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Bisherige Geheimhaltung doppelter Staatsbürgerschaft nach Geburtsrecht - Bußgeld?


| 27.12.2017 12:09 |
Preis: 53,00 € |

Verwaltungsrecht


Beantwortet von



Sehr geehrter Anwalt,

Ich bin das Kind eines brasilianischen Vaters und einer deutschen Mutter, geboren in Deutschland. Da ich erst seit kurz vor dem Erreichen der Volljährigkeit wieder Kontakt zu meinem Vater herstellen konnte, war ich zunächst nur in Deutschland registriert, die Registrierung beim brasilianischen Konsulat mit entsprechender Geburtsurkunde sowie Ausstellung des Reisepasses erfolgte erst im Alter von 21 Jahren. Leider hatte mein Vater mir damals geraten, die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland nicht anzugeben, woran ich mich aus Angst, die deutsche Staatsangehörigkeit zu verlieren, bisher gehalten habe. Allerdings empfinde ich diese Situation, bei jedem Amtsgang in Deutschland eine Falschangabe machen zu müssen, als sehr belastend und möchte dies schnellstmöglich ändern.
Bei einer erneuten Auseinandersetzung mit der Rechtssituation habe ich die Auskunft erhalten, dass im Falle des Vorliegens einer doppelten Staatsangehörigkeit nicht durch spätere Einbürgerung, sondern durch die Weitergabe der Staatsangehörigkeit durch die leiblichen Eltern auch in Deutschland eine solche doppelte (deutsche und brasilianische) Staatsangehörigkeit auch ohne Beantragung einer Genehmigung der Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit gestattet ist. Nach deutschem, sowie auch nach brasilianischem Recht gelte ich als Staatsbürger von Geburt an.

"Brasilianische Staatsbürger von Geburt an sind gemäß der Verfassung Brasiliens (Art. 12, mit der Verfassungsergänzung 54 von 2007) Personen, (...) c) die im Ausland als Kinder von einem brasilianischen Vater oder einer brasilianischen Mutter geboren wurden, sofern sie bei einer zuständigen brasilianischen Vertretung registriert worden sind, oder in der Föderativen Republik Brasilien wohnen und zu irgendeinem Zeitpunkt nach Erreichen des Erwachsenenalters sich für die brasilianische Staatsangehörigkeit entscheiden". - Quelle Internetseite des brasilianischen Konsulats in Frankfurt: http://frankfurt.itamaraty.gov.br/de/bras.staatsangehorigkeit_anspruch.xml"

Meine Frage ist nun:
a) Kann ich mich tatsächlich darauf verlassen, bei einer Bekanntgabe meiner doppelten Staatsbürgerschaft bei den deutschen Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren?
b) Mit welchen Konsequenzen (z.B. Bußgeld, in welcher Höhe?) habe ich zu rechnen, nachdem ich bei sämtlichen Behördengängen in Deutschland (Anmeldungen, Ummeldungen etc.) in den vergangenen sechs Jahren seit Ausstellung meiner brasilianischen Geburtsurkunde meine doppelte Staatsbürgerschaft geheimgehalten habe?

Ich habe mir durch die Geheimhaltung keinerlei Vorteile erschlichen, hatte und habe meinen Hauptwohnsitz in Deutschland und zwischenzeitlich für eineinhalb Jahre in einem anderen Ausland, das Visum lief dabei aber über meinen deutschen Pass. Meine Reisen nach Brasilien haben die auch für deutsche Staatsbürger visumsfreie Dauer von drei Monaten nicht überschritten, ich führe keine Konten und zahle bislang keine Steuern in Brasilien.

Besten Dank!
Eingrenzung vom Fragesteller
28.12.2017 | 09:03
29.12.2017 | 16:59

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Der Erwerb und der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit werden in der Bundesrepublik Deutschland durch das Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) geregelt. Dies ist auch das Gesetz, aus welchem ich zu Ihrem besseren Verständnis im Nachfolgenden die Paragrafen ziehe.
Nach diesem Gesetzes ist die doppelte Staatsangehörigkeit, möglich, aber nicht als Regelfall vorgesehen. Ein genereller Anspruch auf doppelte Staatsbürgerschaft besteht nicht.

Der Fall von dem Sie gehört haben nennt sich Optionspflicht, gem. § 29 StAG.

§ 29
(1) Optionspflichtig ist, wer

1.
die deutsche Staatsangehörigkeit nach § 4 Absatz 3 oder § 40b erworben hat,
2.
nicht nach Absatz 1a im Inland aufgewachsen ist,
3.
eine andere ausländische Staatsangehörigkeit als die eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union oder der Schweiz besitzt und
4.
innerhalb eines Jahres nach Vollendung seines 21. Lebensjahres einen Hinweis nach Absatz 5 Satz 5 über seine Erklärungspflicht erhalten hat.

Der Optionspflichtige hat nach Vollendung des 21. Lebensjahres zu erklären, ob er die deutsche oder die ausländische Staatsangehörigkeit behalten will. Die Erklärung bedarf der Schriftform.
(1a) Ein Deutscher nach Absatz 1 ist im Inland aufgewachsen, wenn er bis zur Vollendung seines 21. Lebensjahres

1.
sich acht Jahre gewöhnlich im Inland aufgehalten hat,
2.
sechs Jahre im Inland eine Schule besucht hat oder
3.
über einen im Inland erworbenen Schulabschluss oder eine im Inland abgeschlossene Berufsausbildung verfügt.

Als im Inland aufgewachsen nach Satz 1 gilt auch, wer im Einzelfall einen vergleichbar engen Bezug zu Deutschland hat und für den die Optionspflicht nach den Umständen des Falles eine besondere Härte bedeuten würde.
(2) Erklärt der Deutsche nach Absatz 1, dass er die ausländische Staatsangehörigkeit behalten will, so geht die deutsche Staatsangehörigkeit mit dem Zugang der Erklärung bei der zuständigen Behörde verloren.
(3) Will der Deutsche nach Absatz 1 die deutsche Staatsangehörigkeit behalten, so ist er verpflichtet, die Aufgabe oder den Verlust der ausländischen Staatsangehörigkeit nachzuweisen. Tritt dieser Verlust nicht bis zwei Jahre nach Zustellung des Hinweises auf die Erklärungspflicht nach Absatz 5 ein, so geht die deutsche Staatsangehörigkeit verloren, es sei denn, dass dem Deutschen nach Absatz 1 vorher die schriftliche Genehmigung der zuständigen Behörde zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit (Beibehaltungsgenehmigung) erteilt wurde. Ein Antrag auf Erteilung der Beibehaltungsgenehmigung kann, auch vorsorglich, nur bis ein Jahr nach Zustellung des Hinweises auf die Erklärungspflicht nach Absatz 5 gestellt werden (Ausschlussfrist). Der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit tritt erst ein, wenn der Antrag bestandskräftig abgelehnt wird. Einstweiliger Rechtsschutz nach § 123 der Verwaltungsgerichtsordnung bleibt unberührt.
(4) Die Beibehaltungsgenehmigung nach Absatz 3 ist zu erteilen, wenn die Aufgabe oder der Verlust der ausländischen Staatsangehörigkeit nicht möglich oder nicht zumutbar ist oder bei einer Einbürgerung nach Maßgabe von § 12 Mehrstaatigkeit hinzunehmen wäre.
(5) Auf Antrag eines Deutschen, der die Staatsangehörigkeit nach § 4 Absatz 3 oder § 40b erworben hat, stellt die zuständige Behörde bei Vorliegen der Voraussetzungen den Fortbestand der deutschen Staatsangehörigkeit nach Absatz 6 fest. Ist eine solche Feststellung nicht bis zur Vollendung seines 21. Lebensjahres erfolgt, prüft die zuständige Behörde anhand der Meldedaten, ob die Voraussetzungen nach Absatz 1a Satz 1 Nummer 1 vorliegen. Ist dies danach nicht feststellbar, weist sie den Betroffenen auf die Möglichkeit hin, die Erfüllung der Voraussetzungen des Absatzes 1a nachzuweisen. Wird ein solcher Nachweis erbracht, stellt die zuständige Behörde den Fortbestand der deutschen Staatsangehörigkeit nach Absatz 6 fest. Liegt kein Nachweis vor, hat sie den Betroffenen auf seine Verpflichtungen und die nach den Absätzen 2 bis 4 möglichen Rechtsfolgen hinzuweisen. Der Hinweis ist zuzustellen. Die Vorschriften des Verwaltungszustellungsgesetzes finden Anwendung.
(6) Der Fortbestand oder Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit nach dieser Vorschrift wird von Amts wegen festgestellt. Das Bundesministerium des Innern kann durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Vorschriften über das Verfahren zur Feststellung des Fortbestands oder Verlusts der deutschen Staatsangehörigkeit erlassen.

Aus Ihren Schilderungen lese ich aber heraus, dass Sie bereits älter sind und weder eine Beibehaltungsgenehmigung haben, noch von Ihrer Optionspflicht Gebrauch gemacht haben. Daher muss ich Ihnen leider mitteilen, dass diese doppelte Staatsbürgerschaft ein Verlustgrund darstellt, nach Absatz 1 Nr. 2 StAG.

In § 17 finden sich die allgemeinen Verlustgründe für eine deutsche Staatsbürgerschaft.
§ 17
(1) Die Staatsangehörigkeit geht verloren
1.
durch Entlassung (§§ 18 bis 24),
2.
durch den Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit (§ 25),
3.
durch Verzicht (§ 26),
4.
durch Annahme als Kind durch einen Ausländer (§ 27),
5.
durch Eintritt in die Streitkräfte oder einen vergleichbaren bewaffneten Verband eines ausländischen Staates (§ 28),
6.
durch Erklärung (§ 29) oder
7.
durch Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes (§ 35).

(2) Der Verlust nach Absatz 1 Nr. 7 berührt nicht die kraft Gesetzes erworbene deutsche Staatsangehörigkeit Dritter, sofern diese das fünfte Lebensjahr vollendet haben.
(3) Absatz 2 gilt entsprechend bei Entscheidungen nach anderen Gesetzen, die den rückwirkenden Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit Dritter zur Folge hätten, insbesondere bei der Rücknahme der Niederlassungserlaubnis nach § 51 Abs. 1 Nr. 3 des Aufenthaltsgesetzes, bei der Rücknahme einer Bescheinigung nach § 15 des Bundesvertriebenengesetzes und bei der Feststellung des Nichtbestehens der Vaterschaft nach § 1599 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Satz 1 findet keine Anwendung bei Anfechtung der Vaterschaft nach § 1600 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Aus diesem folgt, dass § 25 StAG für Sie relevant ist.

Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG)
§ 25
(1) Ein Deutscher verliert seine Staatsangehörigkeit mit dem Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit, wenn dieser Erwerb auf seinen Antrag oder auf den Antrag des gesetzlichen Vertreters erfolgt, der Vertretene jedoch nur, wenn die Voraussetzungen vorliegen, unter denen nach § 19 die Entlassung beantragt werden könnte. Der Verlust nach Satz 1 tritt nicht ein, wenn ein Deutscher die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union, der Schweiz oder eines Staates erwirbt, mit dem die Bundesrepublik Deutschland einen völkerrechtlichen Vertrag nach § 12 Abs. 3 abgeschlossen hat.
(2) Die Staatsangehörigkeit verliert nicht, wer vor dem Erwerb der ausländischen Staatsangehörigkeit auf seinen Antrag die schriftliche Genehmigung der zuständigen Behörde zur Beibehaltung seiner Staatsangehörigkeit erhalten hat. Hat ein Antragsteller seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland, ist die deutsche Auslandsvertretung zu hören. Bei der Entscheidung über einen Antrag nach Satz 1 sind die öffentlichen und privaten Belange abzuwägen. Bei einem Antragsteller, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, ist insbesondere zu berücksichtigen, ob er fortbestehende Bindungen an Deutschland glaubhaft machen kann.
(3) (weggefallen)

Da Sie die Beibehaltungsgenehmigung nicht vor Annahme der brasilianischen Staatsbürgerschaft beantragt haben entfällt diese Option. Gemäß Absatz 1 gilt die Ausnahme vom Verlust für Staaten gem. § 12 Abs. 3 StAG

Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG)
§ 12
(1) Von der Voraussetzung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 wird abgesehen, wenn der Ausländer seine bisherige Staatsangehörigkeit nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen aufgeben kann. Das ist anzunehmen, wenn
1.
das Recht des ausländischen Staates das Ausscheiden aus dessen Staatsangehörigkeit nicht vorsieht,
2.
der ausländische Staat die Entlassung regelmäßig verweigert,
3.
der ausländische Staat die Entlassung aus der Staatsangehörigkeit aus Gründen versagt hat, die der Ausländer nicht zu vertreten hat, oder von unzumutbaren Bedingungen abhängig macht oder über den vollständigen und formgerechten Entlassungsantrag nicht in angemessener Zeit entschieden hat,
4.
der Einbürgerung älterer Personen ausschließlich das Hindernis eintretender Mehrstaatigkeit entgegensteht, die Entlassung auf unverhältnismäßige Schwierigkeiten stößt und die Versagung der Einbürgerung eine besondere Härte darstellen würde,
5.
dem Ausländer bei Aufgabe der ausländischen Staatsangehörigkeit erhebliche Nachteile insbesondere wirtschaftlicher oder vermögensrechtlicher Art entstehen würden, die über den Verlust der staatsbürgerlichen Rechte hinausgehen, oder
6.
der Ausländer einen Reiseausweis nach Artikel 28 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) besitzt.

(2) Von der Voraussetzung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 wird ferner abgesehen, wenn der Ausländer die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union oder der Schweiz besitzt.
(3) Weitere Ausnahmen von der Voraussetzung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 können nach Maßgabe völkerrechtlicher Verträge vorgesehen werden.

Zudem gilt § 27 Abs. 1 Nr. 4 Passausweisgesetz:

§ 27 Pflichten des Ausweisinhabers
(1) Der Ausweisinhaber ist verpflichtet, der Personalausweisbehörde unverzüglich

1.
den Ausweis vorzulegen, wenn eine Eintragung unrichtig ist,
2.
auf Verlangen den alten Ausweis beim Empfang eines neuen Ausweises abzugeben,
3.
den Verlust des Ausweises und sein Wiederauffinden anzuzeigen und im Falle des Wiederauffindens diesen vorzulegen,
4.
den Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit anzuzeigen und
5.
anzuzeigen, wenn er auf Grund freiwilliger Verpflichtung in die Streitkräfte oder einen vergleichbaren bewaffneten Verband eines ausländischen Staates, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, eingetreten ist.

(2) Der Personalausweisinhaber hat zumutbare Maßnahmen zu treffen, damit keine andere Person Kenntnis von der Geheimnummer erlangt. Die Geheimnummer darf insbesondere nicht auf dem Personalausweis vermerkt oder in anderer Weise zusammen mit diesem aufbewahrt werden. Ist dem Personalausweisinhaber bekannt, dass die Geheimnummer Dritten zur Kenntnis gelangt ist, soll er diese unverzüglich ändern oder die Funktion des elektronischen Identitätsnachweises sperren lassen.
(3) Der Personalausweisinhaber soll durch technische und organisatorische Maßnahmen gewährleisten, dass der elektronische Identitätsnachweis gemäß § 18 nur in einer Umgebung eingesetzt wird, die nach dem jeweiligen Stand der Technik als sicher anzusehen ist. Dabei soll er insbesondere solche technischen Systeme und Bestandteile einsetzen, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als für diesen Einsatzzweck sicher bewertet werden.


Alleine für den Verstoß gegen § 27 PAuswG gilt folgende Bußgeldvorschrift:

§ 32 Bußgeldvorschriften
(1) Ordnungswidrig handelt, wer

1.
entgegen § 1 Abs. 1 Satz 1, auch in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1, einen Ausweis nicht besitzt,
2.
entgegen § 1 Abs. 1 Satz 2, auch in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1, einen Ausweis nicht oder nicht rechtzeitig vorlegt oder einen Abgleich mit dem Lichtbild nicht oder nicht rechtzeitig ermöglicht,
3.
entgegen § 9 Abs. 2 Satz 2 einen dort genannten Antrag nicht oder nicht rechtzeitig stellt,
4.
entgegen § 9 Abs. 3 Satz 1, auch in Verbindung mit Absatz 6 Satz 2, eine Angabe nicht richtig macht,
5.
entgegen § 18 Abs. 2 Satz 4 einen elektronischen Identitätsnachweis nutzt,
6.
entgegen § 19 Abs. 1 Nr. 1 oder Nr. 2 erster Halbsatz, Abs. 2, 3 oder Abs. 4 Satz 1 ein Sperrmerkmal, ein Sperrkennwort oder Daten speichert,
6a.
entgegen § 19a Absatz 1 Satz 1 Daten verwendet,
6b.
entgegen § 19a Absatz 2 Daten nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig löscht,
7.
entgegen § 20 Absatz 2 Satz 2 eine Kopie weitergibt,
7a.
entgegen § 20 Absatz 2 Satz 3 Daten erhebt oder verarbeitet,
8.
entgegen § 20 Abs. 3 Satz 1 eine Seriennummer, ein Sperrmerkmal oder ein Sperrkennwort verwendet,
9.
entgegen § 20 Absatz 4 Satz 1 oder Satz 2 Daten ausliest oder verarbeitet,
10.
entgegen § 20 Absatz 4 Satz 3 Daten nicht oder nicht rechtzeitig löscht oder
11.
entgegen § 27 Abs. 1 Nr. 3, 4 oder Nr. 5 eine Anzeige nicht oder nicht rechtzeitig erstattet.

(2) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.
ohne Berechtigung nach § 21 Absatz 1 Satz 1 Daten anfragt,
2.
entgegen § 21 Absatz 2 Satz 2, auch in Verbindung mit § 21a Satz 2 oder § 21b Absatz 2 Satz 2, eine Angabe nicht richtig macht,
3.
entgegen § 21 Absatz 3 Satz 3 oder Absatz 5 Satz 1, jeweils auch in Verbindung mit § 21a Satz 2 oder § 21b Absatz 2 Satz 2, eine Berechtigung oder ein Berechtigungszertifikat verwendet,
4.
entgegen § 21 Absatz 6, auch in Verbindung mit § 21a Satz 2 oder § 21b Absatz 2 Satz 2, eine Mitteilung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig macht,
5.
ohne Vor-Ort-Berechtigung nach § 21a Satz 1 Daten ausliest oder
6.
ohne Berechtigung nach § 21b Absatz 1 eine dort genannte Funktion nutzt.

(3) Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 6, 6a, 6b, 8, 9 und 10 mit einer Geldbuße bis zu dreihunderttausend Euro, in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 5, 7 und 7a und des Absatzes 2 Nummer 1, 2, 3 und 6 mit einer Geldbuße bis zu dreißigtausend Euro und in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu dreitausend Euro geahndet werden.

Neben den 3000 EUR Strafe kommen ggf. dann noch die Bußgelder für die bisher falsch angegebenen Daten bei Behörden etc. hinzu. Das wichtigste allerdings ist, dass die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt werden kann.

Insoweit rate ich Ihnen, dass Sie vor einer Entscheidung einen Kollegen vor Ort kontaktieren und diesem alle Dokumente vorlegen und Ihr Dilemma mitteilen. Diese Seite dient nur zur ersten Orientierung und ist kein Ersatz für eine auf Grundlage von Dokumentenprüfung umfassende anwalltliche Beratung.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Vicky Neubert, Dipl.-Jur.

Nachfrage vom Fragesteller 30.12.2017 | 10:35

Sehr geehrte Anwältin,

Vielen Dank für Ihre ausführliche Rückantwort.

Zu § 29 und § 25 würde ich gerne noch etwas nachfragen.

Bzgl. der Optionspflicht nach §29 ist mir nicht ganz klar, ob ich tatsächlich optionspflichtig bin, da die Hinweise nach § 29 bis auf Absatz 3 keine Gültigkeit für mich haben. Nach Absatz
1. bin ich nicht nach § 4 Abs. 3 oder § 40b dt. Staatsbürger als Kind ausländischer Eltern, da meine Mutter ebenfalls Deutsche ist.
2. bin ich im Inland aufgewachsen (durchgehend in Deutschland wohnhaft bis zum 25. Lebensjahr)
4. habe ich keinen Hinweis auf eine Erklärungspflicht erhalten.

Ist die Optionspflicht dennoch für mich gültig?

Hinsichtl. § 25 habe ich die brasilianische Staatsbürgerschaft zudem nicht durch Antrag (weder durch eigenen noch durch den eines gesetzlichen Vertreters) erhalten sondern durch Geburt. Ich hatte die Auskunft erhalten, dass dies einen Ausnahmefall darstellt. Ist dies doch nicht der Fall?

Zuletzt möchte ich noch erfragen, unter welchen Bedingungen im Falle des tatsächlichen Verlusts der dt. Staatsbürgerschaft eine Wiedereinbürgerung möglich wäre.

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.12.2017 | 15:32

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich habe die Optionspflicht der vollständigkeithalber mit aufgeführt. Diese trifft auf Sie nicht zu, wie ich schon ausgeführt habe.

Ich muss mich entschuldigen. Ich habe Ihre Frage so gelesen, dass Sie die brasilianische Staatsbürgerschaft später als die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Daher meine endlosen Ausführungen. Also wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, dann besitzen Sie die deutsche Staatsbürgerschaft seit Ihrer Geburt und die brasilianische Staatsbürgerschaft wurde Ihnen aufgrund brasiliansichen Rechts wegen Ihrer Abstammung ebenfalls ab Ihrer Geburt sozusagen mitgegeben. Es lagen keine Anträge oder Annahmen bzgl der brasiliansichen Staatsangehörigkeit vor.

Vor diesem Hintergrund sind die Ausführungen bei weitem kürzer.

In bestimmten Situationen, zu welchem auch Ihre Konstellatin gehört, erlaubt das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht, dass
jemand neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt:
1. Kinder mit einem deutschen und einem ausländischen Elternteil oder einem
oder beiden Elternteilen mit doppelter Staatsangehörigkeit erhalten in der
Regel bereits mit der Geburt nach dem Abstammungsprinzip die
Staatsangehörigkeiten beider Eltern. (Ihr Fall)
2.Geburt in einem Land, in dem das Geburtsortsprinzip gilt sowie Eltern, deren
Staatsangehörigkeit durch das Abstammungsprinzip weitergegeben wird.
3.Deutschstämmige Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen wurden früher eingebürgert bzw. erwerben heute die deutsche Staatsangehörigkeit, ohne dass sie die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben müssen. Soweit das Staatsangehörigkeitsrecht ihrer Herkunftsstaaten dies vorsieht, erwerben ihre in Deutschland geborenen
Kinder dann bereits mit der Geburt neben der deutschen auch die
ursprüngliche Staatsangehörigkeit der Eltern.
4. Deutschen Staatsangehörigen kann im Einzelfall eine Beibehaltungsgenehmigung erteilt werden, die es erlaubt, eine fremde
Staatsangehörigkeit zu erwerben, ohne die deutsche zu verlieren.
Wer aus einem dieser Gründe Mehrstaater geworden ist, gibt diese Mehrstaatigkeit
in der Regel an die eigenen Kinder weiter. In diesen Fällen wird die Mehrstaatigkeit nach deutschem Recht auf Dauer hingenommen, d.h. es besteht keine Optionspflicht, sich bei Erreichen der Volljährigkeit für eine Staatsangehörigkeit zu entscheiden.

Insoweit ist Ihre Mehrstaatigkeit in Ordnung.

Sie brauchen sich daher auch um einen Verlust bzw. Wiedereinbürgerung keine Gedanken zu machen.

MfG

Neubert


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Bewertung des Fragestellers 01.01.2018 | 10:10


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