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Doppelverkauf einer Jacke bei ebay


25.11.2011 16:44 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Elke Scheibeler



Guten Tag,
ich habe gestern eine teure Markendaunenjacke (Preis 690€ ca.) bei ebay eingestellt. Schon bald meldete sich ein Mitglied, das die Jacke für 450€ zum Sofort-Kauf ersteigern möchte. Um diese Option einzufügen, beendete ich die Auktion und habe dabei übersehen, dass bereits schon ein Gebot über 1€ vorlag.
Ich stellte das Gebot neu ein und verkaufte die Jacke für 450€ sofort. Das Geld wurde per paypal überwiesen und heute morgen habe ich das Paket zur Post gebracht.
Nun bekomme ich heut Vormittag eine aufgebracht Email von einem Ebaymitglied, das die Jacke für 1€ gekauft hat und die Sofort-Kauf-Aktion mitbekommen hat. Die Dame verlangt nun, dass ich die Jacke zurück fordere und ihr für einen € überlasse. Sie droht mit einer Anzeige wegen Betrugs, möchte sofort zum Anwalt gehen und mein Ebayaccount löschen lasse.

Ich habe wirklich nicht vorsätzlich betrogen. Sondern lediglich die Auktion vorzeitig beendet und damit anscheinend einen Kaufvertrag abgeschlossen. Aber es ist doch offensichtlich, dass ich bei einer Markenjacke nicht bei 1€ in einen Kauf einwillige.
Ich weiß absolut nicht mehr weiter.
Was raten Sie mir?
Vielen Dank für ihre Hilfe!

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Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage wie folgt:

Soweit ich Sie verstanden haben, hat das Schließen der Auktion bewirkt, dass das eingestellte und von Ihnen übersehene Angebot angenommen wurde, obwohl Sie durch das Schließen des Angebotes die Auktion annulieren wollten.

Es ist anerkannt, dass man wenn man auf eBay Handlungen vornimmt, die nicht die erstrebten Wirkungen haben, sondern andere Rechtsfolgen erzeugen, ein sog. Irrtum über die Rechtsfolgen einer Erklärung vorliegt, der als sog. Erklärungsirrtum zur Anfechtung berechtigt, etwa wenn man eine Auktion zum Mindestpreis von einem Euro und einer Laufzeit von zehn Tagen einstellt in Unkenntnis der Tatsache, dass die Auktion schon am 1. Tag zum Mindestpreis angenommen werden kann. Ein ähnlicher Fall scheint bei Ihnen vorzuliegen.

Sie müssen daher gegenüber der Dame die ANFECHTUNG wegen Irrtums erklären und ihr den Sachverhalt schildern. Dies kann heute noch durch eine E-Mail erklären.

Sie sollten allerdings sicher stellen, dass die Anfechtungserklärung auch der Dame zugeht. Bei E-Mails ist dies nicht sichergestellt. Sie sollten daher den Text dieser E-Mail zusätzlich in einen Brief setzen und diesen SOFORT, also gleich morgen, per EINWURFEinschreiben an den Bieter schicken. Bitte erkundigen Sie sich hierbei bei der Post ausdrücklich nach einem Einwurfeinschreiben und nehmen Sie kein Einschreiben / Rückschein. Die Alternative ist, dass Sie einen Zeugen (dritte Person, nicht Sie selbst) mit der persönlichen Übergabe oder dem persönlichen Einwurf des Briefes in den Briefkasten Dame beauftragen, der dann den Zugang in einem Prozess bestätigen würde. Dies ist der sicherste Weg, scheidet aber aus, wenn die Dame weit weg von Ihnen wohnt.

Eine Anfechtungserklärung ist nämlich nur wirksam, wenn sie unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern dem Erklärungsgegner zugeht.

Die Jacke müssen Sie nicht liefern, aber der Bieterin den Vertrauensschaden ersetzen. Wenn dieser also bereits Kosten auf sich genommen hat, um die Jacke zu erhalten, könnte sie diese ggf. verlangen. Da die Auktion aber erst gestern beendet wurde, ist es eher unwahrscheinlich, dass hier bereits Kosten angefallen sind, zumal Sie die Jacke ja verschicken wollten.

Sie haben dann außerdem einen Löschunganspruch gegen die Dame im Hinblick auf die negative Bewertung.

Außerdem sollten Sie vorsorglich eBay über den Vorgang informieren, die Umstände darlegen und dort die Löschung der Bewertung fordern.

Abschließend weise ich noch auf Folgendes hin: Dieser Dienst soll Ihnen lediglich eine erste Einschätzung geben und den Gang zu einem örtlichen Rechtsanwalt nicht ersetzen. Oft stellt sich erst dort ein bestimmtes Detail heraus, das zu einer ganz anderen rechtlichen Bewertung des Falles führt.

Nachfrage vom Fragesteller 25.11.2011 | 17:43

Sehr geehrte Frau Dr. Scheibeler,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, die mir ein bißchen die Panik nimmt. Verstehe ich Sie richtig, dass ich mit der ANFECHTUNG wegen Irrtums "aus dem Schneider" bin und keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten muss? Ich muss zugeben, dass mich die Drohungen des Ebaymitglieds eingeschüchtert haben. Zumal sie auf die Erfüllung des Kaufvertrages besteht.
Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.11.2011 | 22:53

Sehr geehrte Fragestellerin,

mit der Anfechtung wegen Irrtums sind Sie zivilrechtlich aus dem Schneider und müssen der Dame keine zweite Jacke für einen Euro schicken.

Sollte die Dame wirklich eine Strafanzeige stellen, sollten Sie einen örtlichen Anwalt beauftragen, der dann Akteneinsicht nimmt und sich dann für Sie einlässt. Ich gehe aber eher nicht davon aus, dass eine solche Anzeige zu einer Strafe führt, sondern dass man Ihrer Schilderung glaubt. Denn es macht ja wirtschaftlich keinen Sinn, etwas für einen Euro zu verkaufen und dann nicht zu verschicken. Das machen Straftäter nur wenn der Kaufpreis auch einigermaßen lukrativ ist. Sollte die Dame den Euro schon gezahlt haben bzw. die Zahlung über das System veranlasst worden sein, müssten Sie ihr diesen natürlich zurückzahlen zuzüglich des bereits geschilderten Vertrauensschadens, zudem z.B. auch Bankgebühren für die Überweisung zählen könnten.

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