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Bewerbungsgespräch

| 24.06.2005 22:04 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Sehr geehrter Herr Rechtsanwa(ä)lt(in),

ich möchte mich auf Stellen der Berufsfeuerwehren (BF) für den höheren technischen Dienst und bei einigen Werksfeuerwehren (WF) in Deutschland bewerben. Da innerhalb Deutschlands pro Jahr für diese Tätigkeit nur sehr wenige Stellen angeboten werden, möchte ich meine Bewerbungschancen mit einer Notlüge erhöhen.

Um die Rechtslage besser einschätzen zu können gebe ich Ihnen noch folgende Hinweise ( vielleicht sind diese ja auch überflüssig ):

Der Unterschied von einer BF zu einer WF ist folgender:

BF (Staat):
Nach der Einstellung zum Brandreferendar durchlaufen diese eine Ausbildung die 2 Jahre dauert. Während dieser Zeit ist man Angestellter im öffentlichen Dienst. Wenn dann nach diesen 2 Jahren und erfolgreichem Abschluß, freie Stellen zur Verfügung stehen, kann der "Brandreferendar" zum "Brandrat zur Anstellung" in das Beamtenverhältnis in Probe eingestellt werden. Nach erfolgreicher Probezeit von 3 Jahren wird man dann zum "Beamten auf Lebenszeit ernannt"

WF (freie Wirtschaft):
Die Ausbildung ist zu 100% die selbe. Der Arbeitsvertrag wird mit einer grösseren Firma (z.B: BMW ) abgeschlossen. Man ist dann normaler Arbeitnehmer, zunächst für die 2 jährige Ausbildung. Dann kann wieder ein neuer Arbeitsvertrag abgeschlossen werden.

In beiden Fällen besteht nach Abschluß der Ausbildung keine Übernahmepflicht des Arbeitgebers.


( Jetzt wird es wieder wichtig!!! )
Es ist laut meines Wissensstandes sehr von Nachteil, wenn man sich bei einer BF oder WF bewirbt und vorher schon mal Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr (FF) war, da man schon vorbelastet ist und während der Ausbildung angeblich nicht mehr so hinerzogen werden kann wie sich dies einige BF`s oder WF`s wünschen. Einige Freunde haben da schon Ihre Erfahrungen gemacht und wurden somit nicht genommen.

Nun meine Frage: Was passiert wenn man bei der Frage ob man schon mal einer FF angehört hat, oder noch Mitglied einer FF ist dies bewußt verneint und es dann mitunter durch diese Lüge zu einer Einstellung kommt. Die Auflistung im Lebenslauf fehlt dann natürlich auch. Anschließend wird dann bekannt daß man einer FF angehörte oder noch angehört. Kann man dann gekündigt werden. Ich könnte ja vor dem Bewerbungsgespräch die Mitgliedschaft schriftlich bei der FF kündigen und nach Antritt des Arbeitsverhälltnisses der FF wieder beitreten. Die Mitgliedschaft in einer freiwilligen Feuerwehr erfolgt stets in der Freizeit d. h. es ist ja eine Freizeitbeschäftigung oder sogar Hobby. Man muß ja auch nicht alle Hobbys dem zukünftigen Arbeitgeber angeben, oder?

Was raten Sie mir??? Soll ich lügen oder immer bei der Wahrheit bleiben.

Mit freundlichen Grüssen

XXX

Sehr geehrter Ratsuchender,

entgegen Ihrer Meinung ist es nach meinen Erfahrungen (mit einem großen dt. Automobilhersteller, der ein Außenwerk in Bremen hat) nicht von Nachteil, wenn man der FF angehört hat. Sofern Sie von Freunden sprechen, die entsprechende Erfahrung haben, wäre ich da in der Tat skeptisch und mir nicht so ganz sicher, ob dass nicht von Ihren Freunden nur vorgeschoben worden ist.

Unabhängig davon ist Sie bei Bewerbungen nicht verpflichtet, vonn sich aus Angaben zu Vorkenntnisses oder Mitgliedschaft der FF machen.

Auch solche Nachfragen müssen Sie nur dann wahrheitsgemäß beantworten, wenn der künftige Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse hätte ( z.B. Religionszugehörigkeit bei kath. Arbeitgeber, Trunkenheitsstrafe bei Berufskraftfahrer etc.).

Die Zugehörigkeit bei der FF kann aber nicht dazu gehören, da der Arbeitgeber kein Interesse daran haben kann und darf, die Mitarbeiter "hinzubiegen"; das Interesse kann nur an der Ausbildung und dem Einsatz des Arbeitnehmers gerechtfertigt sein. Und beides wollen Sie ja ausüben.


Ich hoffe, damit Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle

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