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Ehrenamtliche Tätigkeit nach § 3 Nr. 26 EStG und Steuern


29.11.2006 14:08 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Hallo,

ich arbeite derzeit nebenberuflich ehrenamtlich für eine gemeinnützige Organisation (Kinderheim, das als e.v. gemeldet und als gemeinnützig anerkannt ist).

Bisher bekomme ich kein Geld für meine Arbeit. Ich habe im Internet von einer sog. "Durchlaufspende" gelesen, die man ggf. nutzen könnte, um dem Verein noch ein bisschen mehr Geld zukommen zu lassen, indem man den Steuervorteil durch die Spende mit in die Waagschale wirft. Hierzu brauche ich Ihren Rat.

Geplantes Vorgehen:

1. Soweit ich weiss darf mir das Kinderheim nach § 3 Nr. 26 EStG 154 Euro/Monat bzw. 1.848 Euro pro Jahr steuerfrei zukommen lassen, wenn ich z.B. als Trainer der Fussball-Heimmannschaft tätig werde.

2. Nachdem ich dieses Geld vom Kinderheim nicht haben will, werde ich die vollen 1.848 Euro wieder zurückspenden. Daraus ergibt sich ein Steuervorteil. Der Einfachheit halber hier mit theoretischen 50% angesetzt. Ich habe also einen Steuervorteil i.H.v. 924 Euro.

3. Diesen Steuervorteil will ich aber auch nicht haben. Ich spende also auch diese 924 Euro wieder ans Kinderheim (das Geld kommt zwar erst nach Abgabe der Steuererklärung zurück, aber ich spende es schon jetzt wieder weiter). Aus dieser Spende ergibt sich WIEDER ein Steuervorteil i.H.v. 50% - also 462 Euro.

4. Diesen Steuervorteil will ich auch nicht haben. Analoges Vorgehen: 462 Euro spenden, 231 Euro Steuervorteil.

5. usw. bis der Steuervorteil komplett aufgezehrt ist.

Nun meine Fragen:

1. Geht das so? Ist das rechtens? Das Geld kommt schließlich steuerfrei in meinen Besitz und danach müsste ich doch mit meinem Geld verfahren können, wie ich will, oder? Was danach passiert, sind Steuervorteile durch Spenden, die ich sonst auch hätte. Oder gibt es auch hierfür ungeahnte juristische Fallstricke?

2. Falls es rechtens ist: Ist noch irgendetwas zu beachten, das ich übersehen habe? Z.B. Sozialabgaben oder sonstige Kosten, die mit den Geldflüssen verbunden sind. Soweit ich weiss, fallen auf diese 1.848 Euro eben keine Sozialabgaben an (ich habe hierzu § 14 Abs. 1 S.2 SGB IV gefunden), aber man weiss ja nie, was einem in Deutschland erwartet, wenn man helfen will...

Ich freue mich auf die Antwort. Vielen Dank schon mal vorab!


Sehr geehrte Dame,
sehr geehrter Herr,

im Rahmen Ihres Einsatzes beantworte ich die Frage wie folgt:
Der "Aufwendungsersatzanspruch" in Höhe von maximal 1848 EUR im Jahr muss vor dem Entstehen der Aufwendungen rechtswirksam begründet werden. Es gilt daher das Prinzip in der Reihenfolge: Einräumung des Anspruches >>> Entstehen der Aufwendungen >>> Geltendmachung des Anspruches >>> Verzicht auf den Anspruch >>> Zuwendungsbestätigung.
Der Anspruch darf nicht unter der Bedingung des Verzichts / der Erteilung einer Zuwendungsbestätigung eingeräumt werden (dann liegt gerade kein Fall einer Spende, sondern der Fall eines Gegenseitigkeitsverhältnisses vor: Verzicht gegen Spende: nicht zulässig!)rechtmäßig eingeräumter Aufwendungsersatzansprüche nach einer Erklärung über den Verzicht auf Auszahlung eine Zuwendungsbestätigung in Höhe des geltend gemachten Betrages ausstellen. Wollen Sie als Übungsleiter und der Verein nunmehr den eingeräumten Aufwendungsersatzanspruch nicht realisieren, darauf verzichten und sich lediglich eine Zuwendungsbestätigung vom Verein ausstellen lassen, so empfiehlt sich eine schriftliche Verzichtserklärung. <4. Nun kann dee Verein eine Zuwendungsbestätigung für eine Aufwandszuwendung ausfüllen. Er bedient sich nun des Zuwendungsbestätigungsformulars ???Geldspende“. Auch dieser Vordruck ist ein amtlich vorgeschriebener, zwingend zu verwendender Vordruck. Nähere Informationen zur Verwendung der verbindlichen Muster für Zuwendungsbestätigungen enthält das entsprechende BMF – Schreiben vom 2.6.2000, IV C 4 – S. 2223 – 568/00, EStDV, § 50 Abs. 1. Auf dem Vordruck: befindet sich der Satz : Es handelt sich (nicht ) um den Verzicht auf Erstattung von Aufwendungen. Wird nunmehr eine Aufwandszuwendung vom Schatzmeister des Vereins bestätigt, dann ist in diesem Satz das Wort (nicht) zu streichen.Nach der hier dargestellten Verfahrensweise muss in der Praxis zwischen dem Anspruchsberechtigten und dem Verein kein Geld fließen. Grundsätzlich möglich ist es aber auch so zu verfahren, dass der Anspruch des Übungsleiters befriedigt wird durch Auszahlung des Aufwendungsersatzbetrages und dieser dann seinerseits nach einer gewissen Zeit eine Geldspende an den Verein macht. Hier kann aber die Finanzverwaltung bei einer möglichen Prüfung an den Verein kritische Nachfragen stellen, insbesondere dann, wenn der Zeitraum zwischen Auszahlung des Aufwendungsersatzes und Spende an den Verein klein ist. Man könnte hier ein Gegenseitigkeitsverhältnis (Auszahlung nur gegen (Rück-) spende) vermuten. Wie lange der Zeitraum zwischen Befriedigung des Anspruches und Spende an den Verein in der Praxis zu bemessen ist, darüber liegen keine bindenden Erfahrungswerte vor. In jedem Fall sollte der Zeitraum nicht zu kurz bemessen sein und es sollte nicht der gleiche Betrag, der ausgezahlt wurde, wieder gespendet werden, so dass Ihr Vorgehen seitens der Finanzverwaltung abgelehnt würde. Ich würde deshalb als sicheren Weg vorschlagen,
dass Sie 1000.-- EUR durch Zahlung spenden.
ES ist richtig, dass der Betrag in Höhe von 1848 sozialversicherungsfrei gemäß der von Ihnen genannten Vorschrift ist.

Mfg

RA Hermes

Nachfrage vom Fragesteller 29.11.2006 | 16:15

Hallo Herr Hermes,

herzlichen Dank für Ihre prompte Antwort trotz der geringen Vergütung i.H.v. 20 Euro.

Es hätte mich auch einigermaßen überrascht, wenn unser lieber Staat nicht auch bei Hilfe für einen guten Zweck Bösartigkeit unterstellen würde.

Sie nennen mit 1.000 Euro einen Betrag, der UNTER der steuerfreien und sozialabgabenfreien Grenze von 1.848 Euro liegt.

Was aber ist, wenn der gespendete Betrag deutlich ÜBER dem erhaltenen Betrag von 1.848 Euro liegt. Denn der Steuervorteil wird wie gesagt auch gespendet. Ändert das die Sichtweise des Falles nicht?

Es kann doch nicht sein, dass mir der Staat mit einem völlig lächerlichen Rückgriff auf angebliche "Gegenseitigkeitsverhältnisse" untersagt, Geld, dass ich rechtmäßig erhalte (durch ehrenamtliche Tätigkeit oder Steuervorteile aufgrund einer Spende), nach meinem Gutdünken weiter zu verteilen.

Gibt es andere Lösungen wie z.B. einen zweiten Verein zu gründen, der mir die 154 Euro auszahlt, die ich dann ans Kinderheim weiterspende? Oder hat unser lieber Staat auch für diesen Fall einen Joker in der "Steuertrickkiste"?

Man sollte diesen Fall eigentlich vor Steuergericht bringen, um den Leuten in Deutschland mal zu zeigen, wie ehrenamtliche Hilfe mit allen Mitteln behindert wird.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.11.2006 | 14:56

Die Beantwortung Ihrer Frage erfolgte auch vor dem Hintergrund der Vorschrift des § 42 AO (Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten).
Selbstverständlich können Sie auch einen Betrag von 1.848 oder mehr an den Verein spenden. Es ist richtig, dass Sie mit Ihrem Geld selbstverständlich auch machen können, was Sie sollen. Es stellt sich nur die Frage, warum Sie diese Gestaltung wählen und ob diese vom Finanzamt anerkannt wird. Ich hatte Ihnen den bzw. einen sicheren Weg dargestellt.
An einem Gegenseitigkeitsverhältnis und der Möglichkeit der Umgehung bzw. Missbrauch von Steuergesetzen fehlt es auf jeden Fall, wenn Sie die erhaltene Summe einem anderen Verein zukommen lassen.

Beste Grüsse

RA Hermes

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