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Doppelter Ladendiebstahl

13.12.2019 12:35 |
Preis: 25,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Elisabeth v. Dorrien


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin zweimal beim Ladendiebstahl (in Baden-Württemberg) erwischt worden und suche nun Rat, wie ich am besten mit der Situation umgehe. Ich bin weder vorbestraft, noch davor jemals polizeilich aufgefallen.

Das erste Mal bin ich in einem Elektronikgeschäft an der Tür vom Ladendetektiv abgefangen worden. Daraufhin ging ich mit ihm in sein Zimmer, packte die gestohlene Ware (Wert 45€) aus, unterschrieb einen Zettel auf dem ich den Diebstahl gestand und das Hausverbot akzeptierte und zahlte eine Bearbeitungsgebühr von 100€.
Der Detektiv hat mir nicht mitgeteilt, dass er das an die Polizei weitergibt und ich hab blöderweise nicht nachgefragt. Ich dachte ich bin noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen und hab so meine Lektion nicht ganz gelernt.

Weswegen ich ca. zwei Wochen später erneut erwischt wurde. Diesmal in einem Drogerieladen und einem Warenwert von 14€. Ich habe erneut kooperiert, einen Zettel unterschrieben und 50€ Bearbeitungsgebühr gezahlt. Hier wurde ich sofort darüber informiert, dass die Sache an die Polizei geleitet wird.
Daraufhin habe ich mich im Elektronikgeschäft erkundigt und mir wurde gesagt, dass die Polizei eingeschaltet wurde.

Nun bekam ich letzte Woche ein Brief von der Polizei, dass gegen mich ein Ermittlungsverfahren wegen des zweiten Diebstahls im Drogerieladen läuft. In dem Brief kann ich Angaben zu meiner Person machen, mein Einkommen angeben und ankreuzen, ob ich die Tat gestehe oder nicht. Bezüglich des ersten Diebstahls habe ich noch keine Post bekommen.

Nun meine Fragen:
1. Soll ich mit der Polizei kooperieren und die Tat gestehen? Ich las in verschieden Quellen im Internet, dass es nicht ratsam ist der Polizei gegenüber Aussagen zu machen oder Straftaten zu gestehen, aber ich habe die Tat ja bereits auf dem Dokument des Ladendetektivs gestanden.
Sollte ich zusätzlich schriftlich Stellung nehmen, Reue zeigen, mich für die Tat entschuldigen und Entschuldigungsbriefe an die Läden beilegen? Es fällt mir aber schwer schriftlich den Reueprozess zu beschreiben, den ich momentan durchlebe ohne auf den ersten Diebstahl zu verweisen. Aber ich nehme an, dass das nicht von Vorteil ist oder meinen Sie, dass ich der Polizei sowieso nun als Wiederholungstäter aufgefallen bin? Beide Vorfälle waren in der selben Stadt.

2. Ich habe im Moment kein regelmäßiges Einkommen und lebe von unregelmäßigen Einkünften über mein Kleingewerbe und leihe mir Geld von Familie und Freunden. Soll ich nun angeben, was ich im Moment so zum Leben brauche (ca.500€), das Feld freilassen oder "kein regelmäßiges Einkommen" eintragen?

3. Mit was für einem Strafmaß habe ich circa zu rechnen? Werden die zwei Straftaten zusammen gelegt oder gesondert behandelt? Und bin ich dann evtl. im zweiten Ermittlungsverfahren schon vorbestraft?

4. Würden Sie mir raten einen Anwalt einzuschalten? Ich habe im Moment nicht viel Geld, aber wenn es wahrscheinlich ist, dass ich mit Anwalt finanziell billiger wegkomme, würde ich mir das Geld leihen.

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Hilfe!
Mit freundlichen Grüßen,
Sebastian

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Nicht jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht, zumal dann, wenn es sich um eine eher geringwertige Sache (Wert unter 50 €) handelt, denn eine Anzeige ist auch für das Kaufhaus mit bürokratische Aufwand verbunden, und es gibt Beweisschwierigkeiten, wenn eine Video-Aufzeichnung fehlt. Dann stünde die Aussage des Detektivs gegen Ihre Aussage, wenn er die Wegnahme nur beobachtet hat. Natürlich ist einem das in dem Moment nicht klar, weil man weiß, dass man nicht bezahlt hat und keinen Bon vorweisen kann. Also lässt man sich eher dazu bringen, dem Detektiv Folge zu leisten. Die geforderten 100 € Fangprämie liegen im übrigen deutlich über den von der Rechtsprechung für diese Art "Gebühren" akzeptierten 50 €.

Jedenfalls aber haben Sie kein "Geständnis" abgelegt, denn rechtlich entfaltet eine geständige Einlassung nur vor Gericht eine Wirkung, eine Aussage vor der Polizei, die als Geständnis verstanden wird, kann vor Gericht auch noch widerrufen werden, und was Sie da unterschrieben haben, bedeutet nichts, wenn Sie darauf hinweisen, dass Sie das nur unterschrieben haben, weil der Detektiv Sie dazu gedrängt hat.

Ich glaube nicht, dass Sie von dem Elektromarkt angezeigt wurden, aber selbst wenn Sie da noch etwas hören von der Polizei, dann äußern Sie sich auf keinen Fall dazu. Es gehört Mut dazu, einfach abzuwarten, aber Sie verbessern Ihre Lage nicht mit einer Aussage. Das wird nur von der Polizei immer suggeriert, tatsächlich ist aber nur Ihre Aussage vor Gericht entscheidend.

Wenn Sie dort etwas gestehen wollen, okay, aber auch davon würde ich abraten. Ihnen muss etwas nachgewiesen werden - das gilt auch bei einem Ladendiebstahl! Wenn Sie es zugeben, dann ist es vorbei mit der Unschuldsvermutung, und es muss Ihnen nichts mehr nachgewiesen werden.

Wenn auch der erste Fall strafrechtlich verfolgt wird, dann würden beide Fälle zusammen vor Gericht verhandelt werden, wenn die Staatsanwaltschaft beide gemeinsam anklagt. Das ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, aber noch gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass es so kommt.

Den Anhörungsbogen der Polizei können Sie beantworten, aber Sie müssen es nicht! Wegen der Unschuldsvermutung und des Selbstbeladtungsverbotes gibt es keinen Anlass, mit der Polizei "zu kooperieren". Nach meiner Erfahrung bringt das nichts. Die Polizei macht ihren Job, wie Sie es versteht, aber dabei müssen Sie ihr nicht helfen.

Nur einer Ladung durch die Staatsanwaltschaft oder einer Ladung durch die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft (das muss auch so im Schreiben stehen) müssen Sie Folge leisten (§ 163 Abs. 3 StPO ), aber auch dann werden Sie nicht mit der Polizei geholt, wenn Sie nicht gleich dahin eilen, sondern eine Zwangsvorführung muss zuvor angedroht werden.

Wenn Sie das Schreiben trotzdem beantworten wollen, dann schreiben Sie natürlich hin, dass Sie keine regelmäßigen Einkünfte haben, also mittellos sind, denn diese Angaben werden für den Fall abgefragt, dass Sie zu einer Geldstrafe verurteilt würden (obwohl diese Angaben auch erst in einem Gerichtsverfahren bedeutsam werden, und dann zählt nur das aktuelle Einkommen), oder wenn es um eine Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft gemäß § 153 oder gegen Auflage (Geldzahlung oder etwa Ableistung von Sozialstunden, wenn jemand kein Geld hat, besonders bei noch jungen Menschen oder Jugendlichen zwischen 18 und 21 Jahren) gemäß § 153 a StPO kommt - das ist auch die wahrscheinlichste Art der Beendigung der Sache in Ihrem Fall (sofern Sie bisher nicht vorbestraft sind).

Selbst wenn es zur Anklage in beiden Fällen käme, ist allenfalls mit einer geringen Geldstrafe zu rechnen, vielleicht 50 Tagessätze zu je 10 €, weil Sie ja kein Einkommen haben. Vorbestraft sind Sie erst ab einer Geldstrafe in Höhe von mehr als 90 Tagessätzen (oder mehr als 3 Monate Freiheitsstrafe), aber soweit wird es nicht kommen.

Ein Verteidiger könnte Ihnen diesen Weg sicher einfacher gestalten, aber der kostet mindestens 500 €, wenn Sie überhaupt jemanden finden, der so etwas übernimmt und trotz geringer Gebühren ganze Arbeit leistet. Nach allem, was ich Ihnen gesagt habe, können Sie sich auch selbst vertreten, sozusagen, vor allem wenn Sie den Rat beherzigen, erst einmal still zu halten. Die Polizei wird es Ihnen schon schwer machen, also versuchen Sie, die Polizei zu vermeiden. Was die einmal zu Protokoll genommen haben, bleibt und befördert ein Verfahren, das immer größer wird. Warten Sie auf die Ladung der Staatsanwaltschaft und äußern Sie dort dann, dass Sie sich die ganze Sache gar nicht erklären können, dass es Ihnen aber leid tut, was immer Ihnen vorgeworfen wird, und dass Sie nötigenfalls Sozialstunden ableiten wollen (z. B. Blätter harken etc.). Und klauen Sie ab jetzt nicht mehr!

Alles Gute!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

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