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Brautladendesaster: Dürfen die mein Restgeld behalten?


21.12.2014 14:08 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking



Hallo

Ich muss leider etwas ausholen, damit ich auch wirklich nichts vergesse.

Ich habe im November ein Brautkleid gekauft. Dafür habe ich auch einen Kaufvertrag unterschrieben. Leider, wie es manchmal im Leben einer Frau so ist, bereut man es und will das ganze rückgängig machen. Man (Die Chefin mit der ich telefoniert habe) war kulant und meinte ich dürfe gegen eine Umtauschgebühr von 150 Euro umtauschen gegen ein anderes Kleid im Geschäft, oder wir bestellen eines falls ich im Geschäft nichts finde (mir aber sicher bin was ich will).
Dazu ist zu sagen ich habe den ganzen Betrag bereits bezahlt für das Kleid.(2700 Euro)


Ich bin wieder zum Geschäft gefahren und habe mich dazu entschieden ein Kleid zu bestellen. Leider gab es ein paar Unstimmigkeiten über die Farbe, aber man versprach mir, dass das Kleid nicht weiß ist sondern dunkler. Auf keinen Fall weiß.

2 Tage später habe ich das Kleid, welches ich bestellen wollte in "echt" gesehen. Wunderschön wie ich es mir vorgestellt habe aber die Farbe war definitiv weiß.

Ich habe daraufhin im Laden angerufen und die freundliche Dame am Telefon meinte: "Ja klar es ist weiß, das weiß ich, wussten sie das nicht?". Ich habe daraufhin aber gesagt dass ihre anderen Kollegen meinten es wäre creme und ich bitte die Bestellung stornieren möchte.

Glück gehabt, sie hat das Kleid noch nicht bestellt. Daraufhin meinte ich:

"Wissen Sie, ich habe keine Lust mehr auf Experimente. Ich habe in ihrem Geschäft noch ein anderes Modell anprobiert welches mir eigentlich auch gut gefallen hat und möchte bitte genau DAS. Da weiß ich Bescheid wegen der Farbe. Und ich würde es gerne komplett neu haben (neu bestellen). Es ist nämlich 2 Nummern zu groß."

Die Verkäuferin meinte daraufhin: "Machen wir eigentlich nicht, meine Chefin möchte die Modelle die wir im Laden haben gerne direkt verkaufen ohne das identische Kleid neu zu bestellen. Man kann alles abändern was zu groß ist, aber ich verstehe Sie . Das neue Kleid kostet auch 900 Euro weniger als das alte Kleid und weil da so viel Puffer drin ist finde ich sollte ich Ihnen ein neues Kleid bestellen, das tue ich auch."

Ehrlich gesagt finde ich es sowieso schon mal frech dass sie mir erst mal kein neues bestellen wollte und 2 Nummern kleiner machen ist selbstverständlich wieder mit Änderungsarbeiten verbunden (Kosten für mich). Gut ausgegangen aber.

Jetzt das eigentliche:

Ich habe einen Termin gemacht um noch mal eventuelle Änderungen am Kleid zu besprechen. Und wollte wissen was eigentlich mit der Differenz von 900 Euro ist. (Altes Kleid 2700, neues Kleid 1800). Bekomme ich einen Gutschein? Kann ich davon Accessoires kaufen? Dann der Schock: Die Verkäuferin meinte:

Ich dachte sie wüssten das, aber die Chefin übernimmt Kleider meistens 1 zu 1. Bedeutet dass wir die 900 Euro einfach behalten. Ich habe Ihnen doch dafür ein neues Kleid bestellt!"

Ich war sprachlos und meinte dass da eine Frechheit ist. Die Verkäuferin sah dass ich aufgebracht war und meinte: Nun aber vielleicht kann man das ja verrechnen mit ihren anderen Accessoires oder einen Gutschein. Was hat sie Ihnen gesagt?

Mir hatte sie am Telefon gar nichts dazu gesagt. Ich selber meinte damals zu ihr (der Chefin): Für das Restgeld kann ich mir doch andere Sachen im Geschäft anschauen, und widersprochen hatte sie mir nicht.

Ich meinte daraufhin ob sie sicher ist dass man das verrechnen kann, denn ich zahle definitiv auf die 2700 Euro DRAUF.

"Nein kann ich nicht" sagte sie.

Und 5 Minuten später: "Wird schon gehen sonst würden wir das alles hier nicht machen."

Ich hab das Gefühl keiner weiß so Recht Bescheid und fühle mich total verloren.

Chefin kommt erst Mitte Januar wieder dann kann ich das mit ihr besprechen.

Jetzt meine Hauptfrage (nachdem sie bestimmt bereits eingeschlafen sind beim lesen),


1. Darf sie das Geld einfach so behalten und es 1 zu 1 übernehmen? Die 900 Euro
2. Wenn sie erfährt dass die Verkäuferin mir ein neues Kleid bestellt. hat wird die Verkäuferin sowieso den Einlauf ihres Lebens kriegen. Darf die Chefin die Bestellung beim Händler dann einfach stornieren? Das Kleid wurde ja für mich extra bei einer Firma bestellt (bereits 1 Monat her) und kommt im Februar . Ich habe da echt Angst davor dass ich dann ohne Kleid da stehe wobei sie ja eine verbindliche Bestellung getätigt hat und sicherlich auch einen Vertrag mit der Firma haben wo sie das Kleid bestellt haben.

Ich musste keinen erneuten Kaufvertrag unterschreiben für das neu bestellte Kleid. (Brauchen wir nicht sagte die Verkäuferin)
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Sie haben hier einen Kaufvertrag über das erste Brautkleid zum Preis von 2.700,- EUR mit der Inhaberin des Brautladens geschlossen. Bei einem Kauf vor Ort gibt es auch kein Rückgaberecht, es sei denn dies wurde ausdrücklich vereinbart. Wurde kein Rückgaberecht vereinbart, war eine Rückgabe daher nur mit Einwilligung der Inhaberin möglich. Die Inhaberin hat hier einem Umtausch gegen ein anderes Kleid (aus dem Laden oder bestellt) zugestimmt, gegen Zahlung von 150,- EUR Aufwandsentschädigung. Mit dieser Vereinbarung haben Sie sich einverstanden erklärt.

Die Bestellung des zweiten Kleides konnten Sie stornieren, weil diese Bestellung auf einer fehlerhaften Angabe der Verkäuferin beruhte (deren Angaben sich die Chefin grundsätzlich zurechnen lassen muss).

Sie haben anschließend das 3. Kleid für 1.800,- EUR verbindlich bestellt. Diese Bestellung hat die Verkäuferin angenommen (auch dieses Verhalten muss sich die Chefin zurechnen lassen).

Frage 2 ist nach Ihrer Schilderung daher eindeutig zu beantworten: Aufgrund der Abänderungsvereinbarung zum ursprünglichen Kaufvertrag muss Ihnen der Brautladen das neue (3.) Kleid liefern.

Frage 1 ist dagegen schwieriger zu beantworten. Konkret vereinbart wurde nur ein Umtausch. Über eine Erstattung für den Fall, dass ein preiswerteres Kleid ausgesucht wird, wurde nach Ihrer Schilderung keine Regelung getroffen (wahrscheinlich weil beide Seiten davon ausgingen, dass das neue Kleid ungefähr einen gleichen Preis haben wird).
Hier liegt also eine Vertragslücke vor. In solchen Fällen muss ermittelt werden, was die Parteien vereinbart hätten, wenn ihnen diese Lücke bei Vertragsschluss bewusst gewesen wäre. Eine für beide Seiten angemessene Lösung wäre hier (und dies würde sich auch mit dem späteren Verhalten der Chefin decken):
Sie haben keinen Anspruch auf Rückzahlung der Differenz (hierfür spricht auch die Bezeichnung als Umtausch), dürfen sich für den Differenzbetrag abzüglich der Umtauschgebühr (also bis zu einem Gesamtbetrag von 2.550,- EUR inkl. des neuen Kleides) aus dem Sortiment des Ladens bedienen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 21.12.2014 | 16:49

Vielen Dank für die rasche sehr ausführliche Antwort.

"Hier liegt also eine Vertragslücke vor. In solchen Fällen muss ermittelt werden, was die Parteien vereinbart hätten, wenn ihnen diese Lücke bei Vertragsschluss bewusst gewesen wäre. "

Die Chefin würde sicher darauf beharren dass es ein 1 zu 1 Umtausch wird. Wir wären uns gar nicht einig gewesen wenn uns dass davor bewusst gewesen wäre.

Was ich noch nicht zu 1000 % konkret beantwortet bekommen habe, ist halt ob die Chefin weiterhin dadrauf bestehen kann mein Restgeld zu behalten. Ob sie, (würde ich einen Anwalt zuschalten) damit rechtlich durchkommen würde.Wenn ich weiß dass sie rechtlich keine Chance hat, würde ich das sicher schon im Januar ihr gegenüber sagen und nicht so verängstigt dastehen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.12.2014 | 17:43

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Dem Argument bezüglich eines 1:1 Umtauschs können Sie mit dem Argument entgegentreten, dass Sie sich ja auch ein höherpreisiges Kleid hätten aussuchen können. Es entspricht daher auch gängiger Praxis im Einzelhandel, dass bei einem eingeräumten Umtauschrecht eine etwaige Differenz entweder vom Kunden aufgezahlt oder vom Händler als Gutschein erstattet wird - denn ansonsten würde das ursprünglich vereinbarte Preis-Leistungsverhältnis nicht aufrecht erhalten. Die Chefin wird ja durch die Umtauschgebühr bereits ausreichend entschädigt. Ich gehe davon aus, dass dies im Streitfall auch der entscheidende Richter ähnlich sehen wird - mit 1000%iger Sicherheit lässt sich dies aber leider nicht voraussagen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Jan Wilking, Rechtsanwalt

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