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BtmG Verhandlung ohne Anwalt, welchen Weg gehen ?

16.08.2016 20:45 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Evgen Stadnik


Hallo,
Zu meiner Person: 20 Jahre alt, Student, nicht vorbestraft, Bundesland Bayern

Ich befand mich mit zwei Kollegen Nachts in einer Gasse, wir rauchten einen Joint, ich hatte 3 Tabletten XTC einstecken meine Freunde jeweils etwas Marihuana. Plötzlich kamen 2 Zivilbeamten auf uns zu fragten nach unseren Ausweißen, meine Kollegen warfen zuvor ihr Gras auf den Boden. Die Cops finden die Grastütchen am Boden und durchsuchen uns. Dabei finden sie bei mir die XTC Tabletten. Es folgt eine Leibesvisitation auf der Wache. Als sie nach Herkunft der Drogen fragten sagte ich das mir das vermutlich zugesteckt wurde und ich nichts davon wüsste. Er fragte mich ob ich wisse was das sei, ich verneinte. Zum Konsum sagte ich das ich noch nie irgendwelche Drogen konsumiert habe.

2 Monate danach sollte ich zur Jugendgerichtshilfe, der Herr dort fragte mich über Familienleben etc aus. Er sagte ich mache einen soliden eindruck ist alles ok. Anschließend sollte ich den Vorfall noch einmal schildern. Ich erzählte ihm allerdings eine andere Geschichte nämlich folgendes:
Das Marihuana wurde mir wissentlich von einer Bekannten Person zugesteckt mit der Bitte es kurz aufzubewahren. Da ich die Person gut von früher kannte tat ich der Person den Gefallen. Ich sagte ihm auch ich möchte die Person vor Gericht nicht benennen. Als Grund dafür sagte ich ihm wir kennen uns gut und es war ja mein Fehler mich mit den Drogen erwischen zu lassen zudem würde eine Aussage über den besagten Freund mich nicht vor Gericht entlasten. Er meinte das klinge unglaubwürdig da ich ja zuvor noch nie in Kontakt mit Drogen getreten sei.

Nun steht bald der Gerichtstermin an den ich zu 100% ohne Anwalt bestreiten werde. Allerdings bin ich mir noch nicht im klaren was ich dem Richter dort nun erzählen soll.

-Wäre ein Gestäntnis von vornherein sinnvoll in dem ich zugebe das die Drogen nicht mir Gehörten und ich sie für einen Kollegen aufbewahrt habe den ich allerdings nicht benennen werde.

-Sollte ich zu nichts eine Angabe machen ?

-Oder die Warheit sagen nämlich: Ich wollte die Tabletten Freunden verkaufen

-Oder sollte ich eine ganz andere Schiene fahren ?

-Auf welche Fragen des Richters sollte ich generell Vorbereitet sein ?

-Kann ich dem Richter irgendwie nahe bringen das er mir anstatt Sozialstunden eine Geldstrafe gibt da ich Zeitlich sehr eingeschränkt bin.

Noch ein paar Dinge zur Anklageschrift:

-Anschuldigung als Fußgänger bewusst und gewollt die tatsächliche Gewalt über 1,71 g Ecstasy in Pulverform.

-strafbar als unerlaubter Besitz von Betäubungsmittel
§§1 abs. 1,3 Abs. 1 Nr. 1, 29 Abs. 1 Nr.3 BtMG in Verb. mit Anlage I zu § 1 Abs. 1 BtMG, §§1, 105 JGG

- von den am Boden gefundenen Drogen wurde abgesehen.

Danke



Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Wäre ein Gestäntnis von vornherein sinnvoll in dem ich zugebe das die Drogen nicht mir Gehörten und ich sie für einen Kollegen aufbewahrt habe den ich allerdings nicht benennen werde.

Es ist immer schwierig einen Strafrechtsfall zuverlässig zu beurteilen ohne vorher Einsicht in die Ermittlungsakte genommen zu haben.
Sich auf den Standpunkt zu stellen die Drogen würden nicht Ihnen gehören wird kaum zu Ihrer Entlastung beitragen. Die Strafrichter sind in dieser Hinsicht rutiniert und würden diese Aussage als reine Schutzbehauptung abtun. Solche Aussagen hören Gerichte tag täglich.
Darüber hinaus ändert es nichts an der Tatsache, dass Sie nun mal im Besitz der Drogen waren. Wer letztendlich der Eigentümer ist, ist nicht rechtlich relevant.

2. Sollte ich zu nichts eine Angabe machen ?

Es ist Ihr gutes Recht keine Angaben zur Sache zu machen. Dies wird auch nicht strafschärfend berücksichtigt.

3. Oder die Warheit sagen nämlich: Ich wollte die Tabletten Freunden verkaufen

Sie sollten auf gar keinen Fall dem Richter gegenüber erwähnen, dass Sie die Tabletten an Freunde verkaufen wollten. Dadurch wird Ihre Straferwartung drastisch steigen. Dies wäre mit Abstand die schlechteste Aussage die Sie machen könnten.

4. Oder sollte ich eine ganz andere Schiene fahren?

Es bleibt Ihnen nicht viel übrig. Der Besitz steht fest und ist beweisbar.
Die Gerichtshilfe hat die Aufgabe abgesehen von der Erstellung Ihrer weiteren strafrechtlichen Entwicklung auch Ihre Geistesreife einzuschätzen. Sie als 20-jähriger sind Heranwachsender im Sinne des Gesetzes, weshalb der Richter unter anderem zu entscheiden hat, ob Ihre Strafe nach Jugendrecht, was milder ist oder nach "Erwachsenenrecht" ausfallen wird.
Bei Umgang mit Drogen dürfte es sich um eine jugendtypische Verfehlung handeln. Sie sollten in der Verhandlung auf die positive Prognose pochen, dass Sie in Zukunft straffrei bleiben werden und dass es sich um eine einmalige Sache handelte.

Die Einräumung des Tatvorwurfs, sprich Besitz von Drogen, kann sich wegen Geständigkeit strafmildernd auswirken.

5. Auf welche Fragen des Richters sollte ich generell Vorbereitet sein?

Ob Sie bereits Erfahrungen mit Drogen gemacht und welche konsumiert haben Hier müssen Sie aufpassen, ob die Polizei bei der Festnahme einen Drogentest gemacht hat. Falls Sie sich zu unschuldig darstellen obwohl Beweis für Drogen in Ihrem Körper zum Festnahmezeitpunkt vorlag, können Sie sehr schnell in Ungunst des Richters fallen.
Wie Ihr Tagesablauf aussieht. Wer Ihr Studium finanziert.

6. Kann ich dem Richter irgendwie nahe bringen das er mir anstatt Sozialstunden eine Geldstrafe gibt da ich Zeitlich sehr eingeschränkt bin

Es kommt drauf an. Gerade in Jugendrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Sodass in Jugendsachen die Strafrichter eher die Tendenz haben Sozialstunden zu verhängen, denn gerade wenn Sie zu kurz angebunden sind, ist die Strafe mittels Sozialstunden für Sie spürbar. Auch wenn Ihr Studium und Lebensunterhalt von Ihren Eltern finanziert wird, wird der Richter eher zu Sozialstunden tendieren.
Sie können damit argumentieren, dass durch das Ableisten von Sozialstunden Ihr Studium stark vernachlässigt wird, das Sie sogar am Wochende lernen müssen und nebenbei einen Minijob haben (vorausgesetzt dies trifft zu). Allerdings kann der Richter in diesem Fall eine höhere Frist für das Ableisten der Sozialstunden setzen womit auch ein Ableisten in Semesterferien ermöglicht wird.
Dies steht alles im Ermessen des Richters und kann nur schwierig vorausgesat werden.

Fazit: Die beste Strategie wird wohl die Einräumung des Tatvorwurfs sein und das Voraugenführen der fehlenden Vorstrafen sowie positiven sozialen Prognose.

Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 17.08.2016 | 21:56

Habe noch eine Frage bzgl. 5.)

Bei der Festnahme wurde kein Drogentest gemacht. Jedoch habe ich der Jugendgerichtshilfe erzählt ich habe nach meinem Abi eine Zeitlang gekifft unregelmäßig ca 3-4 mal pro Monat. Jedoch dann 4 Wochen vor beginn meines Studiums aufgehört da ich wusste dies nicht meistern zu können wenn ich weiterhin Drogen konsumiere. Muss ich dies nun auch dem Richter erzählen oder darf die Jugendgerichtshilfe solche konkreten Aussagen nicht in sein Gutachten schreiben das dem Richter ausgehändigt wird ?

Folgendes ist mein Plan fürs Gericht:

Zu Beginn Räume ich den Besitz der Drogen ein und erkläre mich bereit dafür gerade zu stehen.
Falls der Richter nachfrägt bzgl. des Tathergangs, mache ich keine weiteren Angaben dazu. Was sollte ich sagen falls er mich nach Gründen frägt warum ich dazu nichts mehr sagen möchte ? Oder muss ich mit solch einer Gegenfrage nicht mehr rechnen ?

Wann sollte ich explizit den Wunsch äußern das er auf Sozialstunden verzichtet soll, z.b bei den letzten Worten des Angeklagten oder wann ist der richtige Zeitpunkt ?

Könnten sie mir noch Grob aufzählen in welche Teile sich eine solche Verhandlung Gliedert sprich wann, wer das Wort hat.

Die Jug. Ger. Hilfe meinte übrigens ich werde vermutlich nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Vielen Dank für das bisher ausführliche Beantworten der Fragen sie haben mir sehr weitergeholfen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.08.2016 | 22:38

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage möchte ich wie folgt beantworten.

Die Jugendgerichtshilfe untersteht keiner Schweigepflicht und steht eindeutig im Lager der Justiz. Wenn Sie früher etwas mit leichten Drogen zu tun hatten sollten Sie das einräumen. Nur mit einer Angabe, dass Sie ab und zu mal Marihuana konsumiert haben und dann ein Schlussstrich gezogen haben.

Im Hinblick auf Ihren Plan sollten Sie entweder die Tat einräumen und sich darauf beziehen was neues ausprobiert haben zu wollen, dass sich letztendlich als Fehler herausgestellt hat oder sie schweigen ganz. Mit nur teilweisen Aussagen machen Sie sich selbst zum Beweis, weshalb der Richter Ihr teilweises Schweigen negativ werten könnte.

Falls Nachfragen kommen können Sie sagen, dass Sie die Drogen per Zufall auf der Straße erworben haben, wenn Sie keinen "ans Messer liefern" wollen. Allerdings sollten Sie sich ungefähr überlegen wie das abgelaufen ist, ohne genaue Daten zu nennen, weil das zeugt von Lüge.

Ablauf der Hauptverhandlung:

1. Eröffnung
2. Aufnahme Ihrer Personalien
3. Anklageverlesung
4. Ihre Stellungnahme zur Anklage
5. Beweisaufnahme (auch Anhörung der Jugendgerichtshilfe)
6. Schließung der Beweisaufnahme
7. Schlussplädoyer des Staatsanwalts
8. letztes Wort Ihrerseits (hier sollten Sie Reue zeigen und den Richter bitten, keine Sozialstunden zu verhängen, dies allerdings auch gut begründen).
9. Urteilsverkündung

Die Bitte im Hinblick auf die Sozialstunden sollten aber nicht zu wehleidig ausfallen, ansonsten könnte der Richter den Standpunkt beziehen, dass genau die Sozialstunden das richtige Mittel ist um Sie zu bestrafen. Wie ich bereits erwähnt habe, steht hier der Erziehungsgedanke dahinter. Daher sachlich bleiben.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Verhandlung und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Evgen Stadnik
Rechtsanwalt

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