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Ehegattensplitting: Person 1 nur Kapitalerträge & Person 2 nur Lohneinkommen


03.11.2017 11:50 |
Preis: 30,00 € |

Familienrecht



Guten Tag,

mein Partner erzielt lediglich Kapitalerträge K, auf welche er Kapitalertragssteuer zahlt. Er ist weder selbstständig, angestellt noch Freiberufler, sondern Privatier. Ich bin angestellt mit einem Bruttolohn L und zahle auf diesen Einkommenssteuer.

Wie würde sich unsere Situation nach einer Heirat und Ehegattensplitting darstellen? Zählen die Kapitalerträge meines Partners als zu versteuerndes Einkommen, welches dann mit der Einkommenssteuer versteuert werden würde?
Oder könnten wir durch eine Heirat die Hälfte meiner bisherigen Einkommenssteuer sparen, da er außer den Kapitalerträgen kein Einkommen hat und auf diese Einkünfte weiterhin nur Kapitalertragssteuer zahlt? Ändert sich an Ihrer Einschätzung etwas durch das Hinzukommen von Kindern?

Vielen Dank für ein Antwort mit entsprechenden Hinweisen auf Gesetze und/oder Rechtsprechung.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

Sie spielen gedanklich durch, wie sich eine Heirat für Sie und Ihren Partner, der im Gegensatz zu Ihnen, sein Einkommen nicht aus unselbstständiger Arbeit (Angestelltentätigkeit), sondern aus den Gewinnen aus Kapitalvermögen erzielt, steuerlich auswirken würde und fragen sich nach der Rechtslage.

1. "Wie würde sich unsere Situation nach einer Heirat und Ehegattensplitting darstellen?"

Ihre Einkommen würden bei der gemeinsamen Veranlagung, welche Sie gem. § 26 EStG im Fall der standesamtlichen Trauung wählen könnten, zwecks Einkommenssteuerermittlung, zusammengerechnet. Addiert würde sowohl das Einkommen aus Kapitalvermögen, als auch das Einkommen aus unselbstständiger Arbeit. Für die Steuer spielt demnach die Einkunftsart (z.B. Zinsen aus Darlehen oder Arbeitslohn als Angestellte) grundsätzlich keine Rolle. Hinsichtlich der Steueroptimierung ergibt sich der Vorteil einer Ehe in Ihrem Fall dadurch, dass Sie und Ihr dann Ehegatte den doppelten Sparerfreibetrag von dann 1.602 € gem. § 20 Abs. 9 S. 2 EStG (sonst für Ledige: 801 €) geltend machen können. Wenn Sie selbst keine oder wenige Einkünfte aus Kapitalvermögen haben, ergibt sich demnach ein deutlicher Vorteil dadurch, dass ein wesentlich höherer Teil, nämlich nun 1.602 € steuerfrei sind. Sie können bei der Bank bzw. den Banken für den Freibetrag einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag erteilen, den beide unterschreiben müssen oder aber einzelne Freistellungsaufträge. Sie sollte dabei auf eine genaue Aufteilung des Gesamtfreibetrages auf die einzelnen Banken achten.

Darüber hinaus wirkt sich die Tatsache, dass ein Ehegatte nur Einkünfte aus Kapitalvermögen hat, nur in dem Fall aus, wenn Ihr gemeinsames Einkommen eine bestimmte Höhe, von ca. 32 000 € Gesamteinkommen (alle gemeinsamen Einkünfte zusammengerechnet) nicht überschreitet. Dies liegt daran, dass in diesem Fall Ihr Grenzsteuersatz unter dem Abgeltungsteuersatz von 25 % liegen würde. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass etwa bei diesem Betrag die Grenze verläuft, bei deren Unterschreitung eine pauschale Besteuerung mit 25 % nachteilhafter ist, als die "normale", individuell für Sie und Ihren Ehegatten errechnete, Einkommenssteuer.

Um zu verhindern, dass Sie dadurch einen Nachteil erhalten, haben Sie gem. § 32d Abs. 6 S. 1 EStG die Möglichkeit, jährlich in einer Steuererklärung freiwillig die Besteuerung gemäß Splittingtarif zu wählen. Dann würden Einkünfte aus Kapitalvermögen mit Ihrem niedrigeren persönlichen Steuersatz besteuert. Dies klingt komplizierter, als es ist. Behalten sollten Sie sich, dass Sie für den Fall, dass Ihre Einkünfte in der Summe unter ca. 32 000 € ergeben sollten, Sie in der Anlage KAP der Steuererklärung, die sog. Günstigerprüfung wählen. Hierdurch kann Ihnen kein Nachteil entstehen. Das Finanzamt prüft dann lediglich, ob eine pauschale Besteuerung oder eine solche nach dem individuellen Steuersatz nach Splittingtabelle günstiger ist.

2. "Zählen die Kapitalerträge meines Partners als zu versteuerndes Einkommen, welches dann mit der Einkommenssteuer versteuert werden würde? "

Nein, eine Verrechnung zwischen unterschiedlichen Einkunftsarten ist nicht möglich. Grundsätzlich werden nach Abzug des Sparerfreibetrages, wie oben dargestellt, Einkünfte aus Kapitalvermögen pauschal mit 25 % besteuert. Hieran (Steuersatz) ändert sich durch die Ehe nichts, es sei denn Sie liegen mit dem Gesamteinkommen unter dem oben angesprochenen Gesamtbetrag.

3. "Oder könnten wir durch eine Heirat die Hälfte meiner bisherigen Einkommenssteuer sparen, da er außer den Kapitalerträgen kein Einkommen hat und auf diese Einkünfte weiterhin nur Kapitalertragssteuer zahlt?"

Nein, das ist leider nicht möglich. Über der genannten Einkommensgrenze ergeben sich Vorteile bei der Besteuerung nur durch den nun doppelten und frei auf beide verteilbaren Sparerfreibetrag.

4. "Ändert sich an Ihrer Einschätzung etwas durch das Hinzukommen von Kindern?"

Auch durch das Hinzukommen von Kindern ändert sich an der bereits dargestellten Besteuerung grundsätzlich nichts, außer dass die Kinder auf eigenen Konten wiederum jeweils durch den 801 € hohen Sparerpauschalbetrag, bis zu diesem Betrag steuerfreie Einkünfte haben. Allerdings kann die Familie auch darüber hinaus in vielen Konstellationen durchaus ein geeignetes "Steuersparmodell" sein. Durch verschiedene Gestaltungen, selbstverständlich nur im legalen Bereich, wie z.B. Arbeitsvertrag mit Ehegatten, Einbringen der Vermögensanlagen in eine Gesellschaft und Beteiligung der Kinder daran (wenn es sich anbietet) etc., lassen sich in vielen Fällen Steuern sparen. Das konkrete Vorgehen muss in solchen Fällen selbstverständlich in einer umfassenden, zielgerichteten Beratung gemeinsam mit dem Mandanten erarbeitet werden.

Zusammengefasst wäre im Fall einer Ehe mit Ihrem Partner eine Steuerersparnis im Hinblick auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen durch die Ausnutzung des Sparerpauschalbetrags zu erreichen. Darüber hinaus ergibt sich nur aus der Höhe der einzelnen Einkünfte, insbesondere bei hohen Einkommensunterschieden, ein Steuervorteil, nicht jedoch aus der Tatsache, dass Ihr Partner Einkünfte aus Kapitalvermögen hat und Sie aus unselbstständiger Arbeit.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Da mein erstes Ziel immer die vorbehaltslose Mandantenzufriedenheit ist, würde ich mich über eine Bewertung mit fünf Sternen freuen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.


Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 12.11.2017 | 21:36

Lieber Herr Gratieux,

unter 1 schreiben Sie, dass die Einkunftsart für die Steuer keine Rolle spiele, unter 2, dass es keine Verrechnung zwischen Steuerarten gibt.
Bsp nach Heirat ist:
A) mein Partner verdient 100.000 mit Kapitalertägen und zahlt darauf 25% Kapitalertragssteuer minus meinen und seinen Freibetrag. Ich verdiene 100.000 Lohn, darauf zahle ich (100.000+0)/2*Lohnsteuersatz=Lohnsteuer
B) Gesamteinkommen 200.000/2*Lohnsteuersatz=Lohnsteuer, aber zwecks Günstigerprüfung zahlen wir beide getrennt Lohnsteuer bzw. Kapitalertagssteuer wie vor der Ehe.

Trifft A oder B zu?

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.11.2017 | 17:59

Sehr geehrte Fragestellerin,

auch Ihre Nachfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

1. "unter 1 schreiben Sie, dass die Einkunftsart für die Steuer keine Rolle spiele, unter 2, dass es keine Verrechnung zwischen Steuerarten gibt."
Ich hoffe, das war nicht missverständlich von mir ausgedrückt. Gemeint war, dass es keine Rolle für die Frage der gemeinsamen Veranlagung und Eingruppierung im sog. Splittingverfahren spielt. Natürlich spielt bei der Besteuerung allgemein die Einkunftsart eine Rolle, so werden z.B. Kapitalerträge grundsätzlich wie Sie richtig sagten, pauschal mit 25 % besteuert und nicht nach dem individuellen Steuersatz (Es sei denn, Günstigerprüfung; s.o.).

2. Das gilt für Ihr Beispiel nach einer Heirat
Zunächst können Sie im Fall der Eheschließung gem. § 26 EStG die Veranlagungsart wählen. Das heißt, entweder Sie wählen die getrennte Veranlagung und Sie werden vor den Steuergesetzen wie zwei Steuerpflichtige behandelt oder Sie wählen die gemeinsame Veranlagung, dann gilt das oben Dargestellte gem. §§ 26 b EStG, 32 a Abs. 5 EStG. Das bedeutet für Sie, bezogen auf Ihr Beispiel bei gemeinsamer Veranlagung folgendes:

Es gilt genau genommen weder A) noch B), sondern eine Mischung aus beiden Alternativen. Sie werden zwar so wie in B) genau wie ein einziger Steuerpflichtiger behandelt, der ein Gesamteinkommen von 200.000 € hat, aber da diese eine fiktive Person ja Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit und Kapitalerträgen hat, werden von den 100.000 € Arbeitslohn je nach Lohnsteuerklasse Lohnsteuer und von den 100.000 € Kapitalerträge unter Berücksichtigung beider Sparerpauschalbeträge pauschal 25 % Kapitalertragssteuer abgezogen.

Jetzt sagen Sie vielleicht und eigentlich zu Recht, das ist doch so wie in A). Nur ist im Rahmen bestimmter anderer steuerlicher Größen z.B. den außergewöhnlichen Belastungen relevant, dass von einem Gesamteinkommen von 200.000 € ausgegangen wird.

Steuerlich am Günstigsten wird aufgrund der Addition der Freibeträge wahrscheinlich die gemeinsame Veranlagung nach dem Splittingverfahren sein. Sie sollten darüber hinaus in jedem Fall prüfen (lassen), welche Steuerklassenkombination am Günstigsten für Sie ist.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich weiterhin für das entgegengebrachte Vertrauen. Wenn Sie mit der Beratung voll zufrieden waren, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie bei nächster Gelegenheit eine Direktanfrage erwägen würden. Bei fortbestehender Unklarheit in Bezug auf die ursprüngliche Frage, schreiben Sie mir bitte eine Nachricht per E-Mail. Wir finden sicher eine Lösung.


Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt

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