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Diebstahl beim Arbeitgeber


27.04.2006 21:37 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens Jeromin



Sehr geehrte Frau Anwältin,
sehr geehrter Herr Anwalt,

ich habe eine grosse Dummheit begangen und hoffe sehr sie können mir einige Fragen beantworten, damit ich möglichst heil aus der Sache wieder heraus komme.

Ich habe Anfang Januar 2006 aus dem Warenbestand des Geschäftes in dem ich als einzigste Angestellte arbeitete 2 Spielwarenartikel im Wert von insg. ca. 400 € entwendet und bei dem Auktionshaus Ebay versteigert.
Mein EX-Chef hat das Fehlen bzw. den Verkauf bei Ebay bemerkt.
Ich habe sofort die fristlose Kündigung erhalten. Daraufhin bin ich zu meinem Chef habe die Tat sofort gestanden, habe mich entschuldigt und ihm die Sache erklärt.
Es wurde Anzeige bei der Polizei erstattet. Alle in den letzten Jahren gestohlenen Sachen wurden angezeigt. Die Polizei hat bei Ebay eine Liste angefordert und diese wird jetzt mit der Liste meines Ex-Chefs abgeglichen. Mit diesen Diebstählen habe ich nicht zu tun.

Eine Aussage habe ich bereits gemacht und auch dort sofort meine Tat gestanden und die Reue deutlich gemacht! 2 Personen für die ich Artikel bei Ebay verkauft habe wurden bereits als Zeugen befragt um die Richtigkeit meiner Aussage zu überprüfen.

Jetzt zu meinen Fragen:

1. Welche Strafe erwartet mich (nicht vorbestraft) wenn man davon ausgeht dass nur die gestandene Tat Verhandlungsinhalt ist.

2. Ich habe in den letzten 5 Jahren über 400 Artikel bei Ebay ver- bzw. gekauft. Muss ich jetzt für alle bei Ebay verkauften Artikel der Polizei die Herkunft belegen können? Dies ist für mich sehr schwierig da ich sehr viele Artikel bei meinem Ex-Chef schwarz gekauft habe. Für diese Käufe hat nur er die Belege und er wird sicher nicht daran interessiert sein diese offen zu legen. Denn auch für ihn ist Steuerhinterziehung strafbar.

3. Wie ist es mit dem Restlohn bis zur fristlosen Kündigung. Wird dieser mir ausgezahlt oder hat mein EX-Arbeitgeber das Recht den Betrag mit der Schuld (Wert der entwendeten Ware) zu verrechnen?
Mein Mann hatte dort einen 400-€-Job, wurde ebenfalls gekündigt. Wie ist das mit seinem ausstehenden Lohn? Darf der EX-Arbeitgeber auch den verrechnen.
Die Löhne belaufen sich auf 230 €.

4. Muss ich den Wert der entwendeten Ware überhaupt bezahlen oder habe ich die Möglichkeit die Waren zu ersetzen, da ich im freien Handel die Waren deutlich günstiger bekommen kann als die Preise die mein EX-Arbeitgeber berechnet?

5. Ich habe jetzt eine Rechnung von meinem EX-Chef bekommen. Laut dieser soll ich zusätzlich zu den Waren noch eine Fangprämie in Höhe von 150 € sowie eine Schreibgebühr von 20 € zahlen? Kann er dies verlangen und wenn ja ist die Höhe angemessen?

6. Wenn ich mich im Falle der weiteren Beschuldigungen (ohne die gestandene Tat) verteidigen lassen muss, würde das eine Rechtschutzversicherung bezahlen.
Mit freundlichen Gruss


-- Einsatz geändert am 28.04.2006 05:48:14

-- Einsatz geändert am 28.04.2006 05:48:42

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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Informationen wie folg beantworte:

1. Sofern es bei diesen beiden Taten als haltbarem Tatvorwurf verbleibt, haben Sie reele Aussichten zu einer Geldstrafe verurteilt zu werden, die nicht in ein polizeiliches Führungszeugnis eingetragen wird (deutlich unter 90 Tagessätzen). Falls Sie anwaltlich vertreten werden, liesse sich nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft eventuell auch eine Einstellung im Vorverfahren nach § 153a StPO gegen Zahlung eines Betrages an die Staatskasse/gemeinützige Einrichtung erreichen. Ob diese Möglichkeit realistisch ist, ist aber letztlich eine Frage aller, sich aus der Ermittlungsakte ergebender, Umstände.

2. Hinsichtlich der übrigen Taten würden Ermittlungen aufgenommen, wenn ein Anfangsverdacht, somit die Möglichkeit besteht, dass auch diese mit Straftaten in Zusammenhang stehen. Hier wird es entscheidend darauf ankommen, ob Ihr Chef auch hier Diebstähle reklamiert, denn Ihnen muss nachgewiesen werden, dass Sie diese Artikel ebenfalls durch Diebstähle erlangt haben. Sollten sich die Ermittlungen dahingehend ausweiten, rate ich dringend zur Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe (um zumindest Akteneinsicht zu erhalten), da neben den Diebstählen auch jeweils Betrugsdelikte zum Nachteil der ebay-Käufer zumindest in Betracht kommen. Aufgrund der Vielzahl der Verkäufe könnte in Richtung einer strafschärfenden, gewerbsmäßigen Begehungsweise ermittelt werden. Aber zur Beruhigung: Es kommt wesentlich darauf an, ob Ihr Chef auch hinsichtlich dieser Artikel Diebstähle geltend macht. drezeit geht es um zwei Artikel, davon sollten Sie auch weiterhin ausgehen, alles andere ist momentan spekulativ.

3. Aufgrund der genannten Höhe sind Ihre Arbeitseinkommen gemäß §§ 850 Absatz 1, 850c ZPO unpfändbar. Allerdings kommt in Ihrem Fall eine bevorrechtigte Pfändung gemäß § 850f ZPO in Betracht. Die Voraussetzungen müssen jedoch gerichtlich festgestellt werden, was regelmäßig in einem zivilrechtlichen Klageverfahren geschieht. Bis dahin darf Ihr Arbeitegeber aufgrund der Höhe der Arbeitseinkommen nicht "verrechnen".

4. Ihre Verpflichtung zum Schadensersatz kann sich gemäß § 252 BGB auch auf entgangenen Gewinn des Geschädigten erstrecken, wobei es hier für diesen bei der Darlegung dieses Gewinns eine Beweiserleichterung gibt. Nur mit der "Rückgabe" der Sache wäre dieser entgangene Gewinn nicht ersetzt, weswegen ein reiner Ersatz der gestohlenen Waren nur dann in Betracht kommt, wenn sich Ihr Arbeitgeber ausdrücklich mit dieser Regelung einverstanden erklärt.

5. Fangprämien werden von der Rechtsprechung als ersatzfähige Kosten der Rechtsverfolgung" angesehen, vgl. BGHZ 75, 231-240. Ersatzfähig ist aber nur eine "angemessene" Fangprämie. Diese liegt derzeit pauschal bei etwa 50-75 €. Für eine höhere Prämie muss Ihr Arbeitgeber besondere Mühen bei der Aufdeckung der Tat. Bei den Schreibauslagen ist umstritten, ob eine pauschale zu akzeptieren ist, oder der konkrete Schaden durch Telefonate, Material oder Umsatzverlust durch Personaleinsatz bei der Bearbeitung des Diebstahls im Einzelfall nachgewiesen werden muss. M.E. ist eine Pauschale abzulehnen, jedoch sollten Sie hier aufgrund der Betragshöhe aus taktischen Gründen keinen Streit entfachen, wenn Ihr Arbeitgeber ansonsten (etwa bei der anderen, schwarz erworbenen Artikeln) "den Ball flach hält".

6. Ihre Rechtsschutzversicherung wird für die Kosten Ihrer Verteidigung nicht einstehen, da es sich bei Diebstahl um eine Vorsatztat handelt. Strafrechtliche Vorsatztaten sind von den Versicherungsbedingungen aber nicht umfasst.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort eine erste Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Jens Jeromin
Rechtsanwalt
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