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Bin ich als Arbeitnehmer Schadenersatzpflichtig für Fehler die ich mache?

15.09.2014 16:31 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Johannes Kromer


Zusammenfassung: Der Arbeitnehmer haftet nicht für jeden Schaden den er dem Arbeitgeber zufügt.

Hatte befristeten Arbeitsvertrag über 2 Jahre mit Bruttolohn von 2.500 Euro (37 Std/Woche) bei einem Seminarveranstalter (ca. 50 Seminarveranstaltungen pro Jahr). Meine vorrangige Aufgabe lag in der Terminüberwachung der Seminare, d.h. z.B. rechtzeitiges Storno von Seminarhäusern bei zu geringer Teilnehmerzahl unter Beachtung der jeweiligen Stornofristen sowie Buchung und Betreuung von Seminarteilnehmern. In den letzten 4 Monaten meiner Anstellung habe ich 3 Mal das Stornieren eines Tagungshauses vergessen, bzw. die Frist übersehen.Die Folge war, das die Tagungshäuser dem Arbeitgeber den Tagungsraum berechneten, obwohl der Tagungsraum wegen zu geringer Teilnehmerzahl nicht genutzt wurde. Es entstanden jeweils Kosten in Höhe von ca. 400 Euro (3 Mal), also insgesamt 1.254,80 Euro Schaden. Der Arbeitgeber hatte mein erstes "Versehen" stillschweigend hingenommen (ich hatte es ihm allerdings auch nicht direkt mitgeteilt, sondern ihm einen Vermerk in seinen Posteingangsordner gelegt), beim zweiten "Versehen" (2 Monate später) ermahnte er mich zukünftig genauer auf die Termine zu achten (dafür hat er aber keine Zeugen!), da er mich sonst an dem Schaden beteiligen müsse, bei dritten "Versehen" (4 Wochen später) forderte er mich dann auf, einen Teil des Gesamtschaden (1.254,80 Euro) in Höhe von 442,80 Euro (Schaden des 3. Versehens) an ihn zu zahlen mit der Begründung, das ich schadenersatzpflichtig für mein mehrmaliges "Vergessen" sei. Leider kam noch hinzu, das ich zweimal hintereinander die Absage beim gleichen Tagungshaus vergessen habe und das Tagungshaus meinem Arbeitgeber nun keine Räume mehr zur Verfügung stellen möchte wegen Unzuverlässigkeit.

Ich bin der Auffassung, dass meine Fehler menschlich sind und jedem passieren können und somit unter das unternehmerische Risiko fallen. Wo gearbeitet wird, da fallen Spähne! Mein ehemaliger Arbeitgeber (Vertrag ist ausgelaufen) will die Angelegenheit im Falle das ich nicht zahle vor dem Arbeitsgericht klären lassen. Hat er ein Recht auf die geforderte Zahlung?

Einsatz editiert am 15.09.2014 16:38:46

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass derjenige der seine vertraglichen Pflichten verletzt, hierfür auch haftet.

Im Arbeitsrecht gilt dies jedoch nicht uneingeschränkt. Wie Sie bereits selber schreiben, sind Fehler menschlich. Der Arbeitgeber wäre immer auf der sicheren Seite, wenn er sich bei Fehlern schadlos halten könnte. Er könnte vor allem sogenannte gefahrgeneigten Tätigkeiten, die im selbst vielleicht sogar zu gefährlich wären, risikolos einfach auf einen Arbeitnehmer übertragen. Andererseits kann es auch nicht sein, dass ein Arbeitnehmer machen kann, was er will. Diese Thematik wird unter dem Stichwort „innerbetrieblicher Schadensausgleich" diskutiert.

Als Ausgleich zwischen den verschieden gelagerten Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, hat das Bundesarbeitsgericht in seiner ständigen Rechtsprechung eine Staffelung vorgenommen. Abgestellt wird darauf, wie der Fehler entstanden ist.

Handelt es sich um leichte Fahrlässigkeit so scheidet eine Schadensersatzpflicht regelmäßig aus.

Bei normaler Fahrlässigkeit wird der Schaden regelmäßig hälftig geteilt. Allerdings wird hierbei auch berücksichtigt, von wessen Sphäre das Risiko entstammt. Hier könnte für Sie sprechen, dass dieses Risiko gerade einem typischen Risiko für einen Seminarveranstalter entspricht. Dementsprechend könnte man auf eine von Ihnen zu tragenden Quote von unter 50 Prozent kommen.

Bei grober Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer regelmäßig für den gesamten Schaden, außer der Schaden steht in keinerlei Relation zu dem Einkommen.

Bei Vorsatz haftet der Arbeitnehmer ausnahmslos vollständig.

In Ihrem Fall erachte ich durchaus einen Zahlungsanspruch Ihres Arbeitgebers für denkbar. Es stellt sich die Frage ob eher von leichter Fahrlässigkeit oder doch von normaler Fahrlässigkeit auszugehen ist. Für grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz sehe ich keinerlei Anhaltspunkte.

Nachdem sich solche Vorfälle jedoch bereits 2mal zuvor ereignet hatten, dürfte es vor Gericht tendenziell schwierig sein auf leichte Fahrlässigkeit abzustellen. Andererseits könnte ggf. damit argumentiert werden, dass zu dieser Zeit zum Beispiel eine stark überhöhte Arbeitsbelastung etc. bestand, so dass der Fehler „verständlicher" ist.

Ich räume Ihrem Arbeitgeber insgesamt jedoch durchaus realistische Chancen darauf ein, den Schaden zumindest teilweise von Ihnen erstattet zu bekommen, jedenfalls soweit es um den 3. Schadensfall geht.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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