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Darf ich während der AU mit Diagnose Depression auf Seminare?

| 30. Januar 2011 17:24 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wollte gerne folgendes wissen:

Mein Arbeitsverhältnis habe ich gekündigt, weil ich das Arbeitsklima dort psychisch wegen Mobbings, welches mit derben Beleidigungen und Unterstellungen einherging,nicht mehr aushalte und habe alles so dem Arzt erzählt wie es ist. Dieser hat mich mit der Diagnose gesicherte Depression krankgeschrieben.
Nun meine Frage:
Dürfte ich während der Zeit der Krankschreibung in der naheliegenden Stadt Fortbildungen besuchen bzw. in einer 300 Km entfernten Stadt an einem Wochenseminar,Praktikum teilnehmen. Ich muß unbedingt mich ablenken und an was anderes denken, ansonsten schaffe ich den Neustart im neuen Betrieb nicht. Außerdem wäre der Ortswechsel gut um aus der psychischen Misere rauszukommen.
1)Nun liest man ja des öfteren, dass erstens bei Ortswechsel der Arbeitgeber diesem zustimmen müßte? Ist dies so richtig? Meiner würde diesen sicher ablehnen.
2) Welche Aktivitäten darf ich während meiner Krankschreibung machen,( Kleider einkaufen, zur Therapie gehen, Fahrradfahren etc, was eigentlich ist erlaubt?)
3) Wäre der Besuch von wohnortfernen/wohnortnahen Seminaren ein Grund für eine fristlose Kündigung? Oder könnte ich dran teilnehmen?

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Frage.

1. Sie brauchen für einen Ortswechsel nicht die Zustimmung des AG. Wichtig ist, dass Sie die Teilnahme an dem Seminar/Praktikum mit Ihrem Arzt absprechen. Dieser muss die Teilnahme unterstützen, als Teil des Heilungsprozesses. Im Streitfall sollte der Arzt bestätigen können, dass er zur Teilnahme geraten hat bzw. die Teilnahme befürwortet.

2. Es gibt hier keine Grundregeln, denn es hängt von der individuellen Krankheit ab, was zulässig ist oder nicht. Bei psychischen Erkrankungen gilt anders als etwa bei Grippe, nicht das Gebot der Bettruhe oder des Aufenthalts zu Hause. Der Besuch einer Therapie oder der Aufenthalt an der Luft sind definitv zulässig. Problematisch wird es da, wo eine Tätigkeit verrichtet wird, die der Arbeit vergleichbar ist. Gerade bei Mobbingfällen, sind die Übergänge hier fließend. Es hängt auch davon ab, wie lange Ihre Arbeitszeit vorher war. Eine Teilzeitkrankschreibung gibt es nicht. Ein stundenweiser Besuch eines Seminars kann daher erlaubt sein, wenn die Belastung geringer ist als bei der Arbeit. Gerade bei Mobbingfällen ist das Problem ja gerade der konkrete Arbeitsplatz.

3. Es gilt hier das bereits Gesagte. Die Teilnahme an Seminaren kann zulässig sein, wenn es sich um eine begrenzte Zeit handelt und wenn der Arzt hierzu rät oder es zumindest unterstützt. Bei längerer Krankschreibung wäre die Teilnahme an einem Seminar sicher kein Problem.

Rückfrage vom Fragesteller 30. Januar 2011 | 20:43

Vielen Dank Herr Wöhler für die Beantwortung meiner Fragen,

da ich die Verhältnismäßigkeit selber nicht einschätzen kann und deshalb immer noch verunsichert bin, wollte ich kurz nachfragen.

1) Dem Arbeitgeber brauche ich auch keine Mitteilung über Ortswechsel machen? Ich könnte also übers Wochenende zu meiner Familie etc fahren?

2)Ich arbeite 25 h/Woche und würde gerne ein Seminar heilkundlicher Art für eine Woche (5Tage zu 8 h) belegen, um einfach alles von der Arbeitsstelle vergessen zu können. Ein Praktikum zu diesem Thema wäre genauso lang. Da ja Depression auf der AU steht, denke ich fast, dass der Arbeitgeber, wenn er wollte, die AU deshalb anfechten könnte, falls er dies per Detektei herausfinden sollte. Ich will auf keinen Fall eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung vermeiden. Wie sehen Sie die Verhältnisfähigkeit? bin für 3 Wochen krank geschrieben, werde vom Doktor noch ergänzend eine dreiwöchige AU bekommen. Wie sehe es mit dem Seminarbesuch eines ganzen Wochenendes aus, welches schon monatelange vorher gebucht wurde ?

3) falls der Arbeitgeber an der Türe klingeln sollte oder anrufen sollte, bin ich gezwungen mit ihm zu sprechen?



Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 30. Januar 2011 | 21:12

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne komme ich auf die Nachfrage zurück.

1. Sie können sich von Ihrem Ort entfernen, weil dies keine Reise darstellt. Allerdings sollte dies mit dem Arzt abgesprochen sein und bestenfalls schriftlich bescheinigt werden.

2. Ich sehe keine Anfechtungsmöglichkeit. Ein Seminar für eine Woche oder auch ein Praktikum wären noch Verhältnismäßig. Auch hier gilt, dass man sich schriftlich durch den Arzt absichern sollte. Ich gehe davon aus, dass Sie das Arbeitsverhältnis bereits gekündigt haben, daher ist die Gefahr einer Kündigung durch den AG gering. Bei einer fristlosen Kündigung würde man eine Abwägung vornehmen und dabei wäre die Dauer des Restarbeitsverhältnisses von großer Bedeutung.

Auch ein Seminarbesuch an einem Wochenende wäre kein Problem.

3. Nein, der AG hat kein Recht Sie zu Hause aufzusuchen. Sie müssen mit dem AG auch nicht sprechen. Er kann allerdings die Krankenkasse einschalten und diese kann eine Untersuchung durch den MDK anordnen.


Mit freundlichen Grüßen

Oliver Wöhler, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht und Familienrecht


Bewertung des Fragestellers 1. Februar 2011 | 14:55

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