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Bruder steht Geld lt. Testament zu, bei Eröffnung aber nur noch ein Teil vorhanden

| 22.01.2020 08:25 |
Preis: 52,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


Meine Mutter ist vor 2 Monaten verstorben und hat in ihrem Testament, das wir jetzt endlich vom Nachlassgericht erhielten, unter anderem Folgendes verfügt: Als ihre Erben je zur Hälfte bestimmt sie ihre beiden Kinder, also meinen Bruder und mich. Zusätzlich bestimmt sie u.a. folgende "Vermächtnisse": Mein Bruder erhält als Vorausvermächtnis 20.000 Euro, ich erhalte 5.000 Euro. Ihr einziger Enkel erhält 1 Appartement, ein naher Bekannter 1.000 Euro. Es sind unseres Wissens noch zwei weitere Immobilien (Wohnungen) vorhanden, die aber im Testament nicht erwähnt werden.

Meine Frage:
Zum Zeitpunkt ihres Todes vor 2 Monaten waren von den 20.000 Euro bereits nur noch etwa 10.000 Euro übrig. Das Testament schrieb meine Mutter ca. 1 Jahr vor ihrem Tod. Laut Testament erhält mein Bruder aber 20.000 Euro. Wo sollen fehlenden 10.000 Euro herkommen? Inzwischen sind es sogar noch weniger, da von dem Geld natürlich alle dringenden Kosten bezahlt wurden wie Bestattungsinstitut, Beerdigung usw. Was ist zu tun oder ist nichts zu tun? Übrigens: Meine 5000 Euro hatte ich bereits kurz nach dem Tod erhalten, da ich mich um Renovierungsarbeiten zu kümmern hatte.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!
22.01.2020 | 09:55

Antwort

von


(24)
Königsweg 30-32
13507 Berlin
Tel: 03080571275
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zunächst muss die Situation betrachtet werden, die bestehen würde, wenn es kein Testament und keine Vermächtnisse gäbe. Dann würden Sie und ihr Bruder jeweils die Hälfte von dem bekommen, was nach Begleichung der Nachlassverbindlichkeiten noch vorhanden ist. § 1924 Absatz 4 BGB.

Hierbei ist der Wert der Immobilien anzusetzen. Besteht hier zwischen Ihrem Bruder und Ihnen Einigkeit, setzen Sie den Wert an, von dem sie übereinstimmend ausgehen. Besteht Streit, muss ein Gutachter die Werte ermitteln. Die Kosten des Gutachters verringern dann den Nachlass.

Wenn Sie ermittelt wie viel der Nachlass Wert ist, teilen Sie den Wert des Nachlasses durch 2. Das Ergebnis ist das, was Sie und Ihr Bruder bekommen würden, wenn es kein Testament und keine Vermächtnisse gäbe.

Jetzt berechnen Sie den Pflichtteil. Das ist die Hälfte des zuvor ermittelten Betrages. § 2303 Absatz 1 BGB.
Der Pflichtteil beträgt also für Sie und Ihren Bruder jeweils ¼ des Nachlasswertes.

Die Vermächtnisse werden nur insoweit erfüllt, als Ihnen und Ihrem Bruder mindestens dieser Pflichtteil bleibt.
Der Wert des Apartments, die 20.000 für Ihren Bruder die 5.000 für Sie und die 1.000 für den Bekannten werden vom Nachlasswert abgezogen.
Der so verringerte Nachlasswert wird durch 2 geteilt. Ist das Ergebnis größer oder gleich dem zuvor berechneten Pflichtteil, erhält Ihr Bruder die Hälfte des verringerten Nachlasswertes + 20.000 Euro. Sie erhalten die Hälfte des so verringerten Nachlasswertes + 5.000 Euro – die 5.000 Euro, die sie schon erhalten haben = die Hälfte des um die Vermächtnisse verringerten Nachlasswertes. Der Enkel erhält das Apartment und der Bekannte die 1.000.

Nachdem Sie auf diese Weise festgestellt haben, wer wie viel bekommt, einigen Sie sich im Wege der Erbauseinandersetzung mit Ihrem Bruder, wer welches der nicht im Testament erwähnten Grundstücke bekommt. Ist das Grundstück des einen mehr Wert, als der Betrag, den dieser nach den vorangegangenen Berechnungen zu bekommen hat, zahlt dieser dem anderen die Differenz aus.
Beispielrechnung: Wenn das Apartment 74.000 Wert ist, sind die Vermächtnisse Zusammen 74.000 + 20.000 + 5.000 + 1.000 = 100.000 Wert.
Ist der Nachlass 300.000 Wert, beträgt der Pflichtteil von Ihnen und Ihrem Bruder jeweils 75.000 Euro.
300.000 – 100.000 = 200.000 Wert des um die Vermächtnisse verringerten Nachlasses.
Sie bekommen 105.000 – die 5.000, die Sie schon bekommen haben = 100.000
Ihr Bruder bekommt 120.000.
Der Bekannte bekommt 1.000 und der Enkel das Apartment.

Wenn jetzt die Wohnung, die Sie bekommen und die Wohnung, die Ihr Bruder bekommt jeweils 110.000 Euro wert sind, zahlen Sie ihrem Bruder 10.000 Euro aus.

Alternativ dazu können auch die Wohnungen verkauft und der Verkaufserlös aufgeteilt werden.

Ist die Hälfte des, um die Vermächtnisse verringerten, Nachlasses weniger Wert als der zuvor ermittelte Pflichtteil, werden die Vermächtnisse anteilig gekürzt. So dass Sie und ihrem Bruder noch jeweils der zuvor ermittelte Pflichtteil bleiben.

Beispielrechnung: Der gesamte Nachlass ist einschließlich der Wohnungen 150.000 wert. Dann beträgt der Pflichtteil für Sie und Ihren Bruder jeweils 37.500 Euro.

Wert der Vermächtnisse 100.000

Verbleibender Nachlasswert 150.000 – 100.000 = 50.000
Dies ergibt für Sie und Ihren Bruder jeweils 25.000.

Dies ist um 12.500 niedriger als der Pflichtteil. Die Vermächtnisse sind also um 2 * 12.500 = 25.000 zu kürzen.
Sie erhalten statt der 5.000 Euro nur 3.750 Euro als Vermächtnis.
Ihr Bruder erhält statt der 20.000 Euro nur 15.000 Euro als Vermächtnis.
Der Bekannte erhält statt der 1.000 Euro nur 750 Euro und das Enkelkind nur einen 75% Anteil am Apartment.
Unabhängig von den Berechnungen sollten Sie und Ihr Bruder einen gemeinsamen Erbschein beantragen. Diesen brauchen Sie, um die Grundbuchblätter der Immobilien umschreiben zu lassen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Bernhard Müller

Nachfrage vom Fragesteller 22.01.2020 | 10:27

Sehr geehrter Herr Müller,

danke für Ihre äußerst ausführliche Antwort, puh, so viele Zahlen, musste das mehrmals lesen um alles zu verstehen und nachzuvollziehen.

Wie wäre das, wenn mein Bruder und ich uns jetzt so einigen, dass mein Bruder einfach den Rest des noch vorhandenen Geldes bekommt, also die ca. 10.000 Euro, ich behalte meine 5000, die Bekannte erhält ihre 1000, der Enkel sein Appartement und für die übrigen beiden, nicht im Testament erwähnten, Immobilien (Wohnungen) gründen mein Bruder und ich eine Erbengemeinschaft und lassen die Grundbuchblätter umschreiben. Somit vermeiden wir eventuelle Streitereien mit Pflichtteilen usw. Was denken Sie?

Vielen Dank im Voraus!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.01.2020 | 10:49

Sehr geehrter Fragesteller,

die Erbengemeinschaft müssen Sie nicht extra gründen. Diese besteht seit dem Tod Ihrer Mutter von Gesetzes wegen. Was Sie meinen ist, dass Sie und ihr Bruder jeweils zu 50% als Eigentümer an der einen Wohnung und jeweils zu 50% als Eigentümer an der anderen Wohnung im Grundbuch eingetragen werden.
Die von Ihnen vorgeschlagene Aufteilung ist ok, wenn Ihr Bruder damit einverstanden ist.

Eine Garantie dafür, dass es später zu keinem Streit kommt, bietet Ihr Vorschlag aber nicht. Wenn Sie und Ihr Bruder zu jeweils 50% Eigentümer einer Wohnung sind, können Sie sich bereits darüber streiten, in welcher Farbe die Wände gestrichen werden. Deshalb würde ich es für besser halten, wenn Sie die eine Wohnung und Ihr Bruder die andere Wohnung bekommt.
Solange Sie sich mit Ihrem Bruder einig sind, können Sie jedoch jede Aufteilung wählen, die Sie möchten.

Mit freundlichen Grüßen.

Bewertung des Fragestellers 22.01.2020 | 11:00

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