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Ebay Verkäufer will nach angenommenem Gegenangebot nicht liefern


18.09.2017 11:47 |
Preis: 40,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Peter Trettin



Guten Tag,

ich habe einen Artikel auf ebay gesehen.
Sofort Kaufen Preis 11.900,00€ die Beschreibung und die Bilder waren äußerst kurz gefasst man konnte nichts über den Zustand erfahren. Vorsichtshalber sendete Ich dem Verkäufer einen Preisvorschlag von 1.150€ nach kurzer Zeit kam vom Verkäufer ein Gegenangebot i. Hv 1.750€ immerhin 600€ höher als mein Angebot war.
Ich akzeptierte das Gegenangebot vom Verkäufer und laut Ebay kam ein Kaufvertrag zustande.
Den Verkäufer habe ich angeschrieben wann Ich den Artikel abholen und Bar bezahlen kann. Daraufhin kam nur zurück
Zitat Verkäufer:
erste email vom verkäufer:
Ich habe ihnen doch geschrieben das ich mich getippt habe. Sie glauben doch nicht im Ernst das ich diese Uhr die für 11900 inseriert ist für dieses Taschen Geld verkaufe!!!
zweite email vom verkäufer:
Es handelt sich hier um ein Vertipper ich habe über eBay Angebote über 10.000 Euro bekommen warum sollte ich dann die Uhr für diesen lächerlichen Betrag abgeben! Es tut mir leid das sie in dem glauben wahren für diesen Betrag eine AP zu kaufen! Sorry,! Aber da ich Rechtsschutz versichert bin sehe ich dem gelassen entgegen. Schade eigentlich das sie das nicht einsehen und versuchen sich durch meinen Tippfehler bereichern wollen. Hätte es besser gefunden wenn sie meinem Abruch angenommen hätten. Jetzt muss ich 175 an ebay bezahlen

Der Verkäufer beharrt nun darauf sich vertippt zu haben.

Ist eine Klage auf Herausgabe möglich ? Gibt es Präzedenzfälle zu dieser Angelegenheit ?

Wie kann Ich gegen den Verkäufer rechtlich vorgehen ?

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Sehr geehrter Fragesteller,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, zu der ich auf der Grundlage Ihrer Schilderung und Ihres Einsatzes gerne wie folgt Stellung nehme:

Sie haben keinen Anspruch darauf, dass Ihnen der Verkäufer den angebotenen Artikel – offenbar eine Uhr – gegen Zahlung von 1.750 € übergibt und Ihnen das Eigentum daran verschafft.

Zwar hat Ihnen der Verkäufer nach Ihrer Schilderung angeboten, Ihnen die Uhr für 1.750 € zu verkaufen, und haben Sie diesen auf den Abschluss eines Kaufvertrages gerichteten Antrag angenommen. An sich war der Verkäufer deshalb verpflichtet, Ihnen die Uhr gegen Zahlung des vereinbarten Kaufpreises zu übergeben und zu übereignen (vgl. § 433 BGB).

Der Verkäufer hat seinen Antrag indes mit der Begründung angefochten, er habe sich bei der Eingabe des Kaufpreises vertippt, wohl indem er statt 11.750 € nur 1.750 € eingegeben hat. Diese Anfechtung dürfte wirksam sein.

Denn nach § 119 Abs. 1 Fall 2 BGB ist derjenige, der eine Willenserklärung abgegeben hat, zur Anfechtung berechtigt, wenn er "eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte" und "wenn anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde". Diese Voraussetzungen sind hier, falls der Verkäufer Ihnen einen Kaufpreis von 11.750 € vorschlagen wollte und er sich dabei vertippt hat, ohne Weiteres erfüllt.

Der Verkäufer hat nach Ihrer Schilderung auch eine Anfechtungserklärung im Sinne des § 143 Abs. 1 und 2 BGB abgegeben. Denn er hat Ihnen gegenüber erklärt, dass er sich bei der Eingabe des Kaufpreises vertippt habe, und deutlich gemacht, dass wegen dieses Irrtums der an sich zustande gekommene Kaufvertrag nicht gelten soll. Mehr ist für eine Anfechtungserklärung nicht erforderlich; insbesondere muss der Anfechtende das Wort "anfechten" nicht verwenden (vgl. nur BGH, Urt. v. 15.02.2017 – VIII ZR 59/16 Rn. 29 m. w. Nachw.).

Fraglich kann vor diesem Hintergrund allenfalls sein, ob der Verkäufer seine Offerte – wie § 121 Abs. 1 BGB es verlangt – unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern, angefochten hat, nachdem ihm sein Fehler bei der Eingabe des Kaufpreises aufgefallen war. Diese Frage kann ich derzeit mangels Angaben zum zeitlichen Ablauf nicht beantworten. Ich kann nur allgemein darauf hinweisen, dass "unverzüglich" nicht "sofort" bedeutet; vielmehr steht dem zur Anfechtung Berechtigten eine an die Umstände des Einzelfalls angepasste Prüfungs- und Überlegungsfrist zu. Mit Blick darauf liegt hier die Annahme nahe, dass die Anfechtungserklärung "unverzüglich" abgegeben wurde. Denn offenbar hat der Verkäufer schon unmittelbar nach Abschluss des Kaufvertrages Ihnen gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass er nicht bereit sei, Ihnen die Uhr für nur 1.750 € zu überlassen (vgl. auch dazu BGH, Urt. v. 15.02.2017 – VIII ZR 59/16 Rn. 30 m. w. Nachw.).

Infolge der – nach meiner Einschätzung wirksamen – Anfechtung ist die Offerte des Verkäufers als von Anfang an nichtig anzusehen (§ 142 Abs. 1 BGB), sodass es keinen Kaufvertrag gibt, auf den Sie Ansprüche stützen könnten.

Der Verkäufer muss Ihnen nach § 122 Abs. 1 BGB allenfalls den Schaden ersetzen, den Sie dadurch erlitten haben, dass Sie auf die Gültigkeit der Offerte vertraut haben. Dafür, dass Ihnen ein solcher Vertrauensschaden entstanden ist, habe ich indes keine Anhaltspunkte. Deshalb kann aus meiner Sicht dahinstehen, ob Sie mit Blick darauf, dass der Kaufpreis ursprünglich 11.900 € betragen sollte, den Fehler des Verkäufers hätten erkennen müssen. Würde man dies bejahen, wäre (auch deshalb) ein Schadensersatzanspruch ausgeschlossen (§ 122 Abs. 2 BGB; s. dazu etwa LG Stuttgart Urt. v. 21.12.2007 – 24 O 317/07).

Davon, rechtliche Schritte gegen den Verkäufer zu unternehmen, sollten Sie vor diesem Hintergrund absehen. Denn weder können Sie mit Erfolg die Erfüllung eines Kaufvertrages verlangen, noch steht Ihnen ein Anspruch auf Schadensersatz gegen den Verkäufer zu.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Auskunft weiterhelfen konnte. Bitte nutzen Sie bei Unklarheiten die Möglichkeit, hier eine kostenlose Nachfrage zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Trettin
Rechtsanwalt
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