Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Einbürgerung trotz Auslandsstudiums und Erlöschen des Aufenthaltstitels?

11.07.2015 09:47 |
Preis: ***,00 € |

Ausländerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung: Einbürgerung trotz Unterbrechung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich wurde in Deutschland geboren und lebe seit meiner Geburt auch in der Bundesrepublik. Ich bin hier zur Schule gegangen und habe letztes Jahr mein Abitur mit einer guten Note bestanden. Bisher besitze ich einen chinesischen Pass und einen unbefristeten Aufenthaltstitel.

Nach Schulabschluss bin ich von September 2014 - Dezember 2014 auf ein College in England gegangen, um Auslandserfahrungen zu sammeln. Danach kehrte ich für ca. eineinhalb Monate nach Deutschland zurück und entschloss mich, von Anfang Februar 2015 bis Anfang Juni 2015 noch einmal nach England zu gehen, ebenfalls für schulische Zwecke. Während dieser Zeit bewarb ich mich für eine Uni in der Niederlande, wo ich Ende August diesen Jahres meinen Bachelor-Studiengang beginnen werde. Ich habe vor kurzem einen Antrag auf eine Einbürgerung gestellt und nun wurde mir gesagt, dass ich die Einbürgerungsvoraussetzungen aus folgenden Gründen nicht erfülle:

Nach § 12b StAG habe ich mich aus einem meiner Natur nach nicht vorübergehenden Grund länger als 6 Monate im Ausland aufgehalten, weswegen mir maximal 5 Jahre auf die für die Einbürgerung erforderliche Aufenthaltsdauer angerechnet werden können. Zudem würde mein Inlandsaufenthalt durch das Studium in der Niederlande unterbrochen werden, da sich mein Lebensmittelpunkt dann im Ausland befinden wird und mein Aufenthalt in Deutschland nur noch besuchsweisen Charakter annimmt.

Meine Fragen:

1. Müssen die 6 Monate im Ausland ununterbrochen sein oder werden die Auslandsaufenthalte eines Jahre zusammen gerechnet? Wenn ja, im Kalenderjahr oder im Rahmen eines Jahres? Denn ich bin nach meinem ersten Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückgekehrt und habe hier eineinhalb Monate gewohnt, bevor ich erneut nach England ging. Läge ein Auslandsaufenthalt zu schulischen Zwecken nicht in meiner Natur, da ich noch Schüler/Student bin?

2. Gibt es eine Möglichkeit für eine Einbürgerung trotz Auslandsstudiums oder muss ich dafür in Deutschland studieren?

3. Falls meine vorherigen Auslandsaufenthalte keine Probleme darstellen sollten, jedoch mein Studium in der Niederlande die Einbürgerung trotzdem nicht zuließe: Wäre es dann möglich, mich einbürgern zu lassen, wenn mein Wohnsitz in einer nahegelegenen Stadt in Deutschland bliebe, ich aber an der Uni in der Niederlande studieren würde? Ich habe mich zur Sicherheit auch an deutschen Universitäten beworben, meine Präferenz läge jedoch eindeutig bei der Universität in der Niederlande, da ich dort schon eingeschrieben bin.

4. Ich habe eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und könnte diese erlöschen, wenn ich zum Studieren ins Ausland gehe? Und welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um nicht den Aufenthaltstitel zu gefährden? Ich lebe seit meiner Geburt in Deutschland, demnach schon länger als 15 Jahre in Deutschland.

5. Kann der erforderliche ununterbrochene Aufenthalt von 8 Jahren laut §10 StAG auf 6 Jahre verkürzt werden, da ich in Deutschland aufgewachsen bin und somit fließend Deutsch spreche?


Ich bedanke mich ganz herzlich für eine schnelle und fachliche Antwort im Voraus!

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


1.
1.1. Müssen die 6 Monate im Ausland ununterbrochen sein oder werden die Auslandsaufenthalte eines Jahre zusammen gerechnet?
Sie werden zusammengerechnet
1.2.Wenn ja, im Kalenderjahr oder im Rahmen eines Jahres?
Innerhalb der Wartezeit (8 letzten Jahren nach § 10 StAG vor der Antragsstellung)
1.3.Läge ein Auslandsaufenthalt zu schulischen Zwecken nicht in meiner Natur, da ich noch Schüler/Student bin?
Nein. Der Zweck ist leider unerheblich. Sie hätten bei der Ausländerbehörde einen Antrag nach § 12 StAG stellen müssen:
㤠12b StAG

(1) Der gewöhnliche Aufenthalt im Inland wird durch Aufenthalte bis zu sechs Monaten im Ausland nicht unterbrochen. Bei längeren Auslandsaufenthalten besteht er fort, wenn der Ausländer innerhalb der von der Ausländerbehörde bestimmten Frist wieder eingereist ist".

2.
2.1. Gibt es eine Möglichkeit für eine Einbürgerung trotz Auslandsstudiums
Durch die Aufnahme des Studiums wird der gew. Aufenthalt unterbrochen, 5 Jahre des alten Aufenthaltes werden bei Neuantragsstellung (nach dem Studium) hinzugerechnet. Es besteht aber die Möglichkeit den Antrag zu stellen, s. 1.3. Die Ausländerbehörde wird entscheiden (Ermessen).

2.2.oder muss ich dafür in Deutschland studieren?
Kann man so sagen


3. Falls meine vorherigen Auslandsaufenthalte keine Probleme darstellen sollten, jedoch mein Studium in der Niederlande die Einbürgerung trotzdem nicht zuließe: Wäre es dann möglich, mich einbürgern zu lassen, wenn mein Wohnsitz in einer nahegelegenen Stadt in Deutschland bliebe, ich aber an der Uni in der Niederlande studieren würde? Ich habe mich zur Sicherheit auch an deutschen Universitäten beworben, meine Präferenz läge jedoch eindeutig bei der Universität in der Niederlande, da ich dort schon eingeschrieben bin.
Das wird nicht funktionieren. Man wird hier eine Umgehung des Gesetzes sehen.

4.
4.1.Ich habe eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und könnte diese erlöschen, wenn ich zum Studieren ins Ausland gehe?

Hier ist einschlägig:
Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG)
§ 51 Beendigung der Rechtmäßigkeit des Aufenthalts; Fortgeltung von Beschränkungen

(1) Der Aufenthaltstitel erlischt in folgenden Fällen:
….
6.
wenn der Ausländer aus einem seiner Natur nach nicht vorübergehenden Grunde ausreist,
7.
wenn der Ausländer ausgereist und nicht innerhalb von sechs Monaten oder einer von der Ausländerbehörde bestimmten längeren Frist wieder eingereist ist,
(2) Die Niederlassungserlaubnis eines Ausländers, der sich mindestens 15 Jahre rechtmäßig im Bundesgebiet aufgehalten hat sowie die Niederlassungserlaubnis seines mit ihm in ehelicher Lebensgemeinschaft lebenden Ehegatten erlöschen nicht nach Absatz 1 Nr. 6 und 7, wenn deren Lebensunterhalt gesichert ist und kein Ausweisungsgrund nach § 54 Nr. 5 bis 7 oder § 55 Abs. 2 Nr. 8 bis 11 vorliegt."

D.h. falls Ihr Lebensunterhalt gesichert ist und kein Ausweisungsgrund nach § 54 Nr. 5 bis 7 oder § 55 Abs. 2 Nr. 8 bis 11 vorliegt wird Ihre AE nicht erlöschen.

4.2.
Und welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um nicht den Aufenthaltstitel zu gefährden? Ich lebe seit meiner Geburt in Deutschland, demnach schon länger als 15 Jahre in Deutschland.
Wir unter 4.1. gesagt, haben Sie grundsätzlich nichts zu befürchten. Ich empfehle aber eine Rücksprache mit Ausländerbehörde und einen Antrag wie bei 2.1.


5. Kann der erforderliche ununterbrochene Aufenthalt von 8 Jahren laut §10 StAG auf 6 Jahre verkürzt werden, da ich in Deutschland aufgewachsen bin und somit fließend Deutsch spreche?
Das ist genau, was Sie machen können. Denn im schlimmsten Fall, wenn mit dem Antrag nach 2.1. nicht funktioniert, werden 5 Jahre Ihnen angerechnet und nach 1 Jahr Wartezeit werden Sie eingebürgert.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 11.07.2015 | 12:11

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

1. Die Behörde bot mir an, den Antrag entweder kostenlos zurückzunehmen oder eine kostenpflichtige Ablehnung durch die Behörde mit Gelegenheit zur Stellungnahme. Was würden sie in diesem Fall empfehlen und was würde Folgen auf einen erneuten Antrag in der Zukunft haben?

2. Kann der Antrag nach § 12 StAG noch nachträglich gestellt werden und wenn ja, wie?

4. Was muss ich zur Sicherung der Verkürzung der Wartezeit um 2 Jahre tun? Darf ich in diesem Fall nicht mehr aus Deutschland ausreisen?

5. Was genau besagen Absatz 1 Nr. 6 und 7? Ich möchte sicher gehen, dass ich meinen unbefristeten Aufenthaltstitel in keinem Fall verliere, da das momentan das Wichtigste ist.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.07.2015 | 13:30

...gerne beantworte ich Ihre Nachfrage:

1. Die Behörde bot mir an, den Antrag entweder kostenlos zurückzunehmen oder eine kostenpflichtige Ablehnung durch die Behörde mit Gelegenheit zur Stellungnahme. Was würden sie in diesem Fall empfehlen

Die Behörde soll Ihnen das Anhörungsschreiben (=Gelegenheit zur Stellungnahme) schicken. Dort werden die Argumente der Behörde erst mal dokumentiert. Dann nehmen Sie Ihren Antrag zurück. Man kann auch überlegen, ob Sie Ihren Antrag doch weiter verfolgen, nach Ablehnung einen Widerspruch einlegen und dann evtl. eine Klage erheben. Die Kosten sind nicht so tragisch (ca. 1000 €), wenn Sie das ohne Rechtsanwalt machen. Einen Rechtsanwalt brauchen Sie nicht, da die Rechtslage klar ist. Es besteht aber eine kleine Chance, dass die Behörde sagt (Schule besuchen ist kein Fall der Unterbrechung).
und was würde Folgen auf einen erneuten Antrag in der Zukunft haben?
Keine. Keine auch wenn Sie die Behörde verklagen.

2. Kann der Antrag nach § 12 StAG noch nachträglich gestellt werden und wenn ja, wie?
Immer vor der Ausreise, also Nein bzgl. England


4. Was muss ich zur Sicherung der Verkürzung der Wartezeit um 2 Jahre tun? Darf ich in diesem Fall nicht mehr aus Deutschland ausreisen?

Gar nicht, die Voraussetzungen liegen bei Ihnen vor:
§ 10 StAG:
….
(3) Weist ein Ausländer durch die Bescheinigung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die erfolgreiche Teilnahme an einem Integrationskurs nach, wird die Frist nach Absatz 1 auf sieben Jahre verkürzt. Bei Vorliegen besonderer Integrationsleistungen, insbesondere beim Nachweis von Sprachkenntnissen, die die Voraussetzungen des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 6 übersteigen, kann sie auf sechs Jahre verkürzt werden.

… Absatzes 1 Satz 1 Nr. 6:
„über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt"

Ihre Kenntnisse sind mehr als auseichend (Deutscher Schulabschluss)


5. Was genau besagen Absatz 1 Nr. 6 und 7? Ich möchte sicher gehen, dass ich meinen unbefristeten Aufenthaltstitel in keinem Fall verliere, da das momentan das Wichtigste ist.
Das habe ich schon geschrieben:
(1) Der Aufenthaltstitel erlischt in folgenden Fällen:
1.
Ablauf seiner Geltungsdauer,
2.
Eintritt einer auflösenden Bedingung,
3.
Rücknahme des Aufenthaltstitels,
4.
Widerruf des Aufenthaltstitels,
5.
Ausweisung des Ausländers,
5a.
Bekanntgabe einer Abschiebungsanordnung nach § 58a,
6.
wenn der Ausländer aus einem seiner Natur nach nicht vorübergehenden Grunde ausreist,
7.
wenn der Ausländer ausgereist und nicht innerhalb von sechs Monaten oder einer von der Ausländerbehörde bestimmten längeren Frist wieder eingereist ist,
8.
wenn ein Ausländer nach Erteilung eines Aufenthaltstitels gemäß der §§ 22, 23 oder § 25 Abs. 3 bis 5 einen Asylantrag stellt;
ein für mehrere Einreisen oder mit einer Geltungsdauer von mehr als drei Monaten erteiltes Visum erlischt nicht nach den Nummern 6 und 7.

Freundliche Grüße aus München
Zelinskij

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 69523 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ich war sehr zufrieden mit der ausführlichen Antwort ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr geehrter Herr Lembcke, vielen Dank für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle und unkomplizierte Hilfe ...
FRAGESTELLER
Jetzt Frage stellen