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Drangsalierung durch Schule & Jugendamt?

23.07.2009 13:54 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Hallo,

ich bin eine 30jährige, alleinerziehende Mutter von 2 Töchtern im Alter von 8 und 11 Jahren.
Beide Töchter haben einen eigenen biologischen Vater, von denen einer verstorben ist und der Andere nach Spanien ausgewandert ist.
Die Trennung von dem noch lebenden Vater hat meine ältere Tochter damals in eine tiefe emotionale Krise gestürzt. Obwohl ich damals dringenst auf der Suche nach Hilfe war, konnte man mir nicht wirklich helfen. Seitdem ist meine ältere Tochter schwierig im Verhalten, allerdings haben wir auch nur begrenzt Möglichkeiten (durch Hartz4 und engen Wohnraum).

Ich wurde 2006 vom Jugendamt angesprochen und habe nach mehreren Hilfsgesprächen um eine begrenzte Pflegeunterbringung meiner Tochter gebeten.
Die Unterbringung dauerte ein halbes Jahr, gleichzeitig nahm ich die Hilfe von Familienterapheuten in Anspruch, welche die Unterbringung noch ein knappes Jahr überrundete.
Diese Maßnahmen hat meiner Familie sehr geholfen.
Trotzdem ist unsere Familiensituation angespannt. Meine zwei Töchter streiten rund um die Uhr, welches hauptsächlich auf den engen Wohnraum zurück zu führen ist. Diese Atmosphäre führt auch zu Verhaltensauffälligkeiten bei meine jüngeren Tochter. Sie ist in der Schule sehr lebhaft, akzeptiert oft die Klassenregeln nicht, ist aber im Großen und Ganzen eine gute, durchschnittliche Schülerin (von den Leistungen her).

Ich bekomme immer wieder von Leuten, die mit meinen Kindern zu tun haben, dass kompromissbereite und verhandlungsorientierte Erziehung bei meinen Kindern nicht funktioniert. Ich persönlich halte es nicht für ein Problem, wenn meine Kinder klare Grenzen brauchen.

Nun ist es so, dass ich 2005 für einige Zeit im Schulsekretariat gearbeitet habe und im Rahmen der Hilfsgespräche bezüglich der Pflegeunterbringung den Direktor dieser Schule, eine Integrative Schule, angezweifelt habe. Als wir ihn damals darüber informierten, dass meine Tochter in zeitweilige Pflege kommt, sprach er mich an und meinte (Zitat): "Das kannst du doch nicht machen, sie ist doch deine Tochter!"
Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass seine PERSÖNLICHE Meinung in seinem Beruf als Pädagoge nichts zu suchen hätte.
Seitdem hat mich der gute Mann auf dem Kieker.
Im Februar diesen Jahres hatte ich ein Elterngespräch, in dem ich durchaus offen gegenüber den Lehrern war bzw. auch nicht versucht habe, meine persönliche Situation zu verstecken
.
Die Vorwürfe waren Verwahrlosung, da meine Töchter des öfteren Tierhaare an der Kleidung haben, ohne Schulbrot auftaucht, da meine Tochter es gern schon auf dem Schulweg isst und dass ich meine Töchter zu sozialen Außenseitern machen würde, da beide Töchter unkostümiert zum Fasching erschienen sind.

Meine ältere Tochter würde gelegentlich in die Rolle eines Hundes schlüpfen, allerdings nur kurz und wohl auch nur in der Pause im Spiel mit anderen Kindern. Außerdem würde meine jüngere Tochter nach Urin riechen.

Weitere Vorwürfe sind, dass ich mich nicht an Aktivitäten der Schule beteilige, so wie andere Eltern auch. Ebenso wird mir vorgeworfen (von den Lehrern durch das JA!), dass meine jüngere Tochter auf einen Geburtstag eingeladen worden ist, aber nicht dort erschienen ist.

Nun ist es so, ich habe 2 Katzen, welche beide stark haaren und ich als Tierhalter bin dran gewöhnt, selbst nach mehrmaligen Waschen und in mehrtägigen Abwesenheit meiner Katzen immer noch Haare vorzufinden. Da meine Töchter sich gern mit den Tieren beschäftigen, halte ich es für normal, dass auch sie mit Tierhaaren kontaminiert sind.

Zum Vorwurf, meine Tochter würde nach Urin riechen habe ich mich geäußert, dass mir das Problem bekannt wäre, da meine Tochter zu diesem Zeitpunkt ein Bettnässer-Problem hatte und auch oft nicht rechtzeitig auf's Klo ging. Ich hab sie damals untersuchen lassen, um medizinische Ursachen auszuschließen und zumindest das Bettnässer-Problem ist seitdem gelöst. Am Rest wird trainiert.

Zum Problem mit dem Frühstück kann ich nur sagen, dass sich beide Töchter morgens selbständig Brote machen, meine jüngere Tochter aber genau weiß, das es, wenn sie kein Brot hat, problemlos in der Schule ein Pausenbrot gibt.
Beide Töchter sind von jeher gesunde, starke Esser (auch das hab ich bei beiden ärztlich abchecken lassen) und sie bekommen bei mir nicht zu wenig zu essen. Sollte ich tatsächlich mal kein Brot im Haus haben, bekommen meine Töchter zumindest noch ein Brötchen vom Kiosk mit.

Die mangelnde Kostümierung am Fasching resultierte aus einem wirklich hektischen Tag, an denen ich meinen Töchtern angedroht habe, keine Kostüme zu nähen, wenn nicht sowohl die Zimmer aufgeräumt würde und gleichzeitig die Streitereien aufhören. Ich habe dies dann auch konsequent umgesetzt.
Ich bin gegen jegliche körperliche Form der Erziehung und bin dementsprechend gelegentlich ein wenig hilflos der Situation gegenüber. Aber habe ich meine Kinder dadurch misshandelt?

Nun stand gestern das Jugendamt vor meiner Tür, ich hatte einen Termin vergessen. Obwohl ich seit Jahren offen und auch von mir aus den Kontakt zum Jugendamt suche, eskalierte das Gespräch gestern. Anlass war, dass die Vorwürfe vom Februar erneut erhoben wurden (ich hatte aufgrund dessen schon im März ein Gespräch mit dem JA).

Dann wurde es heftig. Ich habe mich zwischen Tür und Angel mit dem JA unterhalten, da ich keinen Einlass in meine Wohnung gewähren wollte. Ich war ein paar Tage kaum zuhause und mir war der unaufgeräumte Zustand meiner Wohnung unangenehm.
Dann wollte man in meinen Kühlschrank gucken, mit der Begründung des fehlenden Pausenbrotes. Wo besteht da der Zusammenhang, zum einen haben wir Ferien, zum anderen hat die Schule wohl keine Kenntnisse über Mittagessen und Abendbrot in meiner Familie. Abgesehen davon hatte ich gegenüber dem JA bereits erwähnt, wenn das Geld mal knapp ist, ich durchaus Hilfsangebote wahrnehme, wie z.B. die Tafel.

Dann wurde mir vorgeworfen, das meine Töchter weder für den Mittagstisch noch für den Hort angemeldet wären, obwohl verabredet war, dass ich über diese Optionen nachdenke. Ich erwiderte, ich hätte darüber nach gedacht, mich aber dagegen entschieden. Ich hielt das für mein gutes Recht der freien Entscheidung.

Dann kamen die Vorwürfe der mangelnden Elternaktivität an der Schule bzw. des Nicht-Besuches des Kindergeburtstages.
Ich bezog mich wiederum auf das Recht der freien Entscheidung und fragte, wann ich dieses abgegeben hätte - bei der Einschulung oder bei der Kontaktaufnahme zum Jugendamt?

Als ich dann erwähnte, das ich der Beweispflicht in meinen Augen genügend nach gekommen war, (schließlich hatte ich nachgewiesen, dass meine Töchter gesund, wohlgenährt und sauber sind, zwar ein wenig arg lebhaft, aber dennoch eigentlich gut erzogen) und jetzt die Schule vielleicht an der Reihe wäre, ihre erhobenen Vorwürfe zu untermauern, wurde mir mit einem gerichtlichen Beschluss gedroht, sollte ich nächste Woche nicht auf dem Jugendamt erscheinen.

Die Frage ist: Welchen Handlungsspielraum hat das Jugendamt aufgrund der beschriebenen Vorwürfe? Zu was bin ich verpflichtet?
Was muss ich hinnehmen?

Ich bin momentan noch nicht geneigt einzulenken, da ich zum einen viele Vorwürfe entkräften kann und auch nicht für außergewöhnlich halte und zum anderen der Meinung bin, solange meine Kinder keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen, es die Schule nichts angeht, in wie fern ich oder meine Töchter die Freizeit verbringen. Liege ich da falsch? Ist der staatliche Arm so lang?

Ich weiß, dass ich einen ziemlich langen Text eingestellt habe und es ist vielleicht vermessen, nur 35€ anzubieten, aber ich habe leider nicht so viel Geld.
Trotz dessen ist diese Auskunft wirklich wichtig für mich und bedanke mich schon im voraus bei den guten Seelen, welche mir antworten werden.

Mit freundlichen Grüßen,

M.Bendfeldt

Sehr geehrte Fragestellerin,

auf Grund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes beantworte ich Ihre Frage zusammenfassend wie folgt:

Ob Ihre Kinder zu einem Geburtstag gehen und inwieweit Sie sich in der Schule engagieren, bleibt Ihrer eigenen Lebensplanung vorbehalten und kann Ihnen von Schule und Jugendamt grundsätzlich nicht vorgeworfen werden.
Problematisch ist hier allein, dass Ihre Kinder sich eventuell in Außenseiterrollen drängen lassen und hierdurch Probleme mir Ihren Mitschülern haben.

Das Jugendamt kann allein aufgrund solcher Fälle keine Verwahrlosung annehmen. Sollte es dies jedoch auch aufgrund der weiteren von Ihnen geschilderten Vorkommnisse tun, so hat das Jugendamt generell die Rechte und Pflichten aus dem Jugendhilfegesetz (KJHG / SGB VIII). Hier sind u.a. verschiedene Hilfeangebote für Familien geregelt. Bei all diesen Handlungen des Jugendamtes sollte das Wohl des Kindes im Mittelpunkt der Handlungen stehen.

Das Jugendamt darf jedoch den Eltern, also Ihnen gegenüber, lediglich Hilfe anbieten, diese jedoch nicht verordnen. Falls die Eltern diese Hilfe nicht annehmen und auch nicht in der Lage sind, das Wohl des Kindes zu gewährleisten, muss das Jugendamt (Schutzpflicht) weitere Schritte einleiten, darf aber, außer in engen Ausnahmefällen, nicht eigenmächtig in die Rechte der Eltern eingreifen.

Das Jugendamt hätte beim konkreten Verdacht der Verwahrlosung und bei der Befürchtung, dass das Kindeswohl gefährdet ist, die Möglichkeit, das Familiengericht anzurufen und überprüfen zu lassen, ob die elterliche Sorge und Pflege bei den Eltern verbleiben darf.
Allein das Familiengericht darf in die Rechte der Eltern eingreifen und gegen deren Willen Maßnahmen zum Wohl des Kindes ergreifen. Das Familiengericht stützt sich hierbei auf die Vorgaben des Bürgerlichen Gesetzbuches und den Bericht des Jugendamtes. Auch wenn der Bericht nur berücksichtigt werden muss und das Gericht vollkommen eigenständig entscheidet, ist dieser Bericht wohl die wichtigste Entscheidungshilfe der Richter.
Sollte dieses Bericht sehr negativ ausfallen, so ist meist mit einem Eingriff der Richter in die Elternrechte zu rechnen.

Sie sollten daher meines Erachtens so gut es geht mit dem Jugendamt kooperieren und die geschilderten Sachverhalte entkräften, auch wenn einige Vorwürfe nicht haltbar sind bzw. dem Jugendamt keine Veranlassung geben, eine Kindeswohlgefährdung anzunehmen. Der geforderte Besuch auf dem Jugendamt sollte somit auf jeden Fall wahrgenommen werden.

Spätestens wenn es zu einem gerichtlichen Verfahren kommt, sollten Sie einen Anwalt mit der Wahrnehmung Ihrer Rechte beauftragen.

Ich hoffe, dass meine Antworten für Sie hilfreich gewesen sind und darf zusätzlich auf die kostenfreie Nachfragefunktion verweisen. Gerne stehe ich Ihnen auch für die weitere Wahrnehmung Ihrer Interessen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Florian Müller
(Rechtsanwalt)


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