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Burnout und Eigenkündigung

12.01.2011 14:42 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


12:50
Sehr geehrte Damen und Herren,

folgende Problematik:



Ich bin seit nunmehr 5 Jahren in einer sehr großen Werbeagentur als Kreativer beschäftigt. Habe vor 4 Jahren eine interne Abteilung gegründet. Neben vielen Erfolgen und auch Etat-Gewinnen habe ich die Mitarbeiterzahl von 2 auf 18 gebracht. Eine entsprechende Entlohnung in Form von Tantiemen gab es nie. Als ich eine minimale Gehaltserhöhung bekam musste ich eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag unterschreiben. Hierbei wurde die Kündigungsfrist heraufgesetzt auf 3 Monate zum Quartalsende. Ist dies rechtens?

Vor cir. einem Jahr gab es dann einen Führungswechsel in der Geschäftsetage. Danach wurde ich dann sehr heftig auf den Prüfstand gestellt. Leider lief der Chef auch durchs Haus hat hat sich ziemlich unflätig bei anderen über mich geäußert. Er behauptete ich sei faul, würde mich hinter meinen Lorbeeren verstecken und wäre fehlbesetzt. Weil das Informationen von Dritten waren konnte ich ihn nun nicht wirklich konfrontieren. Statt dessen wurde ich immer mehr mit Arbeit überschüttet. Ich hab mehrfach darauf hingewiesen in Gesprächen und es wurde nie reagiert. Musste sogar in meinem 2-wöchigen Krankenschein weiterhin arbeiten und habe 368 Mails beantworten müssen, weil kein Ersatz für mich gesucht wurde. Im nächsten Gespräch hab ich es angerissen und er meinte dann ich wäre durch, das würde man merken. Ferner sollte ich mir mal Gedanken um meine Fernbeziehung machen. Eine solche Beziehung würde nämlich immer auseinander gehen, wenn man nicht irgendwann zusammenzieht. Leider hab ich dann nicht den Schlussstrich gezogen und hab mich immer mehr in Arbeit gestürzt.

Bei einem Personalgespräch hat er mir dann mitgeteilt, dass er wenn er die Wahl hätte, immer lieber mit einer Kollegin zum Kunden geht. Er würde sich teilweise für mich schämen beim Kunden und sähe keine Abteilungsleiter-Kompetenz in mir. Ferner würde ich mich nicht um meine Leute kümmern.

Die Folge der Geschehnisse: 6 Virusinfektionen, Schlafstörungen, Hörsturz, Hexenschuss und dann schließlich im November letzten Jahres die Diagnose Burnout. Weniger Zeit später Depressionen.

Seitdem bin ich daheim, aber leider immer noch nicht richtig über den Berg.

Die Frage die sich mir stellt ist, wie ich aus dem Vertrag rauskomme. Meine Ärztin hat mir bescheinigt, dass ich aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben sollte. Somit würde ich keine Sperrzeit beim Arbeitsamt bekommen.

Wenn ich fristgemäß kündige dann wäre ich erst zum 30.6 raus aus der Firma. Bin mir nicht sicher ob ich so lange noch warten kann. Wenn mich die Krankenkasse vorher noch hinschicken sollte zur Eingliederung werde ich mit Sicherheit wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Gibt es aus ihrer Sicht eine Möglichkeit aus dem Vertrag zu kommen und ggf eine Abfindung zu erhalten? Bin mir sicher, dass sie mich nicht kündigen werden. Wenn man selbst kündigt bekommt man ja im Regelfall keinerlei Abfindung.
Gibt es eine Regelung wegen Betriebszugehörigkeit und evtl auch wie in meinem Fall gute Dienste im Sinne von Abteilungsgründung….?
Ferner habe ich auch noch einen Resturlaubsanspruch aus dem letzten Jahr von 20 Tagen. Wenn ich den bis Vertragende wegen Krankenschein nicht nehmen kann müssen sie ihn meiner Information nach auszahlen und auch den Urlaubsanspruch des laufenden Jahres. (quasi 14 Tage für 6 Monate). Wären insgesamt 34 Tage Urlaubsanspruch.

Habe neulich gelesen von Aufhebungsverträgen ist abzuraten, weil einem dann der Verlust der Sozialversicherung droht. Selbst wenn die Firma zahlt, wird man im Nachhinein belangt.

Vielen Dank für ihre Bemühungen!
12.01.2011 | 14:58

Antwort

von


(937)
Golmsdorfer Str. 11
07749 Jena
Tel: 036412692037
Web: http://www.jena-rechtsberatung.de
E-Mail:

Sehr geehrte(r) Fragesteller(in)

die von Ihnen gestellten Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhaltes sowie Ihres Einsatzes wie folgt:


1) Hierbei wurde die Kündigungsfrist heraufgesetzt auf 3 Monate zum Quartalsende. Ist dies rechtens?

Rein rechtlich ist es möglich, die Kündigungsfrist so zu gestalten.

Da Sie den arbeitsvertraglichen Zusatz unterschrieben haben, ist die Verlängerung der Kündigungsfrist auch wirksam.


2) Gibt es aus ihrer Sicht eine Möglichkeit aus dem Vertrag zu kommen und ggf eine Abfindung zu erhalten?

Sie haben drei Möglichkeiten: Sie lassen sich kündigen, kündigen selbst oder bitten um einen Aufhebungsvertrag.

Lassen Sie sich kündigen, haben Sie zwar Anspruch auf eine Abfindung.

Durch weitere Krankschreibungen aufgrund des Burnout wird der Arbeitgeber diesen Weg vielleicht irgendwann von selbst wählen.

Kündigen Sie selbst, droht eine Sperrzeit beim ALG 1. Allerdings kann man dies umgehen, wenn man unter dem Grund der akuten Gesundheitsgefährdung kündigt. Eine Abfindung steht bei Eigenkündigung nicht zur Debatte.

Sie sollten um einen Aufhebungsvertrag ersuchen.

Zur Sicherheit, zu Beweiszwecken und weil es das Gesetz verlangt, muss der Aufhebungsvertrag immer schriftlich abgefasst werden. Wird diese Schriftform nicht eingehalten, ist der Aufhebungsvertrag nichtig und das Arbeitsverhältnis besteht fort.

Im Einzelnen sollten folgende Punkte in dem Vertrag geregelt werden:

- Der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
- Eine mögliche Abfindung (dies wird nicht Betracht kommen, wenn der Aufhebungsvertrag auf Initiative des Arbeitnehmers erfolgt, um den Arbeitgeber für einen neuen Arbeitsplatz vorzeitig zu verlassen.
- Freistellung des Arbeitnehmers.
- Urlaubsabgeltung, offene Vergütung, Entgeltfortzahlung.
- Rückgabe von Arbeitsmitteln (falls erforderlich).
- Wettbewerbsverbot (falls erforderlich).
- Zeugnis.
- Betriebliche Altersvorsorge (falls erforderlich).
- Belehrung über sozialrechtliche Folgen, wie Sperre von der Agentur für Arbeit (dies dient der Sicherheit des Arbeitgebers, ist meist aber nicht erforderlich, wenn der Aufhebungsvertrag auf Initiative des Arbeitnehmers erfolgt).
- Erledigungsklausel.
- Salvatorische Klausel.
- Unterschriften von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Da es auch beim Aufhebungsvertrag eine Menge zu beachten gibt, sollten Sie unbedingt rechtzeitig einen Rechtsanwalt damit beauftragen, einen entsprechenden Vertragsentwurf zu prüfen oder einen - Ihren Bedürfnissen entsprechenden - Vertrag zu entwerfen.

Auch eine Abfindung kann dabei ausgehandelt werden.


3) Habe neulich gelesen von Aufhebungsverträgen ist abzuraten, weil einem dann der Verlust der Sozialversicherung droht. Selbst wenn die Firma zahlt, wird man im Nachhinein belangt.

Diese Information kann ich so nicht bestätigen. Sie müssen sich dann umgehend arbeitssuchend melden. Die Sozialversicherungszahlungen übernimmt dann die Agentur für Arbeit.

Eventuell droht aber auch eine Sperrzeit, wenn man die Vertrag nicht entsprechend begründet.


4) Urlaub

Genau, Sie haben einen Anspruch auf Abgeltung des offenen Urlaubs.


Rechtsanwalt Steffan Schwerin

Rückfrage vom Fragesteller 16.03.2011 | 00:05

-Was könnten Argumente sein, damit der Arbeitgeber dem Aufhebungsvertrag zustimmt?
-Wird mein Resturlaub (30 Tage) bei Auszahlung aufs Krankengeld bzw Arbeitslosengeld angerechnet und gibt es dann eine Sperre?
-Wird ggf die Abfindung aufs Krankengeld bzw Arbeitslosengeld angerechnet und gibt es dann eine Sperre?

Ich habe inzwischen eine Bestätigung von meinem Arzt und meinem Psychologen, wo er bestätigt dass ich nicht gesunden kann, wenn ich weiterhin in der Firma beschäftig bleibe. Das Arbeitsamt ist informiert und prüft derzeit, ob ich eine Sperre bei Eigenkündigung / Aufhebungsvertrag bekomme...

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 16.03.2011 | 12:50

Sehr geehrter Fragesteller,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt - auch wenn dies nach der langen Zwischenzeit etwas schwierig ist.

-Was könnten Argumente sein, damit der Arbeitgeber dem Aufhebungsvertrag zustimmt?

Das ist schwierig zu sagen. Hier können Sie einen gesunden Druck auf den AG ausüben und mit dem Personalrat / Betriebsrat und ggf. der Presse drohen.

-Wird mein Resturlaub (30 Tage) bei Auszahlung aufs Krankengeld bzw Arbeitslosengeld angerechnet und gibt es dann eine Sperre?

Nein.

-Wird ggf die Abfindung aufs Krankengeld bzw Arbeitslosengeld angerechnet und gibt es dann eine Sperre?

Nein. Dies käme nur dann in Betracht, wenn der Aufhebungsvertrag die gesetzlichen Kündigungsfristen umgehend würde. Dies kann man aber im Vertrag regeln.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Steffan Schwerin
Rechtsanwalt

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