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Besteuerung Gehalt, Tantiemen, Mieteinahm. bei Lebensmittelpunkt im Ausland


| 20.11.2009 22:05 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger J. Haberbosch



Folgender Sachverhalt:
----------------------------

- Ich erziele Mieteinnahmen aus einem mir in Deutschland gehörendem Haus
- Ich besitze als GmbH-Gesellschafter in Deutschland Anteile an 2 Firmen (=> Gewinne + Tantiemen)
- Ich bin als GmbH-Geschäftsführer in Deutschland bei einer Firma angestellt.

Situation seit 1.1.2009:
----------------------------

- Ich habe meinen Arbeitsplatz komplett nach Tschechien verlegt, d.h. arbeite von dort für die deutsche Firma als GmbH-Geschäftsführer weiter. (Home Office)

- Dieser neue Standort wurde in meinem Anstellungsvertrag entsprechend geändert. Das HomeOffice befindet sich in einem von mir und meiner Frau in Tschechien gebautem Haus. Es wurde von meiner Firma jedoch keine Betriebsstätte in Tschechien eröffnet.

- D.h. Lebens- und Tätigkeitsmittelpunkt ist seit 1.1.2009 Tschechien.

Situation seit 1.9.2009:
----------------------------

- Eheschließung in Tschechien (Heiratsurkunde wurde deutschen Behörden vorgelegt und anerkannt)

Situation seit 1.11.2009:
-----------------------------

- Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland (theoretisch hätte Abmeldung bereits am 1.1.2009 erfolgen können)

- kurze Aufenthalte in Deutschland fanden und finden auch in Zukunft noch zwecks Gesellschafterversammlungen, Kundenbesuchen u.ä. statt. Dann wohne ich im Hotel o. bei Eltern

Zusätzlich:
-------------

- Meine Firma in Deutschland wird in Kürze rückwirkend zum 1.1.2009 die Lohnsteuer für mein Gehalt nach Tschechien abführen. Momentan läuft noch die Anmeldung meiner Person bei den tschechischen Steuerbehörden.

- Ich bin in Deutschland noch in Steuerklasse I eingestuft obwohl ich verheiratet bin, da man mir auf dem Einwohnermeldeamt sagte, daß zur Einstufung in Steuerklasse III meine Frau mit mir in Deutschland leben müsste

FRAGEN:

1. Ist die Beibehaltung der Einstufung in Steuerklasse I korrekt wenn ich mit meiner Frau im europ. Ausland lebe ?

2. Welche meiner Einnahmen werden noch in Deutschland versteuert und wie ist die Ansetzung des Steuersatzes hierfür? (Progressionsvorbehalt?)

3. Hat das deutsche Finanzamt Anspruch auf Teilbesteuerung meines Gehaltes, bzw. Ist Skepsis angebracht, daß die deutsch. Finanzbehörd. versuchen werden eine Teilbesteuerung meines Gehaltes durchzusetzen?
(Laut tschechischen Finanzbehörden ist dem nicht so, da wie o.a. meine Firma die komplette Lohnsteuer nach Tschech. abzuführen hat)

Besten Dank vorab und schöne Grüße,

-- Einsatz geändert am 21.11.2009 09:16:49
Eingrenzung vom Fragesteller
21.11.2009 | 09:35
Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihre Fragen anhand des geschilderten Sachverhaltes und des ausgelobten Einsatzes wie folgt beantworten:

1. Für eine gemeinsame Veranlagung und den damit verbundenen Steuerklassenwechsel müssten beide Ehegatten gem §26 EStG unbeschränkt steuerpflichtig sein. Da Ihre Ehefrau weder gewöhnlichen Aufenthalt noch einen Wohnsitz in D hat ist sie nicht unbeschränkt steuerpflichtig, so dass eine gemeinsame Veranlgung richtigerweise ausscheidet.


2. Die weiteren Antworten gehen davon aus, dass Sie seit 1.1.09 keinen Wohnsitz, d.h. auch keine Ihnen zu Wohnzwecken jederzeit zur Verfügung stehende Wohnung, mehr in D besitzen und Sie auch Ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht mehr in D haben.

Die Einnahmen aus Vermietung, sowie die Gewinneinkünfte aus den GmbH-Anteilen sind inländische Einkünfte mit denen Sie als beschränkt steuerpflichtig in D gelten.

Gleiches gilt zunächst für die Einnahmen aus der Geschäftsführertätigkeit gem. §49 Abs 1 Nr. 4 EStG.

Da aber auch eine Besteuerung in Tschechien in Betracht kommt, muss das zwischen diesen Staaten bestehende DBA beleuchtet werden.

Laut Art 6 DBA sind die Einkünfte aus Vermietung D zugewiesen und werden in D wie üblich versteuert. In Tschechien werden die für die Findung des Steuersatzes eingezogen ( Progressionsvorbehalt)



Die Einnahmen aus der GmbH sind als Dividenden im Sinne des DBA zu verstehen. Gem. Art 10 DBA wird die Besteuerung Tschechien zugewiesen, wobei Deutschland eingeräumt wird diese Einnahmen mit pauschal 15% zu besteuern. Diese Steuer wird Ihnen in Tschechien wiederum gem. Art 23 DBA auf die dort zu entrichtende Steuer angerechnet wird.

Allerdings stellt §6 AStG eine Fiktion auf, dass wer eine Beteiligung an einem Unternehmen in D besitzt und die unbeschränkte Steuerpflicht endet, dies einem Verkauf dieser Anteile gleichgestellt wird und somit der Veräußerungsgewinn, der vorliegend ein Entnahmegewinn ist, der deutschen Besteuerung unterliegt, wobei für EU-Bürger die in ein EU-Land ziehen eine umfassende Stundungsmöglichkeit besteht.
Instruierend hierzu das aktuelle Urteil des BFH ( BFH, Beschluss vom 23.9.2008, Az. I B 92/08)


3.Die Einnahmen als Geschäftsführer sind gem Art. 15 DBA der Tschechei zugewiesen. Allerdings unterliegen diese Einkünfte gem. §32b EStG dem Progressionsvrobehalt, werden also bei der Bemessung des Steuersatzes miteinbezogen.


Eine Besteuerungsmöglichkeit des deutschen Finanzamtes bezüglich Ihrer Lohneinkünfte kann ich nicht sehen.


Wie Sie sehen ist die Besteuerung bei Wegzugsfällen sehr kompliziert und im Einzelfall zu prüfen. Kleinste Sachverhaltsänderungen ergeben andere Ergebnisse.

Dennoch hoffe ich, Ihnen einen ersten Überblick im Sinne einer Erstberatung gegeben zu haben und wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende.


Nachfrage vom Fragesteller 21.11.2009 | 13:59

Sehr geehrter Herr Haberbosch,

Danke für Ihre schnelle und soweit verständliche Antwort.

Ich bin nicht sicher, ob der Umfang meiner Nachfrage so erlaubt ist, allerdings würde mir ein konkretes Rechenbeispiel bzgl. Steuerbelastung in Deutschland helfen.

Folgende Einnahmen liegen vor:

1. Gehalt 100.000,- EUR (zu versteuern in Tschechien)
2. Mieteinnahm. 10.000,- EUR (Versteuerung in BRD - Steuersatz ?)
3. Gewinnausschütt. GmbH 50.000,- EUR (Versteuerung in BRD - Steuersatz 15% ?)
4. Tantieme GmbH 10.000,- EUR Versteuerung in BRD - Steuersatz 15% ?)

Können Sie mir als Orientierung mitteilen, wieviel Steuern ich bei dieser Konstellation in Deutschland zahlen müsste?
(der Einfachheit halber davon ausgehend, daß ich nichts von der Steuer absetzen kann bzw. werde)

Besten Dank und auch Ihnen ein gutes Wochenende

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.11.2009 | 14:16

Sehr geehrter Fragesteller,

tatsächlich geht die Berechnung der Steuer über die Ausgangsfrage hinaus. Deshalb möchte ich Ihnen nur exemplarisch und vereinfacht den Fall darstellen, für eine genaue Berechnung müssten Sie einen erneuten Auftrag geben.

1. Die Gewinnausschüttung und Tantiemen sind mit der Zahlung von 15% abgegolten in D.
2. Die Mieteinnahmen sind voll in Höhe von 10.000,00 € zu versteuern, angewandt wird aber ein Steuersatz, der bei einem Einkommen von 110.000 €( 10.000+100.000) anzuwenden wäre. Vorliegend wären dies nach Einkommensteuertabelle (Grundtabelle) 36,5 %, somit müssten Sie auf die Mieteinnahmen 3650,00 € Einkommensteuer zahlen. Nicht berücksichtigt habe ich Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer usw.

Hinzu würtde dann im Übrigen noch die von mir erwähnte Wegzugsbesteuerung des Wertes der GmbH-Anteile kommen, siehe 2. oben letzter Absatz.

Ich hoffe Ihre Frage nun zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Haberbosch

Bewertung des Fragestellers 21.11.2009 | 15:09


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