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Bewertung eines Arbeitszeugnis eines ungeübten Arbeitgebers


18.09.2007 11:33 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Guten Tag,
Ich möchte gerne meine Arbeitszeugnis von Ihnen prüfen und bewerten lassen(Schulnoten 1-6), sowie falls notwendig mit Änderungen versehen lassen.

Vieln Dank


xxx & xxx
Zahnärzte


30.09.2007
Zeugnis.

Frau xxx, geb. am xxx, war in der Zeit vom
01.11.1994 bis 30.09.2007 in unserer Praxis tätig.

Nach einer erfolgreichen Abschlussprüfung 1994 hatte Frau xxx Gelegenheit, in unserer umfangreichen Praxis auf allen Gebieten der modernen Zahnheilkunde, ihre Kenntnisse zu vervollkommnen.

Im Laufe dieser Zeit hat sich Frau xxx sehr gut eingearbeitet. In allen Tätigkeiten war sie selbständig. Ihr Haupttätigkeitsgebiet neben der aktiven Stuhlassistenz im Bereich konservierende, chirurgische, parodontologische und prothetische Zahnheilkunde ist die individuelle, beratende Betreuung der Patienten. Dabei wird sie auch den erhöhten und vielschichtigen Anforderungen einer ganzheitlich orientierten Gemeinschaftspraxis gerecht.

Frau xxx absolvierte 2005 die Fortbildung zur Zahnmedizinischen Fachassistentin. Auf diesem Gebiet wurde sie in den letzten Jahren eingesetzt, wo sie mit viel Freude und Engagement tätig war.


Neben ihren Leistungen hat sie, durch ihr psychologisches Einfühlvermögen, großes Vertrauen bei unseren Patienten erworben. Durch ihr aufgeschlossenes Auftreten war sie bei unseren Patienten sehr beliebt.

Wir bedauern sehr, dass wir getrennte Wege gehen, weil sie nicht nur durch ihr menschliches Wesen und ihr Humor eine Bereicherung für die Praxis war.
Frau xxx war uns eine zuverlässige Mitarbeiterin und wir sprechen ihr für ihre geleistete Arbeit unseren herzlichsten Dank aus.

Unsere besten Wünsche begleiten sie für ihre weitere berufliche und private
Zukunft.








18.09.2007 | 12:48

Antwort

von


38 Bewertungen
August-Bebel-Straße 29
63225 Langen
Tel: 06103 - 2707599
Web: kanzlei-sachse.de
E-Mail:
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für ihre Anfrage, die ich aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen wie folgt summarisch beantworten möchte:

Das vorliegende Zeugnis macht - wie so oft - den Eindruck, als stamme es nicht von einem geübten Zeugnisschreiber. Dies leider zu Ihrem Nachteil!

Gerade in keinen Unternehmen geschieht es ohne dahingehenden bösen Willen recht häufig, dass ein eigentlich gut gemeintes Zeugnis durch Auslassungen oder umständliche Formulierung bei einem geübten Zeugnisleser den falschen Eindruck erweckt oder sich sogar negativ auswirkt.

Ich gehe zunächst davon aus, dass Sie den Zeugnistext unverfälscht wieder gegeben haben.

In dieser Form enthält er in wesentlichen Teilen nicht hinnehmbare Auslassungen und zum Teil auch unglückliche Formulierungen, die beim Betrachter einen falschen Eindruck erwecken könnten. Das Zeugnis sollte (bereits wegen der falschen Zeiten (es wurde zum Teil in der Vergangenheitsform zum Teil in der Gegenwartsform formuliert) unbedingt korrigiert werden.

Im Einzelnen ist das Folgende zu beachten:

Ein Arbeitszeugnis lässt sich in verschiedene Teile untergliedern, die allesamt im Zeugnis vorhanden sein sollten.

Der erste Teil besteht aus den Angaben zu den Personalien, den Daten des Arbeitgebers (insbesondere unter Verwendung des offiziellen Briefkopfes), der Dauer der Beschäftigung und der schlagwortartigen Benennung Ihrer Position(en) im Unternehmen.

Sodann hat sich als zweiter Teil - gerade bei einer Dauer der Beschäftigung von über 13 Jahren(!) eine möglichst ausführliche objektive Beschreibung der Ihnen übertragenen Tätigkeiten anzuschließen. Dies ist m.E. mit zwei Sätzen vorliegend nicht geschehen. (Denken Sie daran, dass ein neuer Arbeitgeber anhand des Zeugnisses möglichst viel über Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten erfahren möchte und Bewerber nicht einstellen wird, von denen er im Ergebnis überhaupt nichts weiß.)

In einem dritten Teil ist als Herzstück des Zeugnisses die eigentliche Leistungsbewertung vorzunehmen. Hier haben sich in der Zeugnissprache geläufige Formulierungen durchgesetzt, von denen ohne Grund nicht abgewichen werden sollte.

So würde etwa die Formulierung:

"Frau X erledigte sämtliche ihr übertragenen Aufgaben stets selbstständig, zuverlässig und zu unserer vollsten Zufriedenheit"

als Leistungsbewertung "1" anzusehen sein und keinerlei Zweifel beim Leser darüber erzeugen, dass Sie zu den Besten Ihres Fachs gehören.

Die im vorliegenden Arbeitszeugnis vorgeommene Formulierung, nach der Sie "auch den erhöhten und vielschichtigen Anforderungen einer ganzheitlich orientierten Gemeinschaftspraxis gerecht werden", ist nicht nur ungewöhnlich, sie entspricht m.E. durch die Formulierung "gerecht werden" auch lediglich einer Leistung im Bereich "Ausreichend".

Die Formulierung: "In allen Tätigkeiten war sie selbständig" ist dann zwar nicht neagtiv, klingt aber merkwürdig, da Sie ja nicht selbständig waren, sondern lediglich die Ihnen übertragenen Aufgaben selbständig erfüllt haben.

Die Formulierung, nach der Sie sich nach 13 Jahren(!) offenbar "gut eingearbeitet" haben, erscheint, vor allem vor dem Hintergrund, dass im Zeugnis ansonsten spärlich mit Informationen über Ihre langjährige Tätigkeit umgegangen wird, dem Betrachter als merkwürdig hervorgehoben. Man bekommt das Gefühl, dass die Einarbeitung das Einzige bemerkenswerte an Ihnen war.

Betreffend den Einsatz als Fachassistenz fehlt dann ebenfalls jede Leistungsbeschreibung. Mit den Worten "Auf diesem Gebiet wurde sie in den letzten Jahren eingesetzt, wo sie mit viel Freude und Engagement tätig war." ist dann ebenfalls überhaupt nichts ausgesagt, fehlt doch jede Leistungsbewertung, ob Sie hier zur vollen, zur vollsten Zufriedenheit, zuverlässig und selbständig tätig waren.

Der Satzteil "Neben ihren Leistungen..." ist dann ebenfalls völlig bedeutungslos, werden diese Leistungen doch nirgendwo beschrieben oder bewertet.

Der Satz:

"Neben ihren Leistungen hat sie, durch ihr psychologisches Einfühlvermögen, großes Vertrauen bei unseren Patienten erworben. Durch ihr aufgeschlossenes Auftreten war sie bei unseren Patienten sehr beliebt."

kann auf keinen Fall bestehen bleiben.

Das Wort "Einfühlungsvermögen" sollte in keinem Zeugnistext auftauchen. Es ist "einschlägig" vorbelastet. In anderem Zusammenhang wurde das Wort Einfühlungsvermögen in Zeugnistexten bereits als geheime Botschaft für das Anbahnen sexueller Kontakte verwandt. Ein insoweit geübter Zeugnisleser könnte auf die Idee kommen, Sie hätten sich an die Kundschaft "herangemacht".

Ebenso hat ein "aufgeschlossenes Auftreten" im Text nichts zu suchen, kann dies doch der Art interpretiert werden, dass Sie gerne auch über Interna mit den Kunden geredet haben. Daneben könnte man auf die Idee kommen, Sie hätten vor allem und sehr viel mit den Kunden gesprochen und insoweit "geklatscht".

Der Satz wirkt dann sogar in dem Teil, der feststellt, dass Sie bei den Kunden sehr beliebt waren, negativ, da er gleichzeitig überhaupt keine Aussage über Ihre Reputation bei Vorgesetzten und Kollegen enthält. Es wird so der Eindruck erweckt, als seien Sie allein bei den Kunden, nicht aber bei Ihren Vorgesetzten und Kollegen beliebt gewesen.

Es fehlt dann auch eine in jedem Fall in das Zeugnis aufzunehmende Verhaltensklausel, neben der eine solche doppeldeutige Bemerkung überflüssig wäre.

Die übliche Formulierung für eine Verhaltensklausel (der 4.Teil eines Zeugnisses) lautet in der Regel:

"Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen war stets einwandfrei"

Wichtig dabei ist, dass die "Vorgesetzten" im Satz an erster Stelle stehen, da der Zeugnisleser sonst auf die Idee kommen kann, Ihre Loyalität galt allein den Mitarbeitern und erst dann dem Unternehmen. Selbst die Reihenfolge der Worte ist insoweit wichtig.

Jeder Zusatz (Humorvolles Wesen, Einfühlsamkeit, Psychologisches Einfühlungsvermögen) birgt stets die Gefahr der negativen Interpretation und sollte weggelassen werden. Im Schlussatz hat dies ebenfalls nichts zu suchen.

Das Bedauern über Ihren Austritt ist dagegen grundsätzlich positiv. Es sollte aber noch der Grund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitgeteilt werden, insbesondere, ob die Trennung auf Ihren Wunsch oder aus betrieblcihen Gründen erfolgt. Nur wenn Ihnen hier verhaltens- oder krankheitsbedingt gekündigt wurde, sollte der Grund nicht mitgeteilt werden. Auch diese Information fehlt.

Die Glückwünsche im letzten Satz sind in Ordnung.

Im Ergebnis liegt m.E. ein unbrauchbares Zeugnis vor, da es zum einen in wesentlichen Teilen Auslassungen, zum anderen ungeschickte und kompromitierende Formulierungen enthält.

Sie sollten hier in jedem Fall auf eine Änderung pochen. Schließlich haben Sie über 13 Jahre dort gearbeitet.Beachten Sie aber, dass die vorliegenden Fehler keinem bösen Willen entsprechen müssen. Es ist gut möglich, dass ein ungeübter Zeugnisschreiber am Werk war. Beachten Sie auch, dass die von mir vorgeschlagenen Wertungen der Note "1" entsprechen.

Sie haben hierauf natürlich nur dann ANspruch, wenn Sie tatsächlich auch "sehr gut" waren. Freilich existiert für das gesamte "Notenspektrum" ein Formulierungskatalog, auf dessen Anwendung Sie bestehen sollten.

Ein Rechtsanwalt kann Sie hierzu umfassend beraten.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Einschätzung weiter geholfen zu haben.

mit freundlichen Grüßen

Fabian Sachse
Rechtsanwalt



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