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Betriebsaufspaltung / Zurechnung Privatvermögen

| 04.11.2018 14:39 |
Preis: 90,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Abgrenzung private Vermögensverwaltung zum Gewerbebetrieb des Besitzunternehmers im Falle einer Betriebsaufspaltung

Hallo,

Ich habe vor kurzem zwei Immobilien als Privatperson erworben.

Immobilie 1 möchte ich entgeltfrei meiner stillen Gesellschaft (GmbH & atypisch still GmbH, ich bin an beiden GmbHs zu 100% beteiligt) zur Nutzung überlassen. Geschäftszweck der GmbHs ist Vermögensverwaltung/Vermietung und Verpachtung, somit besteht die Nutzung in der Weiterverpachtung der Immobilie durch die stille Gesellschaft. Mir ist bewusst, dass dies eine Betriebsaufspaltung auslöst mit der Konsequenz eines zusätzlichen Gewerbebetriebs auf Ebene meiner (bisher: Privat-)Person sowie der Aufdeckung stiller Reserven bei Betriebsaufgabe oder Veräußerung von Immo 1. Immo 1 und meine GmbH-Anteile werden vom Finanzamt unzweifelhaft dem Betriebsvermögen zugerechnet werden.

Immobilie 2 möchte ich direkt vermieten (bzw. über eine „normale" Hausverwaltung, mit der ich nicht verstrickt bin).

Ziel: Unbedingt vermeiden möchte ich, dass auch Immo 2 zu meinem Betriebsvermögen zugerechnet wird. Steuerfreie Veräußerbarkeit von Immo 2 nach 10 Jahren soll unbedingt möglich sein.

Nach meinem Verständnis gibt es kein Problem, da die Besitzgesellschaft (=ich) der Unternehmensaufspaltung als Einzelunternehmen aufzufassen ist, somit ist eine gewerbliche Infektion (anders als z.B. bei Personengesellschaften als Besitzges.) ausgeschlossen, somit bleiben Einkünfte aus Immo 2 Einkünfte aus VuV (und nicht aus Gewerbebetrieb), somit ist Immo 2 dem Privatvermögen zuzurechnen.

Diese Auffassung bitte ich zu prüfen und ggf. zu berichtigen und um eine Lösungsoption zu ergänzen, sofern möglich.

Vielen Dank und freundliche Grüße


Einsatz editiert am 04.11.2018 17:40:07
05.11.2018 | 09:47

Antwort

von


(23)
Tackheide 74a
47804 Krefeld
Tel: 02151 4467408
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Wie Sie zutreffend ausführen, ist die für Personengesellschaften geltende Vorschrift des § 15 Absatz 3 EStG auf Einzelunternehmer nicht anwendbar. Daher kann grundsätzlich jede natürlich Person neben einem als Einzelfirma ausgestaltetem Gewerbebetrieb eine private Vermögensverwaltung betreiben.

Zwar hat der BFH mit Urteil vom 23.10.1986 - IV R 214/84 entschieden, dass zum Betriebsvermögen einer Besitzgesellschaft - hier handelte es sich um eine Erbengemeinschaft - auch der Fremdvermietung gewidmeter Grundbesitz gehören kann.

im entschiedenen Fall war aber das fremdvermietete Grundstück vom Betriebsinhaber als Betriebsvermögen behandelt worden. Der BFH hat ausdrücklich festgestellt, dass die Einbeziehung des fremdvermieteten Grundstücksanteils als gewillkürtes Betriebsvermögen in den Vermögensvergleich zulässig war und zur Folge hatte, dass der Anteil nunmehr Bestandteil des Anlagevermögens des Unternehmens war. Der BFH führt weiter aus, dass der Erblasser oder auch die späteren Erben hätten diese Beziehung durch eine Entnahme aufheben können.

Nach dem Verständnis des BFH handelte es sich beim dem Grundstücksteil demnach nicht um notwendiges, sondern um gewillkürtes Betriebsvermögen, bei dem der Unternehmer die Wahl hat, es als Privat- oder Betriebsvermögen zu behandeln.


Ist eine natürliche Person teils gewerblich und teils freiberuflich tätig, und bestehen zwischen den Betätigungen keine sachlichen und wirtschaftlichen Berührungen (z. B. Arzt) betreibt eine Gaststätte, liegt keine einheitlicher Gewerbebetrieb vor, weil die Geprägetheorie bei Einzelunternehmen nicht eingreift.

Besteht ein sachlicher oder wirtschaftlicher Zusammenhang, (z. B. Augenarzt verkauft auch Kontaktlinsen) ist die Gesamtbetätigung einkommensteuerlich im Interesse sachgerechter Ergebnisse in der Regel getrennt zu beurteilen. Die aus jeder Tätigkeit herrührenden Einkünfte sind getrennt zu ermitteln. Eine einheitliche Beurteilung als Gewerbebetrieb ist nur geboten, wenn die einzelnen Tätigkeiten sich gegenseitig bedingen und derart miteinander verflochten sind, , dass sie nach der Verkehrsauffassung als Einheit anzusehen ist. Das ist herrschende Meinung ( siehe Schmidt, Kommentar zum Einkommensteuergesetzt, 37. Auflage, § 15 Rz. 97)

Übertragen auf Ihre Situtation (kein Freiberufler, stattdessen private Vermögensverwaltung) bedeutet das, dass die private Vermögensverwaltung nicht Teil des gewerblichen Besitzunternehmens ist, da die Tätigkeiten sich nicht gegenseitig bedingen, sondern eindeutig abgrenzbar sind, zumal die private Vermögensverwaltung auf einen Dritten übertragen wird und Überschneidungen dadurch verhindert werden.

Es kann daher mit der im Rechtsverkehr erforderlichen Sicherheit davon ausgegangen werden, dass das fremdvermietete Grundstück im Privatvermögen verbleibt, solange eine saubere Trennung der Bereiche sichergestellt ist.

Sie führen aus, Sie wollen Ihrer (wörtlich "meiner") stillen Gesellschaft die Immobilie 1 zur Nutzung überlassen. Da eine stille Gesellschaft nicht rechtsfähig ist, verstehe ich Sie so, dass Sie das Grundstück der einen GmbH überlassen, an der die andere GmbH atypisch still beteiligt ist und Sie selbst an dieser Mitunternehmerschaft nicht beteiligt sind.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Meyer
Rechtsanwalt
Steuerrecht Steuerstrafrecht


Rechtsanwalt Franz Meyer

Bewertung des Fragestellers 07.11.2018 | 17:04

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Vielen Dank, gerne immer wieder. Aber 100%ige Sicherheit gibt es im rechtlichen Bereich nie, wenn ein Gericht den konkreten Sachverhalt nicht entschieden hat.
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5/5,0

Super, vielen Dank für die ausführliche Auskunft!


ANTWORT VON

(23)

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47804 Krefeld
Tel: 02151 4467408
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