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Ein Erbe ist überhaupt nicht bereit zur Erbauseinandersetzung

13.10.2006 09:47 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Guido Matthes


Sehr geehrter Anwalt,

der Erblasser ist im Oktober 2005 verstorben und hat ein Testament hinterlassen, seine fünf Kinder erben zu gleichen Teilen, Geld, Grundstücke und eine Immobilie.
Der Erbschein wurde im März 2006 ausgestellt. Es wurde ein Gutachten über die Immobilie und die Grundstücke erstellt. Es hat schon Versuche der Erbauseinandersetzung gegeben. Es haben aber nicht alle teilgenommen, da zwei Erben weit entfernt wohnen. Selbst als diese Zwei zur Erbauseinadersetzung angereist waren, gab es von anderen nicht die Bereitschaft zum Gespräch.

1. Ein Erbe möchte die Immobilie übernehmen, er wohnte schon vor dem Tod des Erblassers dort. Alle Miterben haben ihm das auch mündlich zugesagt. Er möchte aber flächenmäßig mehr Grundstück als ihm laut Testament zusteht. Er setzt dazu die Kontenauflösung ein, wenn er die gewünschten Grundstücke nicht bekommt, ist er nicht bereit mit zur Kontenauflösung mitzugehen.

2.Ein Erbe ist überhaupt nicht bereit zur Erbauseinandersetzung. Er verweigert jegliche Gespräche, ohne Gründe dafür anzugeben. Er sagt nur, es soll alles Zwangsversteigert werden.
Kann man Erben zur Erbau8seinandersetzung verpflichten?
Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es, erstmal das Geld aufzuteilen. Kann ein Erbe das einfach verweigern?
Wenn die Aufteilung der Grundstücke längere Zeit dauert, müssen die Grundstücke gepflegt werden, wie zum Beispiel Hecke, oder Bäume schneiden.
Wie können alle Erben verpflichtet werden sich zu beteiligen?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfragen beantworte ich nach Ihren Angaben wie folgt:

1.
Nach der gesetzlichen Regelung kann jeder Miterbe jederzeit die Auseinandersetzung der Miterbengemeinschaft verlangen.

Wenn dies nicht einvernehmlich erfolgt, ist eine zwangsweise Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft grundsätzlich möglich, meist allerdings die wirtschaftlich schlechteste Lösung. Es müsste ein Auseinandersetzungsplan erstellt werden. Jeder Miterbe kann dann auf Zustimmung zu dem Auseinandersetzungsplan klagen.

Wenn keine Einigung möglich ist, sollte vorrangig ein Vermittlungsverfahren beim Nachlassgericht beantragt werden. Das Gericht kann in diesem Verfahren Auseinandersetzungsvorschläge machen und darf vermitteln, aber nicht entscheiden. Nicht selten lässt sich durch dieses Verfahren eine streitige Auseinandersetzung vermeiden.

2.
Wenn keine Auseinandersetzunganordnungen des Erblassers bestehen, erfolgt die Auseinandersetzung in der Form, dass zunächst die Nachlassverbindlichkeiten bereinigt werden und dann eine Teilung des Erbes vorgenommen wird. Wenn eine Teilung in Natur (wie bei Geld möglich ist), kann dies vorab vorgenommen werden.

Dies allerdings nur, wenn alle Miterben einverstanden sind. Ist dies nicht der Fall müßte eine Gesamtlösung über das Schlichtungsverfahren oder in Form des oben genannten Auseinandersetzungsplans gefunden werden.

3.
Es besteht der Grundsatz der gemeinschaftlichen Verwaltung unter den Miterben. Dazu entscheiden die Miterben über die ordnungsgemäße Verwaltung (wozu die Pflege der Grundstücke gehört) per Stimmenmehrheit.

Zur Umsetzung sollten Sie einen Vorschlag über die zukünftige Handhabung der Grundstückspflege an die übrigen Miterben richten und um Zustimmung bitten.

Soweit einzelne Miterben dann zur ordnungsgemäßen Verwaltung tätig werden, wozu sie durch Mehrheitsbeschluss beautragt sind, haben sie als Beauftragte einen Ersatzanspruch wegen ihrer Aufwendungen gegen die Miterben, abzüglich des Anteils des Handelnden. D.h. wenn sie z.B. mit Zustimmung der Mehrheit die Grundstückspflege übernehmen, können Sie die anteiligen Kosten von den anderen Erben zu je 1/5 erstattet verlangen.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt

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