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Copyright bei Online-Bibliothek


26.08.2005 11:38 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Markus Timm



Wir wollen eine Aus- und Fortbildung per Internet anbieten. Die Teilnehmer sollen die Möglichkeit haben, auf ergänzende Fachliteratur zugreifen zu können, die wir gekauft und gescannt haben und auf unserer homepage für registrierte Studenten (Zugang mit Nutzernamen und Passwort) zur Verfügung stellen wollen. Prinzipiell soll das ganze also funktionieren wie eine "normale" Bibliothek, in der sich jeder ein gedrucktes Buch ausleihen kann; bei uns eben per Internet. Brauchen wir dazu eine Lizenz der Verlage/Autoren?

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt beantworten will:

Das Recht, seine Werke in körperlicher Form oder unkörperlicher Form zu vervielfältigen, verbreiten veröffentlichen und auszustellen, steht alleine dem Urheber zu (vgl. §§ 15ff UrhG). Dabei ist es unerheblich, ob Sie die Fachliteratur gekauft haben und damit ein Nutzungsrecht erworben haben. Insoweit müssen Sie die Zustimmung des Urhebers einholen.

Das UrhG sieht hiervon Ausnahmen vor. Die für Sie möglicherweise einschlägigen folgen:

§ 52
Öffentliche Wiedergabe

(1) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes, wenn die Wiedergabe keinem Erwerbszweck des Veranstalters dient, die Teilnehmer ohne Entgelt zugelassen werden und im Falle des Vortrags oder der Aufführung des Werkes keiner der ausübenden Künstler (§ 73) eine besondere Vergütung erhält. Für die Wiedergabe ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Die Vergütungspflicht entfällt für Veranstaltungen der Jugendhilfe, der Sozialhilfe, der Alten- und Wohlfahrtspflege, der Gefangenenbetreuung sowie für Schulveranstaltungen, sofern sie nach ihrer sozialen oder erzieherischen Zweckbestimmung nur einem bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen zugänglich sind. Dies gilt nicht, wenn die Veranstaltung dem Erwerbszweck eines Dritten dient; in diesem Fall hat der Dritte die Vergütung zu zahlen.

(2) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines erschienenen Werkes auch bei einem Gottesdienst oder einer kirchlichen Feier der Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Jedoch hat der Veranstalter dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen.

(3) Öffentliche bühnenmäßige Darstellungen, öffentliche Zugänglichmachungen und Funksendungen eines Werkes sowie öffentliche Vorführungen eines Filmwerks sind stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.


§ 52a
Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung

(1) Zulässig ist,

1. veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen, Hochschulen, nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung sowie an Einrichtungen der Berufsbildung ausschließlich für den bestimmt abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern oder

2. veröffentlichte Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften ausschließlich für einen bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung

öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies zu dem jeweiligen Zweck geboten und zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist.

(2) Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig. Die öffentliche Zugänglichmachung eines Filmwerkes ist vor Ablauf von zwei Jahren nach Beginn der üblichen regulären Auswertung in Filmtheatern im Geltungsbereich dieses Gesetzes stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

(3) Zulässig sind in den Fällen des Absatzes 1 auch die zur öffentlichen Zugänglichmachung erforderlichen Vervielfältigungen.

(4) Für die öffentliche Zugänglichmachung nach Absatz 1 ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.


Es wäre in Ihrem Fall vertieft zu prüfen, inwieweit kleine Teil eines Werkes oder Werke geringen Umfangs (§ 52a Abs. 1) vorliegen. Auch ist der Aspekt „zu Erwerbszwecken“ zu beachten. Sollten Sie auch nach Kenntnis der einschlägigen Normen weiteren Beratungsbedarf haben, empfehle ich Ihnen, einen auf das Urheberrecht spezialisierten Rechtsanwalt zu beauftragen. Selbstverständlich stehe ich Ihnen hierfür auch gerne zur Verfügung.

In der Hoffnung Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben verbleibe ich

mit freundlichem Gruß

Markus A. Timm
-Rechtsanwalt-
www.Rae-Linden.de
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