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Besteuerung einer Abfindung bei Wohnsitz im Ausland bzw Firmengründung in Deutschland


10.08.2007 10:23 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Reinhard Schweizer



Sehr geehrte Anwältin, sehr geehrter Anwalt,

ich werde zum 31.08.07 über einen Aufhebungsvertrag mein Arbeitsverhältnis in Deutschland vorzeitig beenden (d.h., ich lasse mir die verbleibenden 4 Monate Kündigungsfrist auszahlen (gemeinsam mit dem Abfindungsbetrag als Einmalzahlung)

1) WOHNSITZFRAGE (Wo muss versteuert werden?)

Meine Frau und ich planen, ab 01.09.07 für mindestens ein halbes Jahr nach Brasilien zu gehen. Wenn wir unseren deutschen Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt abmelden und unseren Wohnsitz dann direkt in Brasilien anmelden, bin ich mit meinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ab diesem Zeitpunkt nur noch beschränkt steuerpflichtig.

-> Muss eine Abfindungszahlung von meinem ehem Arbeitgeber, welche im September (wenn wir dann schon brasilianischen Wohnsitz haben) geleistet wird, in Brasilien oder in Deutschland versteuert werden?

-> wenn in Brasilien versteuert werden kann, muss mein ehem. Arbeitgeber die Abfindung auf ein brasilianisches Konto einzahlen oder kann die Abfindung dann auch noch auf das deutsche Konto gezahlt werden? Wird vom Arbeitgeber dann die Abfindung ohne Abzüge als Bruttobetrag überwiesen? (den ich dann zur Steuer in Brasilien anmelden müsste)

-> da es zwischen Brasilien und Deutschland kein DBA mehr gibt, kann es passieren, das ich die Abfindung in Brasilien und auch in Deutschland versteuern muss?

-> wenn nicht in Brasilien versteuert werden kann, gibt es noch eine andere Möglichkeit, die Abfindung in Brasilien zu versteuern?


2) FRAGE FIRMENGRÜNDUNG (Einzelunternehmen)

Wenn doch nicht nach Brasilien gehen und ich noch dieses Jahr ein Einzelunternehmen in Dtl. gründe, kann ich mit Kosten, welche noch in 2007 im Gewerbe anfallen, meine Steuerlast für die Abfindung reduzieren? (Kosten aus Einzelunternehmen gegen die Besteuerung meiner Abfindung gegenrechnen?)
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gerne wie folgt beantworten möchte:

1.)
Abfindungen gehören steuerrechtlich zu den sonstigen Bezügen, die zum Zeitpunkt des Zuflusses zu versteuern sind (§ 38a Abs. 1 Satz 3 EStG).
Da Sie zum Zeitpunkt des Zuflusses (September) hier in Deutschland nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig sind, hat die Besteuerung in Brasilien zu erfolgen. Unerheblich ist, ob die Abfindung dann auf ein in- oder ausländisches Konto überwiesen wird. Der Überweisungsbetrag wird dann ein Nettobetrag sein, denn der Arbeitgeber hat die Abzüge unabhängig davon einzubehalten, ob der Arbeitnehmer zur Einkommensteuer veranlagt wird oder nicht (R 104 Satz 3 LStR).
Eine Doppelbesteuerung ist nicht denkbar, da wegen des Zuflussprinzips das Besteuerungsrecht nach Brasilien verlagert wird.

2.)
Die Aufwendungen aus dem Einzelunternehmen können nicht so ohne Weiters gegen die Besteuerung Ihrer Abfindung gegen gerechnet werden, da steuerrechtlich zwei verschiedene Einkunftsarten erzielt werden, die auch selbstständig zu ermitteln sind.
Aus dem Einzelunternehmen erzielen Sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die mit dem dort erzielten Gewinn/Verlust besteuert werden.
Die Abfindung wird jedoch als Bruttoarbeitslohn bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit angesetzt.
Es wäre jedoch im Einzelnen zu untersuchen, ob Ihre Steuerlast für die Abfindung nicht aus anderen Gründen abgemildert werden kann (z. B. Fünftelregelung, getrennte Veranlagung). Hierfür sollten Sie fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen, die dann anhand des konkreten Zahlenmaterials die Möglichkeiten für Sie überprüfen kann. Gerne bin ich Ihnen dabei im Rahmen eines Mandats behilflich.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in der Sache weiterhelfen konnte und weise bei Unklarheiten auf die kostenlose Nachfragefunktion hin.
Sollten Sie eine darüber hinausgehende Vertretung in Erwägung ziehen, empfehle ich Ihnen eine Kontaktaufnahme über die unten mitgeteilte E-Mail-Adresse. Einstweilen verbleibe ich

mit besten Grüßen

Reinhard Schweizer
Rechtsanwalt, Dipl.-Finanzwirt

E-Mail: reinhard.schweizer@gmx.net

Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, sodass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.

Nachfrage vom Fragesteller 10.08.2007 | 12:41

Sehr geehrter Herr RA Schweizer,

vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage.

Folgende Nachfrage hätte ich noch:

"Der Überweisungsbetrag wird dann ein Nettobetrag sein, denn der Arbeitgeber hat die Abzüge unabhängig davon einzubehalten, ob der Arbeitnehmer zur Einkommensteuer veranlagt wird oder nicht (R 104 Satz 3 LStR)."
==> das bedeutet, ich bekomme den Abfindungsbetrag Ende September erstmal "ganz normal" versteuert auf mein deutsches Konto ausbezahlt und kann dann im Lohnsteuerjahresausgleich für 2007 die auf die Abfindung bezahlte Einkommenssteuer zurückfordern? (Da ich diese ja dann in Brasilien abführen muss).

Vielen Dank und Gruß!

PS: wg eines evtl. Mandates melde ich mich Anfang nächster Woche nocheinmal per eMail bei Ihnen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.08.2007 | 12:49

Sehr geehrter Fragesteller,

Sie bekommen die Abfindung in der Tat "ganz normal" versteuert auf Ihr deutsches Konto ausbezahlt. In dem deutschen Lohnsteuer-Jahresausgleich können Sie die einbehaltenen Steuerbeträge jedoch NICHT zurückfordern, da der Lohnsteuerjahresausgleich nur für die Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht gilt.
Die Steuerbeträge werden dann vielmehr auf die brasilianische Steuer angerechnet.

Mit besten Grüßen
RA, Dipl.-Fw. Schweizer

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