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Ebay-Käufer behauptet 4 Wochen nach Erhalt Ware sei defekt, dessen Anwalt droht

| 15.09.2016 13:47 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von


20:52

Im April diesen Jahres verkaufte ich als privater Verkäufer ein gebrauchtes Computer Mainboard inklusive AMD Prozessor für 115,01€. 4 Wochen nach Auktionsende behauptete der Käufer es sei defekt und unterstellte mir betrügerische Absicht. Ich wies die Anschuldigungen in einer Email zurück da alles bei Ausbau funktionierte (habe Zeugen). Er drohte mit Rechtsstreit und vor einer Woche kam nun ein Schreiben eines Anwalts.

Hintergrund:

In der Artikelbeschreibung des Mainboards mit Prozessor steht neben technischen Fakten: „Wurden ersetzt wegen Systemwechsel auf Intel; alles voll funktionsfähig und keine Fehler bis zum Ausbau. (…) Privatverkauf, daher keine Garantie oder Rücknahme"

Exakt einen Monat nach Erhalt der Ware eröffnet der Käufer ohne vorigen Versuch der Kommunikation ein Ebay Verfahren mit folgendem anhängenden Text: „Ich kann dieses Board nicht einmal bis zum Aufruf des BIOS bringen. Der CPU-Lüfter läuft auch nicht an. D.h. in KOnsequenz, dass die CPU defekt bist. Das Board entspricht also in keinster Weise der Beschreibung in der Auktion. Wenn der Anbieter nicht noch eine Idee liefert, wie das Board funktionell in Ordnung gebracht werden kann, nennt man das für gewöhnlich in Deutschland eine betrügerische Absicht. Ich erwarte eine konstruktive Antwort."
Ich schrieb eine Email in der ich sagte, alles habe bis zum Ausbau tadellos funktioniert, was auch so war und wofür ich mehrere Kollegen aus dem Büro als Zeugen habe. Erneut ganze 4 Wochen später kam die Antwort er habe keine Zeit sich jeden Tag darum zu kümmern und antworte deshalb erst jetzt, er sei Physiker und habe 40 Jahre Erfahrung mit diesen Sachen und drohte mit einem Rechtsstreit.

Der interne Prozess bei Ebay lief aus ohne dass ich eine Rücknahme akzeptierte, nach Rücksprache mit Ebay hatte der Käufer dort auch keinen Anspruch mehr weil zu viel Zeit vergangen war.

Nun kam der Brief des Anwalts. Seine Taktik ist offenbar mich als gewerblichen Verkäufer darzustellen um die formulierte Klausel des Rücknahmeausschlusses ausser Kraft zu setzten und die Beweispflicht des Mangels umzudrehen. Er begründet es damit dass ich seit 10 Jahren und mit gewisser Häufigkeit (79 Bewertungen als Verkäufer) tätig bin und dies mich zum gewerblichen Händler mache. Er fordert den Betrag plus seine Anwaltskosten bis heute, den 15. 09. 2016, zu überweisen, andernfalls erhebe er Klage (er setzt den Streitwert bis 500€ an). Im letzten Absatz „droht" er mir mein Finanzamt zu informieren und um Stellungnahme bezüglich der Einstufung meiner „gewerblichen" Ebay Tätigkeit zu bitten.

Da ich nie neue Artikel sondern gebrauchte, weit unter meinem Anschaffungswert, verkaufe, wird sich das Finanzamt wohl kaum interessieren. Da aber offenbar von Gericht zu Gericht sehr unterschiedlich geurteilt wird was die Grenze zwischen privatem und gewerblichem Verkäufer auf Ebay angeht hat der Anwalt es geschafft mich zu verunsichern. Ich bin selbstständiger Kameramann und kaufe öfters Objektive oder Zubehör für Kameras, Licht ect; einiges davon verkaufe ich aber nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren aus praktischen Gründen auf Ebay.
Ich bin tatsächlich seit 9,5 Jahren bei Ebay, habe bei insgesamt 372 Bewertungen - davon 80 Verkäufe von Gebrauchtware -100% Zufriedenheit. Ich bin gewissenhaft, betrüge niemanden, schon gar nicht für 100€.

Als Information: Die Auktion ist nicht mehr bei Ebay einsehbar da zu alt (April 2016). Nach Rückfrage bei Ebay ist es ihnen aber gelungen mir den originalen Auktionstext zuzuschicken. Ich weiss nicht ob die Gegenseite diesen hat. Sie beruft sich auf den Emailverkehr der im Zuge des Streits über Ebay abgehalten wurde.
16.04.2016 Erhalt der Ware - 16.05.2016 Eröffnung des Ebay Verfahrens mit Behauptung Ware sei defekt.


Meine Fragen wären deshalb:

Wie sind die Chancen für einen positiven Ausgang für mich bei einem Rechtsstreit?

Ich glaube dem Käufer dass der Artikel defekt ist, bin mir aber sicher dass der Defekt in der langen Zeit in der das Board und der Prozessor beim Käufer waren geschehen sein muss (4 Wochen bevor er einen Schaden monierte). Wie entscheidend ist die Tatsache dass so viel Zeit vergangen ist? Insbesondere für den Fall, ein Gericht würde mich als gewerblichen Verkäufer einschätzen und die Beweislast der mangelfreien Ware läge bei mir?

Wenn ich als Selbstständiger für mein „Geschäft" als Kameramann Equipment auf Ebay (zB ein gebrauchtes Objektiv) einkaufe und wieder verkaufe, was pro Jahr vllt 10-20 Mal vorkommt, birgt es eine Gefahr mich als gewerblichen Verkäufer einzustufen (die Verkäufe von abgeschriebenem Equipment sind ordnungsgemäß von meiner Steuerberaterin erfasst)?

Vielen Dank!

15.09.2016 | 15:12

Antwort

von


(1133)
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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf Ihren Angaben wie folgt beantworten möchte:

Es kommt bei der Einstufung als gewerblicher Einkäufer nicht alleine auf die Zahl der Bewertungen/Verkäufe an, sondern gemäß BGH (I ZR 3/06 ) auf das Gesamtbild der Umstände. Insbesondere kommt es auf die Häufigkeit der Verkäufe gleichartiger Waren, den Kauf zum sofortigen Weiterverkauf und/oder sonstige gewerbliche Tätigkeiten.

Der kritische Punkt ist daher, dass Sie da Gegenstände aus Ihrem Unternehmen verkaufen. Damit handeln Sie gewerblich. Ich habe Sie so verstanden, dass das Motherboard zuvor auch in Ihrem Unternehmen verwendet wurde. Daher gilt der Verkauf auch als gewerblich.

Das Problem ist nun die Beweislastumkehr, denn es ist fast unmöglich, nachzuweisen, dass das Motherboard bei Ankunft beim Käufer noch funktionsfähig war. Dass es bei Versand funktionsfähig war, ist dabei irrelevant, es kommt auf den Zeitpunkt der Ankunft beim Käufer an.

Daher sind Ihre Chancen eher schlecht.

Ihre Gefahr, als gewerblicher Verkäufer aufzutreten, ist im Wesentlichen verbraucherrechtlicher Natur. Das Steuerrecht ist dabei regelmäßig eher ungefährlich, solange die Verkäufe in der Steuererklärung gemeldet werden. Das Problem sind zumeist das Impressum, die Widerrufserklärung und die Rücknahme defekter Artikel.
Sollten die Verkäufe nicht in Ihrer Steuererklärung auftauchen, könnte das Finanzamt eine Betriebsprüfung durchführen.

Ich hoffe, Ihre Frage damit beantwortet zu haben. Bitte benutzen Sie bei Bedarf die kostenlose Nachfragefunktion.

Ansonsten verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

Robert Weber
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 15.09.2016 | 16:00

Vielen dank für die Einschätzung, ich hoffe Sie können mir helfen es besser zu verstehen:

Die Tatsache dass der Artikel erst nach einem Monat plötzlich als defekt beanstandet wird ist also unerheblich?

Der Grossteil der verkauften Sachen wurde nicht beruflich/gewerblich genutzt, reichen daher ein paar Verkäufe von Equipment aus um insgesamt als gewerblicher Verkäufer eingestuft zu werden?

Sollte ich demnach die Summe einschließlich Anwaltskosten zahlen? Die Anwaltskosten sind nach einem Streitwert bis 500€ gerechnet, ist das korrekt da der Wert 120€ betrug?

Vielen Dank.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 15.09.2016 | 20:52

Sehr geehrter Ratsuchender,

die Verzögerung bei der Schadensmeldung kratzt sehr an der Glaubwürdigkeit des Käufers, ist aber bei einer Beweislastumkehr unerheblich.

Leider reichen einige gewerbliche Verkäufe bereits für die Einstufung als gewerblicher Verkäufer, das geht da sehr schnell.

Die Gegenseite muß die Indizien vortragen, die für Ihre Einstufung als gewerblicher Verkäufer sprechen. Es kommt daher darauf an, was die Gegenseite weiß. Daher ist es schwierig, aus der Distanz Empfehlungen auszusprechen.

Der Streitwert bis € 500 ist korrekt, die Gebühren werden da stufenweise berechnet. Der Anwalt kann da außergerichtlich Gebühren von € 83,54 berechnen.

Mit freundlichen Grüßen,
Robert Weber
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 15.09.2016 | 22:18

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