Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.523
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Eigenheimzulage - Neubau oder Baumaßnahmen an einer bestehenden Wohnung?


11.07.2006 12:28 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Wir haben im Herbst 2003 das Haus meiner Schwiegereltern übernommen.
Meinen Schwager habe ich mit 30.000 Euro ausbezahlt und die Schwiegereltern wohnen weiterhin in dem Haus.
Das Haus besteht aus zwei Wohnungen, die der Schwiegereltern und die der Großmutter, die leider verstorben war.
Die Wohnung der Großmutter wollten wir für uns umbauen und um einen zusätzlichen Anbau erweitern.
Im Oktober 2003 haben wir den Bauantrag gestellt und dann auch mit den Arbeiten begonnen.
Unser Finanzberater war der Meinung, wenn bei solchen Um- und Anbauten der vorwiegende Teil der Kosten in den neuen Anbau investiert werden, kann man die Eigenheimzulage für Neubauten beantragen ( 2556 Euro / Jahr ).
Die Kosten für den Anbau betrugen ca. 104.000 Euro ( Wohnzimmer, Schlafzimmer, Balkon,zwei Kellerräume, ein Durchgang ).
Das Finanzamt hat uns nur eine Eigenheimzulage für Ausbau und Erweiterung vorhandenen Wohnraumes genehmigt ( 1278 Euro / Jahr ).
Das FA begründeten es damit, dass man für die Förderung für Neubauten eine Wohnung,
d.h. eine Zusammenfassung mehrerer Räume samt Küche, Bad und WC sowie eigenem Zugang, neu geschaffen haben muss.
Die Räumlichkeiten für Zugang, Küche, Kinderzimmer, Bad/WC waren schon vorhanden, wurden nur modernisiert.
Hat das Finanzamt recht ?
Sehr geehrter Fragesteller,
sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage.

Die Aussage des Finanzamtes scheint mir doch etwas verkürzt.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat zuletzt im Jahr 2005 noch einmal klargestellt, was er unter dem Neubau einer Wohnung versteht (BFH- Urteil vom 01.03.2005 IX R 60/04, BFH/NV 2005, 1505).

Errichtet jemand an zu Wohnzwecken genutzten Räumlichkeiten einen Neubau in der Weise, dass die Neubauteile dem Gesamtkomplex das Gepräge geben, so stellt er damit eine neue Wohnung her.

Eine Wohnung i.S. von § 2 Abs. 1 Satz 1 EigZulG ist nicht nur dann hergestellt, wenn eine neue, bisher nicht vorhandene Wohnung geschaffen wird.

Auch Baumaßnahmen an einer bestehenden Wohnung können zur Neuherstellung einer Wohnung i.S. des § 2 Abs. 1 EigZulG führen. Die Baumaßnahmen an einer vorhandenen Wohnung müssen aber eine bautechnisch neue Wohnung ergeben (BFH- Urteile vom 29.01.2003 III R 53/00; vom 20.11.2003 III R 14/03, BFH/NV 2004, 616).

Dies kann auch durch einen mit der bisherigen Wohnung verbundenen Neubau geschehen, wenn die in die neue Wohnung einbezogene alte Gebäudesubstanz so tief greifend umgestaltet wird, dass die eingefügten Teile der entstandenen Wohnung das Gepräge geben (Bundesministerium der Finanzen, Schreiben vom 21. Dezember 2004, BStBl I 2005, 305, Tz. 11 Satz 2). So verhält es sich, wenn beide Gebäudeteile bautechnisch und funktional in einer Weise zusammengefügt werden, dass sich dadurch nicht lediglich die bisherige Wohnfläche vergrößert, sondern der Gesamtkomplex eine neue Wohnung bildet. Auch wenn sich im Altbau schon Räumlichkeiten befanden, die in bewertungsrechtlicher Hinsicht die Merkmale einer Wohnung erfüllen liegt keine bloße Erweiterung an einer Wohnung i.S. von § 2 Abs. 2 EigZulG vor, wenn sich auch diese Räumlichkeiten durch das Zusammenführen beider Bauteile in ihrer Struktur nachhaltig verändern (BFH- Urteil vom 01.03.2005 IX R 60/04, BFH/NV 2005, 1505).

In Ihrem Fall kommt es daher darauf an, ob durch die Erweiterung der alten Wohnung eine komplett neue Wohnung entstanden ist. Wichtige Kriterien sind hier, dass nicht einfach weitere Räume hinzugefügt werden. Es muss eine komplette Umgestaltung erfolgen. In dem Fall aus dem Jahr 2005 war es sogar so, dass die Wohnung vom Neubau her mit Warmwasser und Heizung versorgt wurde.

Wenn in Ihrem Fall das alte Bad und die alte Küche nur modernisiert wurden und darüber hinaus nur andere Räume angeschlossen wurden, könnte sich das Finanzamt in einem möglichen Rechtstreit vor dem Finanzgericht durchsetzen. Das kann ich aber aus der Ferne kaum beurteilen. Sie werden daher sicher die Hilfe eines Steuerrechtlers vor Ort in Anspruch nehmen müssen. Dieser kann dann beurteilen, ob Sie der alten Wohnung durch den Anbau eine neue Prägung gegeben haben. Besonders könnte hier ins Gewicht fallen, wenn ein Wohnzimmer neu eingerichtet wurde und auch ein Balkon angebaut wurde.

Ich hoffe Ihnen weiter geholfen habe und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Honsel
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER