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Ebay-shop

| 27.11.2009 19:11 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger J. Haberbosch


Sehr geehrter Rechtsbeistand, meine jüngste Tochter hat einen Ebay-shop eröffnet und möchte mit dem Handel von Elektrogeräten und Elektronik-komponenten nun (mindestens) zum Lebensunterhalt beitragen. Ihr Ehemann arbeitet bei einem Bauunternehmen,meist jedoch (saisonbedingt) nur in der Zeit von April-November (dazwischen ALG - Empfänger) - sie haben zudem 2 kleine Kinder. Der Verdienst des Ehemannes ist überdurchschnittlich, sie bekommen zusätzlich 2x Kindergeld und noch für ein Kind Erziehungsgeld. Meine Tochter ist der Ansícht, bis zu einem Gewinn von 16.999,- Euro keine Steuererklärung abgeben zu müssen und auch keine Steuern zu zahlen. Sie rechnet mit dem großen Geschäft - ich glaube jedoch, dass dem nicht so einfach ist und möchte sie vor allem dann, wenn die Gelder anfangen zu fliessen, vor Problemen (vor allem mit dem Finanzamt) bewahren. Meines Wissens kommt das von Ihr erzielte Einkommen auf das von ihrem Mann obendrauf und wird gemeinsam mit dessem Einkommen (= Familieneinkommen,da Eheleute) versteuert. Ich bitte hier um einen Rat und vor allem verständliche Aufklärung,nicht dass irgendwann mal bittere Tränen fliessen. Vielen Dank

Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihre Fragen anhand des dargestellten Sachverhaltes und des ausgelobten Einsatzes wie folgt beantworten:

Ihre Ahnung ist durchaus richtig. Wichtig ist vor allem die Unterscheidung der einzelnen Steuerarten:

Hinsichtlich der Einkommensteuer, nehme ich nach Ihrer Schilderung an, dass Ihre Tochter und Ihr Ehemann zusammenveranlagt werden, falls bisher kein Lohnsteuerjahresausgleich gemacht wurde, so ist Ihre Tochter aber bei einer gewerblichen Tätigkeit verpflichtet eine Einkommensteuererklärung zu machen. Der Freibetrag liegt bei zu versteuernden Einkünften von15656,00 € für die gesamten Einnahmen der Familie.

Hinsichtlich der Umsatzsteuer ist die Sache komplizierter und für den Laien ohne begleitende Steuerberatung fast nicht rechtssicher zu machen. Man unterscheidet zwischen Kleinunternehmern die keine Umsatzsteuer ausweisen müssen und dürfen, diese auch nicht abführen müssen, dafür aber auch keine Vorsteuer ziehen dürfen.
Alle für die die Voraussetzungen der Kleinunternehmer nicht vorliegen müssen Ihre Umsätze der Umsatzsteuer unterwerfen, monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben. Genaueres entnehmen Sie beigefügtem Paragrafen.

§ 19 Besteuerung der Kleinunternehmer
(1) Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 bezeichneten Gebieten ansässig sind, nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Umsatz im Sinne des Satzes 1 ist der nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz, gekürzt um die darin enthaltenen Umsätze von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. Satz 1 gilt nicht für die nach § 13a Abs. 1 Nr. 6, § 13b Abs. 2, § 14c Abs. 2 und § 25b Abs. 2 geschuldete Steuer. In den Fällen des Satzes 1 finden die Vorschriften über die Steuerbefreiung innergemeinschaftlicher Lieferungen (§ 4 Nr. 1 Buchstabe b, § 6a), über den Verzicht auf Steuerbefreiungen (§ 9), über den gesonderten Ausweis der Steuer in einer Rechnung (§ 14 Abs. 4), über die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern in einer Rechnung (§ 14a Abs. 1, 3 und 7) und über den Vorsteuerabzug (§ 15) keine Anwendung.
(2) Der Unternehmer kann dem Finanzamt bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung (§ 18 Abs. 3 und 4) erklären, dass er auf die Anwendung des Absatzes 1 verzichtet. Nach Eintritt der Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung bindet die Erklärung den Unternehmer mindestens für fünf Kalenderjahre. Sie kann nur mit Wirkung von Beginn eines Kalenderjahres an widerrufen werden. Der Widerruf ist spätestens bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung des Kalenderjahres, für das er gelten soll, zu erklären.
(3) Gesamtumsatz ist die Summe der vom Unternehmer ausgeführten steuerbaren Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 abzüglich folgender Umsätze:

1.
der Umsätze, die nach § 4 Nr. 8 Buchstabe i, Nr. 9 Buchstabe b und Nr. 11 bis 28 steuerfrei sind;
2.
der Umsätze, die nach § 4 Nr. 8 Buchstabe a bis h, Nr. 9 Buchstabe a und Nr. 10 steuerfrei sind, wenn sie Hilfsumsätze sind.

Soweit der Unternehmer die Steuer nach vereinnahmten Entgelten berechnet (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe a Satz 4 oder § 20), ist auch der Gesamtumsatz nach diesen Entgelten zu berechnen. Hat der Unternehmer seine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit nur in einem Teil des Kalenderjahres ausgeübt, so ist der tatsächliche Gesamtumsatz in einen Jahresgesamtumsatz umzurechnen. Angefangene Kalendermonate sind bei der Umrechnung als volle Kalendermonate zu behandeln, es sei denn, dass die Umrechnung nach Tagen zu einem niedrigeren Jahresgesamtumsatz führt.
(4) Absatz 1 gilt nicht für die innergemeinschaftlichen Lieferungen neuer Fahrzeuge. § 15 Abs. 4a ist entsprechend anzuwenden.


Zudem wird der Betrieb Ihrer Tochter auch gewerbesteuerpflichtig, auch hier sind Erklärungen abzugeben.


Im Übrigen bestehen bei Ebay-Shops diverse Fallen in Sachen Urheberrecht, Widerrufsrecht, der allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie diverser Pflichtangaben. Jeder einzelne dieser Punkte muss von Experten abgeklärt werden, da ansonsten teure Abmahnungen drohen.

Zusammenfassend kann ich Sie nur bestärken Ihrer Tochter anzutragen, dass sich diese umfassend beraten lässt. Die Nachteile (Kosten durch Abmahnung, Steuernachzahlungen bei falscher Gestaltung oder Durchführung) können existenzbedrohend sein, weswegen auch eine Investition in die Gründungsberatung nur zu empfehlen ist.

Bewertung des Fragestellers 02.12.2009 | 11:01

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