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Bitcoin: Privates Veräußerungsgeschäft Steuerfrei trotz Handel


| 30.11.2017 17:05 |
Preis: 150,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Guten Tag,

ich habe eine Bitcoin position gekauft. Sagen wir 100 BTC in 2014 und habe diese Anfang 2017 verkauft bei 10,000 EUR = Ertrag 1 Millionen EUR (eigentlich steuerfrei)

Danach habe ich verschiedene Trades getätigt im 6-stelligen Bereich die innerhalb der Jahresfrist getätigt wurden (Haltezeit Monate). Hierbei kann Verlust oder Gewinn entstanden sein.

Kann das Finanzamt nun sagen, dass ich gewerblichen Handel betreibe oder sind diese beiden Position im Rahmen einer Einzelbewertung unterschiedlich in der Anlage SO anzugeben? Sprich der eine Teil ist in der Tat steuerfrei (1Mil) und der andere Teil (Verlust oder Gewinn) wäre dann zu versteuern?

Meine Sorge ist diese Zeile:

"Sofern der Anleger umfangreiche Geschäfte insbesondere innerhalb der Jahresfrist tätigt besteht die Gefahr als gewerbliche Tätigkeit eingestuft zu werden. In diesem Fall greift dann auch nicht mehr die Jahresfrist des §23 EStG."

Habe ich Recht damit dass hier die Position differenziert zu betrachten sind da die eine Position in der Tat 3 Jahre gehalten wurde?

==> Ich erwarte hier keine Risikoübernahme sondern eine Einschätzung der Lage damit ich evtl durch trades ins Minus gerate um nicht als Gewerbe eingestuft zu werden.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!
30.11.2017 | 18:25

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Mit dem Kauf von Bitcoins in 2014 und dem Verkauf in 2017 liegt zwar grundsätzlich ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG vor. Dieses wird aber durch § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG aufgeklärt, da hier mehr als ein Jahr zwischen Anschaffung und Verkauf liegen. Hier wäre also keine Steuer zu bezahlen.

Haben Sie nun in 2017 weitere Trades getätigt, die nicht unter den § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG fallen, so läge hier ein privates Veräußerungsgeschäft vor. Gewinn und Verlust aus diesen Geschäften wird aus § 23 Abs. 3 EStG ermittelt.

Eine Zurechnung des privaten Veräußerungsgeschäfts zu anderen Einkunftsarten wie Einlünften aus Gewerbebetrieb ist zwar aus § 23 Abs. 2 EStG möglich, in Ihrem Falle aber wohl nicht einschlägig.

I.S.d. § 15 EStG müsste hier eine selbständige Betätigung nachhaltig ausübt werden, Sie müssten mit Gewinnerzielungsabsicht handeln und dabei am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt sein.

Aus meiner Sicht scheitert die Annahme der Gewerblichkeit an der Frage der Nachhaltigkeit. Die Rechtssprechung stellt hier auf das Element der Wiederholung ab. Ist Ihre Tätigkeit mit den Bitcoins darauf ausgerichtet gewesen wiederholt zu werden, so wäre eine Nachhaltigkeit dem Grunde nach denkbar.

Ich denke auf Grundlage der Trades, die Sie geschildert haben, kann man davon ausgehen, dass eine Wiederholung möglich und auch gewünscht war.

In einer Einzelfallentscheidung wird man sich dann fragen müssen, wann die Anzahl der Wiederholungen zu einer Gewerblichkeit führen. Denn dann wäre man nicht mehr bei der privaten Vermögensverwaltung, sondern bei der Gewerblichkeit.

Die Grenze der privaten Vermögensverwaltung zum Gewerbebetrieb wird überschritten, wenn nach dem Gesamtbild der Betätigung und unter Berücksichtigung der Verkehrsauffassung die Ausnutzung substantieller Vermögenswerte durch Umschichtung gegenüber der Nutzung der Vermögenswerte im Sinne einer Fruchtziehung aus zu erhaltenden Substanzwerten entscheidend in den Vordergrund tritt (vgl. BFH, Beschluss v. 10.12.2001 - GrS 1/98).

Aus meiner Sicht ist hier die Rechtsprechung des BFH zum Wertpapierhandel auf Ihren Fall zu übertragen.

Dieser führte in einer Entscheidung aus: "Der An- und Verkauf von Wertpapieren überschreitet grundsätzlich noch nicht den Rahmen einer privaten Vermögensverwaltung, wenn die entfaltete Tätigkeit dem Bild eines "Wertpapierhandelsunternehmens" i.S. des § 1 Abs. 3 d Satz 2 KredWG bzw. eines "Finanzunternehmens" i.S. des § 1 Abs. 3 KredWG nicht vergleichbar ist." (vgl. BFH, Urt. v. 30.07.2003 – X R 7/99).

Handeln Sie also gelegentlich mit Bitcoins, kaufen oder verkaufen diese, so wäre aus meiner Sicht noch keine Gewerblichkeit gegeben und nur ein privates Veräußerungsgeschäft. Eine Vergleichbarkeit mit einem Finanzunternehmen erscheint mir abwegig.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Alexander Park, LL.B.

Nachfrage vom Fragesteller 30.11.2017 | 18:37

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Sollte mein Handel als gewerblich eingestuft werden (aufgrund einer hohen Anzahl an Trades) könnte dies denn theoretisch Auswirkungen haben auf die Position die von 2014 an gehalten wurde oder denken Sie dies ist abwegig und als abgetrennte Position zu betrachten da der gewerbliche Handel erst aus diesem Privatgewinn entstanden ist?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.11.2017 | 18:44

Gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

Diesen Punkt hatte ich vergessen. Ich gehe nicht davon aus, dass der Trade aus 2014, der in 2017 realisiert wurde, bei einer Gewerblichkeit i.S.d. § 15 EStG berücksichtigt werden würde.

Mit freundlichen Grüßen

Alex Park

Bewertung des Fragestellers 30.11.2017 | 19:30


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