Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Covid Infektion im Krankenhaus mit Tod

4. Juli 2022 20:00 |
Preis: 80,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

-Mein Vater wurde am 10.02.21 mit 82 Jahren wegen eines diabetischen Fußsyndroms ins Krankenhaus eingeliefert. Der Fuß sollte operativ behandelt werden. Das Krankenhaus war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen eines Corona-Ausbruchs auf einer Station für Besucher gesperrt. Mit meinem Vater hatten wir nur telefonischen Kontakt.
-Bei der Aufnahme am 10.02 wurde er mit einem Schnelltest NEGATIV auf Covid 19 getestet. Am 11.02 wurde er operiert.
-Am 16.02.21 wurde er mit einem Schnelltest POSITIV auf Covid 19 getestet. Auskünfte vom Krankenhaus waren kaum zu bekommen, da sich niemand zuständig fühlte.
-Am 15.02 und am 18.02 wurde mein Vater erneut am Fuß operiert. Für diese Operationen lag keine Einverständniserklärung meines Vaters vor. Wir haben ein Jahr und erheblichen Druck gebraucht, bis uns das Krankenhaus die Krankenakte herausgegeben hat, und erst dann haben wir den Aufklärungsbogen gefunden, den mein Vater im Abschnitt für Ablehnung unterschrieben hatte ("ich willige in den vorgeschlagenen Eingriff nicht ein"). Dennoch haben die 2 und 3 Operation stattgefunden. Es existiert noch ein Einwilligungsbogen für die Anästhesie am 15.02, den mein Vater wiederum einverständlich unterschrieben hat.
-Das Krankenhaus behauptet, mein Vater sei bereits Corona positiv ins Krankenhaus gekommen, der am Aufnahmetag gemachte negative Schnelltest sei lediglich innerhalb der Inkubationszeit. PCR Tests gibt es aber nicht oder das Krankenhaus hält sie uns vor. In der Krankenakte sind keine PCR Tests vorhanden.
-Am 26.02 wurde mein Vater dann auf die Intensivstation verlegt, weil sich sein Zustand aufgrund der Covid Infektion verschlechterte. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir keinerlei Kontakt mehr zu meinem Vater. Und wie wir heute meinen, erzählten uns die (verschiedenen) Ärzte und Pflegekräfte am Telefon immer das, was sie meinten, was wir hören wollten. Überhaupt war es sehr schwer, Auskünfte zu bekommen.
-Am 27.03 erhielt ich vom Krankenhaus einen Anruf, dass der Tod meines Vaters unmittelbar bevorstehen würde.
-Die letzten 24 Stunden saßen wir als Familie dann noch an seinem Bett auf der Intensivstation. In dieser Zeit wurden ihm über eine Kanüle im Stundentakt Kreislaufmittel gegeben, welche ihn, wie wir auch erst später herausgefunden haben, die ganze Zeit am Leben hielten, obwohl mein Vater eine Patientenverfügung hatte, in der geregelt war, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünschte. Nachdem die Kreislaufmittel nach Rücksprache mit einem Arzt abgesetzt wurden, verstarb mein Vater am 28.03 innerhalb von Minuten.

Meine Fragen:

Welche juristischen Möglichkeiten haben wir, da mein Vater bei der Aufnahme ins Krankenhaus negativ auf Covid getestet wurde und 6 Tage später im Krankenhaus positiv. Wie gesagt, war das Krankenhaus da bereits für den Besucherverkehr wegen eines Coronaausbruchs auf einer Station geschlossen.

Welche juristischen Möglichkeiten haben wir bezüglich der Ablehnung in die 2 und 3 Operation? Wie gesagt, hat mein Vater im Gegensatz zu dem Op-Bogen einen Anästhesiebogen für die 2 Op zustimmend unterschrieben. Es gab also einmal die unterschriebene Ablehnung in die 2 und 3 Op, und dann gab es eine unterschriebene Zustimmung in die Anästhesie für die 2 Op.

Welche Möglichkeiten haben wir, da die Patientenverfügung meines Vaters nicht beachtet und er künstlich am Leben gehalten wurde?

Vielen Dank im voraus.


4. Juli 2022 | 21:05

Antwort

von


(460)
Gräfelfinger Str., 97a
81375 München
Tel: 089 1222189
Web: http://www.kanzlei-richter-muenchen.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Covid Infektion
Grundsätzlich trifft den Patienten bzw. Sie als Anspruchsteller die Beweislast, dass die Covid-Infektion im Krankenhaus erlangt wurde, dass dies für den Tod ursächlich war und dass ein Verschulden vorliegt.
Aber im Fall eines Hygieneverstoßens gilt das gerichtliche Erleichterungsprinzip. Für einen Patienten ist dementsprechend die Durchsetzung des Schadenersatz- bzw. Schmerzensgeldanspruchs wesentlich leichter. Der Grund hierfür ist die Ansicht des Bundesgerichtshofs, dass sich durch den Hygieneverstoß für den Patienten ein Risiko eröffnet, welches seine Ursache einzig und alleinig in dem Klinikbetrieb hat. Der Bundesgerichtshof vertritt die Auffassung, dass ein gut organisierter Krankenhausbetrieb durch eine entsprechende Koordination das jeweilige individuelle Behandlungsgeschehen des Patienten vollumfänglich beherrschen kann und dass dementsprechend auch ein voll beherrschbares Risiko vorliegt.

Laut Sachverhalt kann das Krankenhaus nicht beweisen, dass Ihr Vater bereits bei Ankunft positiv war. Dies gehört aber zu den Pflichten des Krankenhauses. Ein Hygieneverstoß liegt daher nahe.

2. Ohne ausdrückliche Einwilligung darf keine Operation durchgeführt werden. Eine mutmaßliche Einwilligung fällt aus, da Ihr Vater sogar noch ausdrücklich die Ablehnung erklärt hat.
Die Einwilligung in die Anasthäsie hat grundsätzlich keinen Bezug auf den Eingriff an sich und kann daher die Einwilligung in OP 2 nicht ersetzen.
Die Operation müsste auch kausal für den Tod gewesen sein.
Es ist anzunehmen, dass die Operationen 2 und 3 auch für den Tod mitursächlich waren.

3. Ein Verstoß gegen die Patientenverfügung liegt nicht vor, wenn die behandelnden Ärzte noch versuchen, das Leben des Patienten zu retten und abwarten, ob die eingeleitete Behandlung eventuell doch den Tod verhindern kann. Es liegt hier im Ermessen der Ärzte, wann die die Behandlung als gescheitert ansehen.

Fazit:
Wegen des Hygieneverstoßes und der fehlenden Einwilligung in OP 2 und 3 ist die Durchsetzbarkeit eines Schmerzensgeldanspruches Ihres Vaters vor, den Sie als Erben durchsetzen können.

Ich empfehle, zunächst außergerichtlich, den Anspruch - durch anwaltlichen Schriftsatz, zu fordern.
Sollte eine Einigung nicht möglich sein, muss dann Klage erhoben werden.

Gerne stellen wir Ihnen unsere Expertise im Medizin- und Schmerzensgeldrecht zur Verfügung, um Ihren Anspruch durchzusetzen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
RA Richter


ANTWORT VON

(460)

Gräfelfinger Str., 97a
81375 München
Tel: 089 1222189
Web: http://www.kanzlei-richter-muenchen.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Schadensersatzrecht, Strafrecht, Kaufrecht, Vertragsrecht, Medizinrecht, Arbeitsrecht, Medienrecht, Erbrecht, Verwaltungsrecht, Urheberrecht, Verkehrsrecht, Wirtschaftsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 97533 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Moin Herr Bohle, danke für die ausführliche Antwort, wir werden Ihrem Rat folgen. Abschließend: wir können die Steine nicht mehr sehen und im Frühjahr kommt alles neu. ;-) ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
... exzellent! ...
FRAGESTELLER