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Dienstwagen, erster Wohnsitz, DHF


10.08.2006 20:06 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Achim Schroers



Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich arbeite als leitender Angestellter im Vertrieb. Der einfache Weg zu meinem Arbeitsplatz beträgt 125 km. Ich fahre diese Strecke rund 125 mal im Jahr, da ich oft auf Dienstreisen bin.
Mein Arbeitgeber würde mir einen Dienstwagen zur Verfügung stellen.
Dies macht jedoch keinen Sinn, da ich aufgrund der 0,03 Regelung, mich steuerlich viel zu schlecht stellen würde, als wie es jetzt mit Privat PKW der Fall ist.

Da ich die Fahrerei so nicht weiter führen möchte und die damit verbunden Kosten sich ständig nach oben entwickeln, ebenso mittelfristig ein Wegfall der Pendlerpauschale zu befürchten ist, habe ich mir folgende Variante ausgedacht, um die Situation für mich vorteilhafter zu gestalten

Ich würde mir am Arbeitsort eine Wohnung suchen und dort, falls notwendig auch meinen ersten Wohnsitz anmelden ( 5 Tage in der Woche würde ich am Ort des Arbeitsplatzes wohnen). Somit hätte ich damit nur die kurze Distanz als Fahrt Wohnort zum Arbeitsplatz, die ich pauschal versteuern lassen würde.

1)
Würde das so funktionieren, sprich anerkannt werden?

2).
Erkennt das Finanzamt eine solche Wohnung als Doppelte Haushaltsführung an, auch wenn das erst nach Zeit von 2 1/2 Jahren beantragt würde, denn ich pendele seit 2 ½ Jahren?

Wenn dies so wäre, würde dies die Situation noch weiter verbessern, da dann die Miete etc. zusätzlich noch geltend gemacht werden können

Welche Möglichleiten wären noch vorstellbar?



Sehr geehrter Fragesteller,

das Finanzamt erkennt eine doppelte Haushaltsführung steuerlich an, wenn die folgenden Voraussetzungen vorliegen:

1. Am Wohnort haben Sie Ihre Hauptwohnung, d.h. einen eigenen
Hausstand und Ihren Lebensmittelpunkt.

Bei Verheirateten ist der Lebensmittelpunkt grundsätzlich dort, wo die Familie wohnt. Alleinstehende haben ihren Lebensmittelpunkt dort, wo etwa Eltern oder Verlobte/r leben, der Freundes- und Bekanntenkreis ist, Mitgliedschaften in Vereinen bestehen oder politische Aktivitäten etc. ausgeübt werden.

2. Am auswärtigen Beschäftigungsort haben Sie eine Zweitwohnung.

3. Die Einrichtung der Zweitwohnung ist beruflich begründet.

Indiz für den beruflichen Anlaß ist, dass Sie wegen der weiten Entfernung zum Beschäftigungsort nicht ständig nach Hause fahren. Dem steht nicht entgegen, dass Sie dies bisher gleichwohl getan haben. Denn eine doppelte Hausführung ist auch dann beruflich veranlaßt, wenn der Steuerpflichtige zunächst pendelt und erst nach Jahren eine Zweitwohnung am Arbeitsort bezieht (BFH-Urteil vom 09.03.1979, BStBl. II 1979, S. 520).

Erfüllt Ihr geplantes Vorhaben die vorstehenden Voraussetzungen, steht der steuerlichen Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung nichts im Wege.

Abzugsfähig sind dann diese Aufwendungen:

1. Fahrtkosten

a) Fahrten zwischen Zweitwohnung und Arbeitsplatz als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte i.S.d. § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG

b) eine Heimfahrt pro Woche mit der Entfernungspauschale. Aber: Für Heimfahrten mit dem Firmenwagen können Sie keine Werbungskosten geltend machen, brauchen anderseits für diese Fahrten jedoch auch keinen Nutzungswert zu versteuern (§ 8 Abs. 2 Satz 5 EStG)

c) anstelle einer Heimfahrt:
- für jede Woche ohne Heimfahrt ein Ferngespräch von 15 Minuten
mit Angehörigen, die zum eigenen Hausstand gehören
- Besuch von Ehegatte und Kindern (sog. umgekehrte Heimfahrt),
sofern Sie aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen
(z.B. Arbeitsüberlastung, Erkrankung) an der Heimfahrt
gehindert sind

2. Verpflegungskosten

Verpflegungskosten können Sie nur für die ersten drei Monate nach Bezug der Zweitwohnung absetzen, und zwar nur mit den Pauschbeträgen.

3. Aufwendungen für die Zweitwohnung

Miete/Mietnebenkosten für eine angemessene Mietwohnung (Obergrenze: 60 qm, Verfügung der OFD Düsseldorf vom 27.03.2000, StEK § 39 b Nr. 47 unter 8.1, FG Köln, Urteil vom 15.05.1997, EFG 1997, S. 1108), Inseratskosten, Maklercourtage, Renovierungskosten, Zweitwohnungssteuer, ggf. Abschreibung laufende Grundstückskosten, Schuldzinsen für eine Eigentumswohnung/ein eigenes Haus

desweiteren: nicht überhöhte Kosten für notwendige Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände in der Zweitwohnung, wie Bett, Schränke, Sitzmobiliar, Tisch, Herd, Spüle, Kühlschrank, Badezimmereinrichtung, Lampen und sonstige Hausratsgegenstände. Nicht überhöht sind die Aufwendungen, wenn sie „den jeweiligen Mittelwert im unteren Bereich des Preisgefüges nicht überschreiten“ (FG Köln, Urteil vom 05.02.1992, EFG 1993, S. 144).

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen im Rahmen der Nachfragefunktion gerne noch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Achim Schroers
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 13.08.2006 | 22:33

Sehr geehrter Herr Schroers,
vielen Dank, Frage 2 ist gut beantwortet,
meine Nachfrage ist nochmal meine erste Frage:

Erkennt das Finanzamt im Falle eines Dienstwagen (Pauschalversteuerung), die Fahrten zum Arbeitsort von der Zweitwohnung (DHF) an (kurze Entfernung), um damit die Steuerlast, die sich aus der 0,03% Regelung ergibt, deutlich zu mindern?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.08.2006 | 14:46

Sehr geehrter Fragesteller,

in 2006 sind Ihre Aufwendungen für Fahrten zwischen Zweitwohnung und Arbeitstätte noch uneingeschränkt als Werbungskosten mit der Entfernungspauschale von 0,30 EUR berücksichtigungsfähig. Ab dem 01.01.2007 wird Ihnen aufgrund des kürzlich verabschiedeten Steueränderungsgesetzes 2007 die Entfernungspauschale dann allerdings nur noch ab dem 21. Entfernungskilometer gewährt.

Mit freundlichen Grüßen

Achim Schroers
Rechtsanwalt

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