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Dienstwagen: Steuerbelastung aufgrund weiten Wegs zur Arbeit verringern


13.04.2006 14:59 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Arbeitgeber stellt mir einen Dienstwagen für dienstliche und private Nutzung zur Verfügung. Da ich rund 60 km vom Arbeitsort entfernt wohne, habe ich aufgrund der 0,03%-Regelung monatlich eine hohe Summe als geldwerten Vorteil zu versteuern.
Ich suche nach Möglichkeiten, die hieraus entstehende Steuerlast wirksam und risikoarm zu reduzieren.

Mir selbst fallen folgende Varianten ein, die einzeln oder in Kombination zur Anwendung kommen können:

1) Bei einem Kollegen, der nah an der Arbeitsstele wohnt, könnte ich zur Untermiete wohnen (Nebenwohnsitz, da Hauptwohnsitz am Familienwohnsitz bestehen bleibt) und an Tagen, an denen es spät wird, dort übernachten. Ist es möglich, über die Einkommensteuererklärung an manchen Tagen Fahrten ab dem Nebenwohnsitz, an anderen Tagen Fahrten ab dem Hauptwohnsitz anzugeben und hiermit den geldwerten Vorteil zu mindern?

Nachweis:
Welche Nachweise verlangt die Finanzverwaltung: Können für das Mietverhältnis mehr als Untermietvertrag, Anmeldung als Nebenwohnsitz und Nachweis der Mietzahlungen (Quittung / Überweisung) gefordert werden?
Ist für die einzelnen Fahrten ein handschriftliches Fahrtenbuch (mit allen nach den Richtlinien des Bundesfinanzministeriums geforderten Daten und Angaben) hinreichend? Besteht ein Risiko, dass die Finanzverwaltung die pauschale Ermittlung des geldwerten Vorteils (1%, 0,03% je Entf.km) aberkennt und auf Besteuerung des realen geldwerten Vorteils besteht, falls aus dem FAhrtenbuch ein sehr hoher Privatanteil deutlich werden sollte?

2) Einen Teil meiner Arbeitsleistung erbringe ich vom häuslichen Arbeitszimmer aus (unterhalb der Anerkennungsschwelle). Dies ist allerdings nicht ausdrücklich im Arbeitsvertrag erwähnt. Welcher Nachweis ist hierfür erforderlich (s.o. 1)?

3) Knapp die Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich auf Dienstreisen, fahre also nicht zur Arbeitsstätte. Für diejenigen Reisen, bei denen ich fliege, kann ich mit Bordkarten den Nachweis erbringen. Welcher Nachweis ist für Fahrten zu Geschäftspartnern mit dem Pkw erforderlich (s.o. 1)? Wird ggf. auch eine interne Reisekostenabrechnung anerkannt (betrifft zurückliegende Zeiträume)? Sind Tankquittungen vom Zielort hilfreich, und was geschieht, wenn ich nicht in jedem Einzelfall daran denke, dort zu tanken?


Ich erwarte eine steuerrechtliche Beurteilung der o.g. Varianten und hoffe auf weitere Vorschläge. Insgesamt soll damit auf pragmatische Art und Weise eine risikoarme Verringerung des geldwerten Vorteils erreicht werden. Allgemeine Auskünfte über Dienstwagenbesteuerung sind nicht hilfreich.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfragen beantworte ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt:

1. Bei einem Kollegen, der nah an der Arbeitsstele wohnt, könnte ich zur Untermiete wohnen (Nebenwohnsitz, da Hauptwohnsitz am Familienwohnsitz bestehen bleibt) und an Tagen, an denen es spät wird, dort übernachten. Ist es möglich, über die Einkommensteuererklärung an manchen Tagen Fahrten ab dem Nebenwohnsitz, an anderen Tagen Fahrten ab dem Hauptwohnsitz anzugeben und hiermit den geldwerten Vorteil zu mindern?

Nachweis: Welche Nachweise verlangt die Finanzverwaltung: Können für das Mietverhältnis mehr als Untermietvertrag, Anmeldung als Nebenwohnsitz und Nachweis der Mietzahlungen (Quittung / Überweisung) gefordert werden?

a) Das Finanzamt fordert im Rahmen der Steuererklärung die Unterlagen, die einen Nachweis der geltend gemachten Kosten belegen. D.h. wird die Miete für den Zweitwohnsitz geltend gemacht, fordert das Finanzamt den Mietvertrag nebst entsprechenden Belegen für die Zahlung der Miete (Kontoauszüge).

Weiterhin kann das Finanzamt z.B. Belege für Telefon- bzw. Internetkosten anfordern, wenn diese geltend gemacht werden. Eine Meldebestätigung der Gemeinde wird gewöhnlich nicht verlangt, jedoch sollte eine solche Meldung im Zweifel vorgenommen werden. Allerdings gilt hier zu beachten, dass möglicherweise eine Zweitwohnsitzsteuer anfallen kann (meist 10% der Nettomiete).

b) Hinsichtlich der Doppelten Haushaltsführungen können die folgenden Werbungskosten angegebenen werden:

- die Fahrtkosten aus Anlass der Wohnungswechsel zu Beginn und Ende der doppelten Haushaltsführung
- die wöchentliche Familienheimfahrten
- die Aufwendungen für wöchentliche Familien-Ferngespräche.

Daneben können auch Verpflegungsmehraufwendungen, Aufwendungen für die Zweitwohnung sowie Umzugskosten als Werbungskosten berücksichtigt werden.

2. Ist für die einzelnen Fahrten ein handschriftliches Fahrtenbuch (mit allen nach den Richtlinien des Bundesfinanzministeriums geforderten Daten und Angaben) hinreichend? Besteht ein Risiko, dass die Finanzverwaltung die pauschale Ermittlung des geldwerten Vorteils (1%, 0,03% je Entf.km) aberkennt und auf Besteuerung des realen geldwerten Vorteils besteht, falls aus dem FAhrtenbuch ein sehr hoher Privatanteil deutlich werden sollte?

Wenn Sie für die Ermittlung des geldwerten Vorteils das Fahrtenbuch, also die Berechnung der tatsächlich anfallenden Fahrtkosten wählen, dann verlangt das Finanzamt sehr präzise Aufzeichnungen.

Das Fahrtenbuch muss mindestens Auskunft geben über Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder einzelnen beruflich oder privat veranlassten Fahrt, das Reiseziel, den Reisezweck und aufgesuchte Geschäftspartner. Weiterhin kann soweit eine Tankkarte verwendet wird auch entsprechender Nachweis ergänzend gebracht werden, da meist auch die Kilometerangabe erforderlich ist.

Für private Fahrten genügen jeweils Kilometerangaben. Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genügt ein kurzer entsprechender Vermerk.

Auch elektronische Fahrtenbücher sind grundsätzlich zulässig, wenn sich daraus dieselben Erkenntnisse wie aus einem manuell geführten Fahrtenbuch gewinnen lassen. Beim Ausdrucken von elektronischen Aufzeichnungen müssen nachträgliche Veränderungen der aufgezeichneten Angaben technisch ausgeschlossen, zumindest aber dokumentiert werden. Einfache Excel-Tabellen reichen nicht aus.

Sie haben die Möglichkeit, zwischen beiden Berechnungsmethoden frei zu wählen. Die Pauschalmethode ist zu empfehlen, wenn man häufig Privatfahrten unternimmt und der Firmenwagen neu ist. Umgekehrt sollte man sich den Einzelnachweis überlegen, wenn man oft dienstlich unterwegs ist und der Dienstwagen älter ist oder gebraucht gekauft wurde.

Es ist zulässig, die Privatnutzung mit dem Arbeitgeber zunächst nach der 1% -Methode abzurechnen und am Jahresende bei der Einkommensteuererklärung die tatsächlichen Aufwendungen anhand eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuchs sowie von Einzelbelegen für die Besteuerung anzusetzen. Die endgültige Methodenwahl ist bei der Abgabe der Steuererklärung vom Steuerpflichtigen für das jeweilige Wirtschaftsjahr bei demselben PKW einheitlich zu treffen. D.h. Sie können für jedes Jahr die Methodenwahl nach der für Sie günstigeren Variante wählen.

2) Einen Teil meiner Arbeitsleistung erbringe ich vom häuslichen Arbeitszimmer aus (unterhalb der Anerkennungsschwelle). Dies ist allerdings nicht ausdrücklich im Arbeitsvertrag erwähnt. Welcher Nachweis ist hierfür erforderlich (s.o. 1)?

Auch hier gilt, dass Sie Nachweise für die als Werbungskosten geltend gemachten Ausgaben bringen müssen. Wird das Arbeitszimmer z.B. mit 20 % der gesamten Miete angesetzt, ist hierfür der Mietvertrag nachzuweisen. Auch sollte die anteilige Berücksichtigung des Zimmers schlüssig sein. Gleiches gilt für Nebenkosten.

3) Knapp die Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich auf Dienstreisen, fahre also nicht zur Arbeitsstätte. Für diejenigen Reisen, bei denen ich fliege, kann ich mit Bordkarten den Nachweis erbringen. Welcher Nachweis ist für Fahrten zu Geschäftspartnern mit dem Pkw erforderlich (s.o. 1)? Wird ggf. auch eine interne Reisekostenabrechnung anerkannt (betrifft zurückliegende Zeiträume)? Sind Tankquittungen vom Zielort hilfreich, und was geschieht, wenn ich nicht in jedem Einzelfall daran denke, dort zu tanken?

Die entsprechenden Angaben sind ins Fahrtenbuch einzutragen. Bei der Methode mit der tatsächlichen Aufwendung, ist es sicherlich nicht erforderlich immer an dem jeweiligen Zielort zu tanken, nur um die Dienstreise nachzuweisen. Sicherlich ist es von Vorteil Tankquittungen aufzuheben, falls sich ein Finanzbeamter mal quer stellen sollte, aber erforderlich ist dies nicht.

Es erspart im "Ernstfall" jedoch eine umfangreiche Begründung, sollten den seitens des FA Nachfragen kommen.

Ob sich bei der hohen Anzahl an Dienstreisen, dann noch ein Zweitwohnsitz lohnt, möchte ich bezweifeln. Durch das Führen eines Fahrtenbuch werden maximal die tatsächliche private Nutzung versteuert. Sollte dies im Wirtschaftsjahr für Sie ungünstig sein, können Sie trotz des Fahrtenbuches die pauschale Berechnungsmethode mit 0,03 % Regelung wählen.

Ich hoffe Ihre Fragen ausreichend und umfassend beantwortet zu haben. Sollten noch Fragen bestehen oder einzelne Fragestellungen nicht ausreichend beantwortet sein, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.

Mit besten Grüßen und erholsame Feiertage!

RA Schröter
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