Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Diebstahl von Firmengeld; haftet der Arbeitnehmer?


| 15.05.2006 23:20 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Elmar Dolscius



Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin,
sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

ein Arbeitnehmr erhält von seinem Arbeitgeber € 450,00, um damit Baumaterial einzukaufen. Auf dem Weg zum Baumarkt nimmt der Arbeitnehmer einen Imbiß ein und dabei wird ihm das Geld gestohlen.

Frage: Muß der Arbeitnehmer den Schaden ersetzen?

Vielen Dank für Ihre Mühe und rasche Antwort!

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte((r) Ratsuchende(r),

gerne beantworte ich Ihre Frage summarisch auf der Basis der mitgeteilten Informationen.

1. Zunächst müssen Sie wissen, dass es keine spezielle gesetzliche Regelung für die Haftung des Arbeitnehmers gibt. Vielmehr gelten für Sachschäden im Arbeitsleben die ganz normalen Schadensersatzregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Diese wurden allerdings von den Arbeitsgerichten stark modifiziert. So hielten es die Arbeitsrichter für nicht gerecht, dass der Arbeitnehmer das ganze Haftungsrisiko allein tragen soll, wenn er während der Verrichtung seiner Arbeit und für seinen Arbeitgeber tätig wird, da auch dem sorgfältigsten Arbeitnehmer einmal einen Fehler machen kann. Hier würde ein Widerspruch zum arbeitsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz liegen, könnte der Arbeitgeber das ganze Risiko auf seinen Arbeitnehmer abladen.

2. Für eine Haftung des Arbeitnehmers müssen verschiedene Punkte erfüllt sein:

a) Betriebliche Veranlassung

Zunächst muss es sich um eine Tätigkeit handeln, die ihm für den Betrieb übertragen wurde.

b) Haftung nach Grad der Verschuldung

Anschließend wird gefragt, wie hoch der Grad des Verschuldens ist, der dem Arbeitnehmer vorgeworfen werden kann.

- Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer umfassend. Bei grober Fahrlässigkeit können jedoch Haftungserleichterungen des Arbeitnehmers in Betracht kommen.

- Bei normaler Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer anteilig.

- Bei leichter Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer nicht.

3. Hinzu kommt, dass es möglich ist, die Haftung des Arbeitnehmers zu mildern. Zum einen kommt hier ein mögliches Mitverschulden des Arbeitgebers in Betracht. Zum anderen kommen bei einer Abwägung der Gesamtumstände noch allgemeine Billigkeits- und Zumutbarkeitsgesichtspunkte zum Tragen.

a) Wenn der Arbeitgeber aufgrund einer von ihm zu vertretenden Sach- und Betriebsgefahr mitverantwortlich ist, wird die Haftung des Arbeitnehmers gemildert, sofern der Arbeitgeber bei der Entstehung des Schadens in zurechenbarer Weise mitgewirkt hat.

b) Nach aktueller Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) müssen zudem noch allgemeine Billigkeits- und Zumutbarkeitspunkte in die Gesamtabwägung mit einbezogen werden. Hier vor allem

- der Verschuldensgrad des Arbeitnehmers
- Die Frage, ob die Tätigkeit "gefahrgeneigt" ist
- die Höhe des Schadens
- Welche berufliche Stellung hat der Arbeitnehmer?
- Die Höhe des monatlichen Entgeltes
- die persönlichen Verhältnisse des Arbeitnehmers (Alter, Familienverhältnisse, Dauer der Betriebszugehörigkeit)

c) Zuletzt stellt sich noch die Frage, ob der Schaden durch eine Versicherung des Arbeitgebers gedeckt ist.

4. Anhand dieser Kriterien können Sie nun selbst ermitteln, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe der Arbeitnehmer für den Schaden haftet.
Da Sie keine Angaben hinsichtlich der Entstehung des Schadens genacht haben, kann ich nur generell antworten. Sie können mir im Rahmen der einmaligen Nachfrage gern den genauen Ablauf schildern. Ich würde Ihnen dann meine Einschätzung mitteilen, in welchem Umfang der Arbeitnehmer meiner Ansicht nach haftet.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Abhandenkommen des Geldes nicht um Vorsatz gehandelt hat. Grobe Fahrlässigkeit dürfte wohl nur in Frage kommen, wenn der Arbeitnehmer das Geld offen sichtbar auf dem Imbisstisch abgeleckt hatte und es von dort gestohlen wurde. Übrig bleibt damit normale und leichte Fahrlässigkeit, evtl gemildert wegen Mitverschulden des Arbeitgebers oder einer Betrachtung der Gesamtumstände. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer maximal anteilig oder gar nicht haftbar ist.
Wenn der Arbeitnehmer zB schon lange in dem Betrieb tätig ist, immer zuverlässig gearbeitet hat und sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen, dürfte eine Haftung eher ausscheiden. Sollte der Arbeitnehmer als unzuverlässig bekannt gewesen sein, kommt ein Mitverschulden in Betracht.

All diese Punkte können Sie am besten selbst beurteilen, da Sie mit den Einzelheiten vertraut sind. Anhand der oben dargestellten Voraussetzungen sollten Sie jedoch schnell zu einem Ergebnis kommen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine erste rechtliche Orientierung geben.

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Dolscius
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"und war auch sehr ausführlich; bin sehr zufrieden, herzlichen Dank dafür! "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER