seiner Einstellung ändern. Wir streiten (noch) nicht, aber er hat sich das in den Kopf gesetzt und wird es durchziehen. Ich will das Sorgerecht und meinen Sohn behalten. Wie soll ich das anstellen, bzw welche Karten kann ich in meiner Situation am besten ausspielen, um meine Chancen zu maximieren?

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Sehr geehrte Ratsuchende,

nehmen Sie Ihren Sohn jetzt mit. Da Ihr Sohn der Sprache mächtig ist und das Land auch kennt, wird auch ein Schulwechsel möglich sein.

Alles andere wäre auch contraproduktiv.

Würde der Sohn bei Ihrer Mutter bleiben, könnte der Vater dann natürlich die Gefährdung des Kindeswohls behauptet und wenn das gefährdert wäre, wird das Jugendamt auch eingreifen müssen.


Wenn Sie das alleinige Sorgerecht haben, wird der Vater auch den Umzug in das sichere Ausland nicht verhindern können. Das ändert sich dann, wenn Sie ihm ein gemeinsames Sorgerecht einräumen. Davon würde ich abraten.

Da zudem weiterhin das Umgangsrecht wahrgenommen werden kann, wäre dieses kein Argument für einen Antrag des Vaters.

Ich wünsche Ihnen einen guten Neustart.


Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle

Nachfrage vom Fragesteller 25.11.2016 | 16:49

Sehr geehrte Frau True-Bohle,

vielen Dank für die rasche Antwort.

Eine weitergehende Frage hätte ich noch. Wenn ich meinen Sohn mitnehme, der Vater dann das gemeinsame Sorgerecht einklagt und bekommt, während wir schon im Ausland leben, welche Möglichkeiten hat er dann noch, unseren Sohn zu sich zu holen?

Nochmals vielen Dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.11.2016 | 18:00

Sehr geehrte Ratsuchende,

sollte dem Vater das gemeinsame Sorgerecht auch eingeräumt werden, bedeutet dieses nicht, dass er dann allein entscheiden kann.

Sie haben für den Fall der Fälle auch beide das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Sie haben schon eine Entscheidung getroffen, als Sie noch das alleinige Sorgerecht hatten. Das kann nicht ohne weiteres umgestoßen werden.


Will der Vater den Sohn holen, müsste er überhaupt das Aufenthaltsbestimmungsrecht erhalten und dieses setzt voraus, dass das Kindeswohl gefährdet ist und das ist es nicht.

Ziehen Sie wie geplant um; mit dem Sohn.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle

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