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Eichenprozessionsspinner


12.06.2007 11:51 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Stefanie Helzel



Auf dem Nachbargrundstück befinden sich im Abstand von ca. 1-3 Metern zu unserer Grundstücksgrenze mehrere ca. 10-20 Meter hohe Bäume. Diese Bäume sind ca. 30 Jahre alt. Einige Äste ragen bis zu 4 Meter in unser Grundstück herein (ab einer Höhe von ca. 2 Meter).
Die Blätter sowie der Samen einiger Bäume lösen Allergien aus, verstopfen unsere Dachrinne, ziehen unseren Rasen teilw. in Mitleidenschaft, eine Anpflanzung (z.B. Kräutergarten) in der Nähe der Bäume ist aufgrund der extremen Verschmutzung auch nicht möglich. Weiterhin haben wir vor ca. 2 Jahren beim Ausheben der Baugrube für unser EFH festgestellt, das die Wurzeln bereits bis zu unserem Haus reichen. Hier ist auch die Substanz des Hauses (Kellers) gefährdet. (Haus befindet sich 6 Meter von Grundstücksgrenze entfernt)
Meine 1. Frage: Kann ich vom Nachbar verlangen die Äste zu kürzen? Wenn er dem nicht nachkommt, kann ich dann auf seine Kosten einen Gärtner beauftragen?

Unter den oben genannten Bäumen befindet sich eine ca. 20 Meter hohe Eiche, auf der sich der Eichenprozessionsspinner befindet (befand?) Die Haare dieser Raupen lösen bei Menschen Allergien, bis zu allergischen Schocks aus. (http://www.lwf.bayern.de/imperia/md/content/lwf-internet/veroeffentlichungen/lwf-merkblaeter/15/lwf-merkblatt_15.pdf)

Ein Baumpfleger hat nun im Auftrag des Nachbarn 3 alte Nester gefunden und diese entfernt. Neue hat er nicht gefunden, obwohl wir bereits in diesem Frühjahr Körperkontakt mit diesen Raupen hatten. (Allergische Reaktion) Die Haare dieser Raupen stellen auch nach Verpuppung eine latente Gefahrenquelle dar. Auch können sie durch Wind über mehrere hundert Meter getragen werden. Unter den 4 Metern in unser Grundstück herein ragenen Ästen befindet sich eine Kinderschaukel, Sandkasten etc.
Fachleute haben uns dringend geraten die Kinder dort nicht spielen zu lassen.
Im nächsten Jahr soll der Baum nun mit Gift besprüht werden. Das Problem ist damit aber noch nicht aus der Welt, da es u.U. jedes Jahr zu diesen Raupenansammlungen kommen kann.
Meine 2. Frage: Können wir vom Nachbarn verlangen, den Baum zu fällen, bzw. können wir von Ihm verlangen jedes Jahr die Raupen vom Baum entfernen zu lassen? Was ist mit den sich offensichtlich noch auf dem Baum befindlichen Raupen?

Besten Dank


-- Einsatz geändert am 12.06.2007 14:22:24
Sehr geehrter Fragesteller,

1. Gem. § 910 BGB haben Sie das Recht, von dem Nachbarn die Beseitigung des grenzüberschreitenden Überhangs zu verlangen, sofern dieser die Benutzung Ihres Grundstücks nicht nur unerheblich beeinträchtigt. Von einer Beeinträchtigung ist auf jeden Fall auszugehen, wenn Ihre Dachrinne verstopft ist. Gleiches gilt für die gefährdenden Wurzeln. Zur Beseitigung des Überhangs ist dem Nachbarn eine angemessene Frist zu setzten. Beachten Sie, dass evtl. eine örtliche Baumschutzsatzung dem Rückschnitt zu dieser Jahreszeit entgegenstehen könnte. Grundsätzlich ist eine Aufforderung zum Rückschnitt während der Vegetationsphase eher heikel, weshalb sicherheitshalber ein Rückschnitt zum Herbst verlangt werden sollte. Kommt der Nachbar dieser Aufforderung nicht nach, können Sie die Beeinträchtigungen auf Kosten des Nachbarn selbst beseitigen (lassen).

2. Die Entfernung des Baumes werden Sie nicht verlangen können. Sofern von den Raupen eine tatsächliche Beeinträchtigung ausgeht, die die Gesundheit Ihrer Familie betrifft, haben Sie gegen den Nachbarn einen Anspruch auf Beseitigung der Raupen gem. §§ 1004, 906 BGB. Dies gilt jedoch nur, soweit eine tatsächliche nicht nur unwesentliche Beeinträchtigung vorliegt. Eine nur mögliche Beeinträchitung reicht dagegen nicht aus, um Ansprüche gegen den Nachbarn geltend zu machen. Sofern die Raupen mit Gift unschädlich gemacht werden können, können Sie von Ihrem Nachbarn keine weiteren Handlungen verlangen.

Ich hoffe, Ihnen eine erste Orientierung vermittelt zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Stefanie Helzel
- Rechtsanwältin -

Ansbacher Str. 11b
91710 Gunzenhausen
Tel. 09831/8908-0
Fax 09831/8908-19
info@123kanzlei.net

Bitte beachten Sie, dass diese Antwort die von Ihnen geschilderten, wesentlichen Aspekte des Falles umfasst, jedoch weitere Tatsachen relevant sein können, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen würden. Diese Plattform ist lediglich geeignet, eine erste Einschätzung zu geben, kann jedoch die persönliche Beratung eines Anwalts vor Ort nicht ersetzen.

Nachfrage vom Fragesteller 13.06.2007 | 09:19

Hallo Frau RA ´in, vielen Dank für Ihre Informationen,folgende Nachfrage:

Kann ich die überhängenden Zweige (ohne zu fragen) selbst und auf meine Kosten entfernen? Was ist mit hereinwucherndem Unkraut
, das mit der Wurzel (auf Nachbargrundstück) entfernt werden muss? Der Eichenprozessionsspinner kann nur bis zu einem gewissen Entwicklungsstadium mit Gift bekämpft werden, dafür ist es in diesem Jahr bereits zu spät. Deshalb meine Frage: Was muss mit den Raupen passieren, die sich offentsichtlich noch auf dem Baum befinden? Vielen Dank und Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.06.2007 | 09:44

Sehr geehrter Fragesteller,

hinsichtlich der Zweige müssen Sie den Nachbarn erst zur Beseitigung auffordern. Hier können Sie diese nicht einfach selbst entfernen, sondern erst, wenn der Nachbar dem Beseitigungsverlangen nicht nachkommt. Unkraut, welches auf Ihr Grundstück wuchert, können Sie entfernen. Wie die restlichen Raupen am besten noch entfernt werden können, kann Ihnen nur ein Fachmann erläutern, das ist keine juristische Frage. Hier sollten Sie sich zur Klärung der Vorgehensweise mit Ihrem Nachbarn verständigen.

Mit freundlichem Gruß

Helzel
- Rechtsanwältin -

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