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Besteuerung stiller Reserven


12.07.2005 14:22 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Frage:

Sachverhalt: Einzelunternehmen als Gewerbebetrieb

1. Entnimmt der Unternehmer Gegenstände aus dem Unternehmen (Privatentnahme) muß die Entnahme zum Teilwert erfolgen, d.h. es kann ggf. zur Aufdeckung stiller Reserven führen, was ggf. (wenn es sich um sehr umfangfreiche werthaltige Gegenstände handelt), dazu führen kann, dass sich sein Einkommen so erhöht, dass er mit dem Spitzensteuersatz (Einkommensteuer) belegt wird.

2. Anders verhält es sich, wenn der Unternehmer die Betriebsaufgabe erklärt. Hier werden die stillen Reserven lediglich mit dem halbierten Spitzensteuersatz belegt. Insofern ist das steuerlich günstiger

1. Frage: sind die o.a. Ausführungen richtig??



2. Frage:

Wie ist folgendes Beispiel zu beurteilen:

Betriebsaufgabe in Zusammenhang mit dem Verkauf der Betriebsgrundstücke und des Betriebsgebäudes:

Buchwert (der veräußerten Gegenstände): 150 TEUR
Teilwert (der veräußerten Gegenstände): 300 TEUR
Verkaufspreis (der veräußerten Gegenstände) 460 TEUR

Da er zu einem guten Preis verkaufen konnte, realisiert der Unternehmer nicht nur die stillen Reserven von 150 TEUR sondern zusätzlich noch einen Gewinn von 160 TEUR

Die Frage ist nun, ob nur die 150 TEUR mit dem halbierten (Spitzen)-Steuersatz versteuert werden oder auch die 160 TEUR. Oder sind die 160 TEUR mit dem vollen Spitzensteuersatz zu versteuern?


Ich bitte Sie noch die Rechtsgrundlagen (Steuergesetze, Durchführungsverordnungen zu benennen!!
Zu Ihrer 1. Frage:

Hinsichtlich der Entnahme einzelner Gegenstände haben Sie Recht. Das entnommene Wirtschaftsgut ist mit dem Teilwert anzusetzen, die Differenz zum Buchwert ist als laufender Gewinn zu versteuern, hierbei besteht kein Freibetrag und keine Tarifbegünstigung.

Bei der Alternative "Betriebsaufgabe" ist die steuerliche Behandlung allerdings etwas komplizierter als von Ihnen geschildert:
So besteht zunächst ein Aufgabefreibetrag für alle Steuerpflichtigen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben oder
die dauernd berufsunfähig sind. Diesen Personen wird auf Antrag bei der Einkommensteuer ein Veräußerungs- / Aufgabefreibetrag von bis zu 45.000 Euro (Stand: 2004/2005) gewährt. Übersteigt der Veräußerungsgewinn allerdings den Betrag von 136.000 Euro, so mindert sich der Freibetrag um den übersteigenden Betrag, schmilzt also im Extremfall wieder auf 0,- ab.Dieser Freibetrag wird jedem Steuerpflichtigen nur einmal im Leben und nur einmal für ein bestimmtes begünstigtes Ereignis gewährt.

Nach Berücksichtigung dieses Freibetrages verbleibende steuerpflichtige Aufgabegewinne,die nicht schon nach dem Halbeinkünfteverfahren zu besteuern sind und
für die auch nicht ganz oder teilweise eine Rücklage nach § 6b oder § 6c EStG gebildet worden ist, unterliegen als außerordentliche Einkünfte einer ermäßigten Einkommensbesteuerung. Dies betrifft auch Veräußerungsgewinne aus einem Einzelunternehmen, da hier das Halbeinkünfteverfahren grundsätzlich nicht greift. Diese ermäßigte Einkommensteuer auf Veräußerungs- / Aufgabegewinne beträgt regelmäßig das Fünffache der auf einem Fünftel des Veräußerungsgewinns entfallenden Einkommensteuer.

Liegen die Voraussetzungen für die Gewährung des Veräußerungs- / Aufgabefreibetrags dem Grunde nach vor, ermäßigt sich die Einkommensteuer stattdessen (alternativ!) auf Antrag des Steuerpflichtigen bis zur Höhe eines Veräußerungsgewinns von 5 Mio. Euro auf auf 56% des durchschnittlichen Steuersatzes, allerdings jedoch nicht weniger als den jeweiligen Eingangssteuersatz, derzeit also 16%. Dieser Antrag kann im Leben nur einmal für nur einen Veräußerungs- oder Aufgabegewinn gestellt werden. Diese Sonderregelung für die Versteuerung des Aufgabegewinns finden Sie in § 16 Einkommensteuergesetz.

Zu Ihrem konkreten Beispiel:

Wird im Rahmen einer Betriebsaufgabe das Betriebsgrundstück veräußert, ist nicht der Teilwert maßgeglich, sondern der tatsächliche Verkaufserlös, in ihrem Fall also 460.000,- Euro, von denen nach Abzug des Buchwerts von 150.000,- Euro also 310.000,- Euro im Rahmen der Betriebsaufgabe (nach den oben dargestellten Kriterien) zu versteuern sind.

Wird dagegen der Betrieb (etwa auf einem anderen Grundstück) fortgeführt, also nur das Grundstück entnommen, kann die Versteuerung zwar auf den Teilwert abgestellt werden, allerdings muß dann klar erkennbar sein, daß das Grundstück bereits vor dem Verkauf entnommen wurde (ansonsten verkauft das Einzelunternehmen und versteuert den Buchgewinn voll als laufender Gewinn) und es sollte auch mit außersteuerlichen Überlegungen begründbar sein, warum die Entnahme erfolgt ist, damit diese Entnahme nicht als ein steuerlich unbeachtliches Umgehungsgeschäft gewertet wird (bei dem dann der Verkauf wieder dem Einzelunternehmen zugerechnet wird). Aber auch dann stellt sich natürlich die Frage, wieso der Teilwert, also der Marktwert nur 2/3 des Verkaufswertes betragen soll..

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben geholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Meisen
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Steuerrecht
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