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Doppelte Haushaltsführung


01.07.2007 10:42 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Folgender Sachverhalt:
Ich Lebe getrennt etwa 40km von meiner Familie entfernt (Frau + 3 kleine Kinder) und wir praktizieren einen Wechselmodell, wonach ich die Kinder jedes zweite WE bzw. 6 Urlaubswochen lang habe. Meine Frau zieht zum 1.8. in einem anderen 300km entfernten Ort (trotzdem noch in Deutschland) aus berufsbedingten Gründen: nachweislich zieht ihre Stelle bzw. Arbeitgeber dorthin. Sie nimmt die 3 Kinder mit. Der Umzug ist also berufsbedingt und nicht privat in dem Sinne veranlasst worden.

Um die Chance den Umgangskontakt zu meine Kinder langsfristig zu behalten bzw. wahrzunehmen und einen Stress mit dem Abholen und zurückfahren zu vermeiden, ziehe ich gleichzeitig mit ersten Wohnsitzt nach diesem Ort, organisiere meinen eigenen Hausstand dort (Miet oder Eigentumswohnung), fahre jedes Wochenende dahin. Das bedeutet für mich also mein Hauptlebensmittelpunkt wird dieser neuer Ort werden, wie gesagt veranlasst durch den berugsbedingten Umzuges meiner Frau.

Dabei bleibt mein Beschäftigungsstandort gleich: in dem jetzigen Standort behalte ich weiterhin meine jetzige Wohnung (die als Zweitwohnistz dann umgemeldet wird), weil meine Firma sich hier weiterhin befindet.

Meine Frage:
Welche sind die Chancen, dass das Finanzamt vom neuen Standort die doppelte Haushaltsführung erkennt, da in dem Fall nicht ich, sondern meine Frau aus beruflichen Gründen umzieht, bzw. ich mein Lebensmittelpunkt in der Nähe der Kinder verlagere und trotzdem meine Beschäftigung bzw. Wohnung bei meinem heutigen Arbeitgeber im "alten" Ort behalte?

Vielen Dank für Ihre Antwort
Sehr geehrte Rechtsratssuchende,
sehr geehrter Rechtsratssuchender,

gerne nehme ich zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit einer etwaigen Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung Stellung und beantworte diese wie folgt:

Dabei möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass das FA bei der Auslegung der wenig konkreten gesetzlichen Bestimmung des § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG folgende Regelungen aus R 43 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 der Lohnsteuerrichtlinien (LStR) zur Beurteilung Ihres Falles heranziehen wird:

§ 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG:
„Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. Werbungskosten sind auch notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen, und zwar unabhängig davon, aus welchen Gründen die doppelte Haushaltsführung beibehalten wird. Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt.“

R 43 Lohnsteuerrichtlinien:
„(1) 1Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort übernachtet; die Anzahl der Übernachtungen ist dabei unerheblich.“
„(2) 1Das Beziehen einer Zweitwohnung ist regelmäßig bei einem Wechsel des Beschäftigungsorts auf Grund einer Versetzung, des Wechsels oder der erstmaligen Begründung eines Dienstverhältnisses beruflich veranlasst.“

Die Finanzverwaltung knüpft daher die Bejahung einer beruflich Veranlassung regelmäßig an das (Neu-)Beziehen einer Zweitwohnung am Beschäftigungsort an.
In dem von Ihnen beschriebenen Sachverhalt, wo die spätere Zweitwohnung am Beschäftigungsort zuvor als Hauptwohnung bestand und erst die Neubegründung der in der Nähe der Familie befindlichen Wohnung als Hauptwohnung dazu führt, dass am Beschäftigungsort eine Wohnung als Zweit-/Nebenwohnung fortbesteht, wird daher das FA eine Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung mangels beruflicher Veranlassung ablehnen.

Auch der Umstand, dass Ihre getrennt lebende Frau aus beruflichen Gründen ihren Hauptwohnsitz verlegt, führt nicht zu einer anderen Beurteilung, da sowohl das EStG als auch die LStR jeweils an die Situation „des Arbeitnehmers“ anknüpfen und damit den konkret betroffenen Arbeitnehmer meinen, der auch den Werbungskostenabzug in Anspruch nehmen möchte.

Aufgrund dieser beiden Gründe sehe ich daher leider kaum eine Chance, dass das FA in Ihrem Fall eine doppelte Haushaltsführung anerkennen wird.

Dennoch empfiehlt sich selbstverständlich, Ihre entspr. Aufwendungen (Familienheimfahrten, Miete bzgl. der Zweitwohnung, Zweitwohnungssteuer etc.) zunächst in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend zu machen. Auch ein – innerhalb der Finanzverwaltung – kostenfrei durchzuführendes Einspruchsverfahren würde ich Ihnen trotz der oben beschriebenen Rechtslage grds. empfehlen. Lediglich von einer finanzgerichtlichen Klage möchte ich Ihnen im Kosteninteresse abraten.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Anmerkungen weitergeholfen zu haben, wünsche Ihnen viel Erfolg und stehe Ihnen für etwaige Rückfragen und weitere Auskünfte gerne zur Verfügung.

Für das mir entgegengebrachte Vertrauen darf ich mich bei Ihnen bedanken und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Andrea Fey
Rechtsanwältin und Notarin
Fachanwältin für Steuerrecht

Nachfrage vom Fragesteller 01.07.2007 | 13:18

Sehr geehrte Rechtsnawältin,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Eine Nachfrage: würde sich Ihrer Meinung nach die Lage ändern, würde ich eine andere Wohung in der Nähe von meinem Arbeitsort nehmen, statt die alte zu behalten?

MfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.07.2007 | 13:51

Sehr geehrte Rechtsratssuchende,
sehr geehrter Rechtsratssuchender,

dies würde m.E. nur unnötigen Aufwand darstellen, da es der Finanzverwaltung bzgl. der Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung maßgeblich auf die Reihenfolge der Begründung von Hauptwohnung und Nebenwohnung am Beschäftigungsort ankommt.

Zwar würden Sie durch die Begründung einer anderen Wohnung am Beschäftigungsort evtl. diese erst nach der Hauptwohnung begründen. Die Finanzverwaltung, die von den Meldebehörden regelmäßig und automatisch Auskunft aus dem Melderegister erhält, würde hierin aber lediglich einen sog. "Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten" annehmen, da es sich bei der neuen Nebenwohnung lediglich um eine Art Ersatzwohnung für die bisherige Wohnung am Beschäftigungsort handeln würde.

Da dem FA die melderechtlichen Daten umfassend bekannt sind, ist daher auch bei der von Ihnen vorgeschlagenen Gestaltung von einer Ablehnung der Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung durch das FA zu rechnen.

Ich bedauere, Ihnen keine günstigere Mitteilung machen zu können, und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Andrea Fey
Rechtsanwältin und Notarin
Fachanwältin für Steuerrecht

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