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Bildnisrecht - Model Release Widerruf

11.08.2010 19:43 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Als Unternehmer habe ich mich von einem Fotografen für mein Unternehmen fotografieren lassen. Dies als normale Dienstleistung gegen eine übliche Rechnung.

Nach dem Shooting wurde mir von dem Fotografen ein Vertrag vorgelegt, von dem er sagte, dass es notwendig sei, dass ich den unterschreibe, damit er meine Bilder retuschieren dürfe. Auch in dem Vertrag steht zu Beginn folgender Satz in Fettdruck:

"Diese Vereinbarung schützt Model und Fotograf vor falscher Verwendung und Veröffentlichung der Bilder und erlaubt es dem Fotografen das Bildmaterial zu bearbeiten und retuschieren."

Auf Nachfrage war die Aussage, dass es ausschließlich um die Retusche ginge. Ich habe diesen Vertrag (dumm) unterschrieben, da ich als bezahlender Kunden von nichts Bösem ausging.

Zurück im Büro habe ich ihn mir genau angesehen und nach Recherche rausgefunden, dass es sich dabei um einen Modelvertrag handelt (Model Release) und ich darin dem Fotografen die Nutzung und Veröffentlichung aller meiner Fotos gestatte.

Außerdem steht darin weiter, dass ich die Fotos nur für persönliche Zwecke und Eigenwerbung verwenden darf.

Weiterhin darf ich die Fotos nur mit seinem Logo versehen veröffentlichen.

Meine Fragen:

**Wie kann ich diesen Vertrag schnell und rechtskräftig anfechten oder widerrufen?

**Welche Argumente kann ich gegenüber dem Fotografen hierfür verwenden?

**Wodurch wird der Widerruf rechtskräftig (Zurücksendung des unterschriebenen Originals, Unterzeichnung eines Auflösungsvertrags)

**Gibt es Besonderheiten, die ich beim Widerruf beachten muss?

Der Fotograf behandelt mich bei der Verwendung der Fotos wie ein Model, das er kostenlos für sich arbeiten lässt und es durch Fotos entlohnt. Ich zahle aber für die Dienstleistung und sehe mich hier keinesfalls gleichgesetzt.

Welche Rechte habe ich an den gemachten Fotos automatisch?

Oder muss ich für jedes Foto, das ich verwende extra Nutzungsrechte vom Fotografen erhalten und mir diese auch schriftlich zusichern lassen?

Schon jetzt vielen Dank!

Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Zunächst ist festzuhalten, daß Sie einen Vertrag unterzeichnet haben, der, Ihrer Schilderung nach, nicht per se rechtswidrig oder nichtig ist. Im deutschen Recht gilt der Grundsatz, daß Verträge einzuhalten sind. Ihr Fehler war es, ein Schriftstück zu unterschreiben ohne zu lesen, welchen Inhalt dieses Schriftstück hat.

Das Gesetz kennt aber in bestimmten Fällen auch die Möglichkeit, aus einem Vertrag "auszusteigen".


2.

Sie könnten den Vertrag gem. § 119 BGB wegen Irrtums anfechten. Schließlich waren Sie, aufgrund der Erläuterung seitens des Fotografen, davon ausgegangen, daß Sie dem Fotografen lediglich gestatten würden, die Bilder zu bearbeiten (retuschieren). Insoweit haben Sie sich über den Vertragsinhalt geirrt.

Das Problem besteht aber darin, daß Sie das im Fall eines Rechtsstreits nicht beweisen können. Der Fotograf wird vermutlich behaupten, er hätte Ihnen den Vertrag vorgelegt und Sie hätten, nachdem Sie den Text gelesen haben, unterschrieben.

Möglicherweise hilft es Ihnen aber weiter, wenn Ihre berufliche Tätigkeit nicht zum Vertragsinhalt paßt. Wenn Sie z. B. Fotos für eine Bewerbung in Auftrag gegeben haben, würde das wohl mit dem Vertragsinhalt in Widerspruch stehen.

Im Streitfall muß der Richter entscheiden.


3.

Zu denken ist ebenfalls an eine Anfechtung wegen arglistiger Täuschung gem. § 123 BGB. Schließlich hat der Fotograf Sie durch Täuschung zu der Vertragsunterzeichnung veranlaßt. Auch hier gilt aber das oben Gesagte hinsichtlich der Beweismöglichkeit.


4.

Die Vorgehensweise: Sie sollten den Fotografen anschreiben und den Vertrag unter Berufung auf alle rechtlichen Gesichtspunkte, insbesondere wegen §§ 119 und 123 BGB anfechten. Ferner sollten Sie dem Fotografen untersagen, die Fotos zu veröffentlichen.

Da Sie dem Fotografen Ihre Rechte an den Bildern gewissermaßen übertragen haben, sollten Sie weiterhin verlangen, daß Ihnen die alleinigen Rechte an den Fotos (wieder) eingeräumt werden.

Wenn die Anfechtung wegen Irrtums und/oder arglistiger Täuschung durchgreift, wäre der Vertrag von Anfang an nichtig. Damit hätten Sie an den Bildern auch wieder die alleinigen Rechte.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 11.08.2010 | 20:20

Sehr geehrter Herr Raab,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

(1) Bitte um Beantwortung aller Fragen

Könnten Sie mir bitte auch meine zwei letzteren Fragen beantworten, die ich in meiner Ursprungsnachricht gestellt habe.

"Der Fotograf behandelt mich bei der Verwendung der Fotos wie ein Model, das er kostenlos für sich arbeiten lässt und es durch Fotos entlohnt. Ich zahle aber für die Dienstleistung und sehe mich hier keinesfalls gleichgesetzt.

Welche Rechte habe ich an den gemachten Fotos automatisch?

Oder muss ich für jedes Foto, das ich verwende extra Nutzungsrechte vom Fotografen erhalten und mir diese auch schriftlich zusichern lassen? "

(2) Verständnisfrage

Zusammenfassend bin ich also auf die Einsicht des Fotografen angewiesen. Hat er die nicht, kann nur noch eine gerichtliche Auseinandersetzung stattfinden?

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.08.2010 | 20:43

Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Zu Ihren Rechten an den Fotos hatte ich in meiner Antwort bereits Stellung genommen.

Nochmals: Durch den Vertrag habe Sie Ihre Rechte an den Bildern dem Fotografen übertragen.

Hat die Anfechtung Erfolg oder erzielen Sie eine Einigung mit dem Fotografen, gilt die ursprüngliche Rechtslage. D. h. dann haben Sie die alleinigen Rechte.

Derzeit, also bei Bestehen des Vertrages, gilt das, was Sie selbst zitiert haben. Danach dürfen Sie die Fotos nur für persönliche Zwecke und zur Eigenwerbung verwenden und außerdem müssen die Bilder das Fotografen-Logo enthalten.


2.

Zur Verständnisfrage: Im Prinzip haben Sie Recht. Lenkt der Fotograf nicht ein, sollten Sie überlegen, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit alle Umstände der Vertragsunterzeichnung erörtert und die Möglichkeiten des rechtlichen Vorgehens ausgeschöpft werden können.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

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