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Besteuerung / Angabe deutscher Kapitaleinkünfte bei Wegzug nach Tschechien

| 12.05.2020 15:56 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Ich bin im Mai 2019 mit meiner Familie nach Tschechien gezogen und habe meinen festen Wohnsitz in Deutschland aufgegeben. Bis April 2019 habe ich noch ein deutsches Gehalt bezogen und habe im Jahr 2019 Kapitaleinkünfte aus einem deutschen Wertpapierdepot sowie aus diversen Vermietungen in Deutschland erzielt. Hinzu kam 2019 eine tschechische Festgeldanlage, die 2020 ausgezahlt wird.

In meiner Steuersoftware werden für die deutsche Steuererklärung 2019 ausländische Einkünfte abgefragt, die in Deutschland aufgrund der beschränkten Steuerpflicht nicht versteuert werden müssen, wohl aber den Steuersatz erhöhen.

1) Zählt die Wertsteigerung und die Dividenden meines deutschen Wertpapierdepots zu diesen ausländischen Einkünften, da ich meine weltweiten Kapitaleinkünfte ja in Tschechien versteuern muss? Falls nicht, wo sollen diese ansonsten angegeben werden?

2) Wenn die Rede von Einkünften ist, gilt dann zur Berechnung dieser deutsches oder tschechisches Steuerrecht? Hintergrund: In Tschechien fallen nur Steuern beim Verkauf von Wertpapieren an, in Deutschland auch auf deren Wertsteigerung.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen gern verbindlich wie folgt beantworten:

Ihre unbeschränkte Steuerpflicht endet mit dem Wegzug aus Deutschland in 05/2019. Die Einkünfte aus nichtselbsständiger Tätigkeit bis dahin sind in der deutschen Steuererklärung 2019 als steuerpflichtig anzugeben.

Im Jahr des Wegzuges sind die Einkünfte ab 05/2019 in der Anlage AUS als Progressionseinkünfte (d.h. für die Berechnung des Steuersatzes) anzugeben, sofern nicht aus deutscher Sicht inländische Einkünfte (folgt aus § 32b EStG: Progressionsvorbehalt ).

Die Ermittlung auch nicht inländischer (=ausländischer Einkünfte) für Progressionszwecke erfolgt ausschließlich nach deutschen Maßstäben/Vorschriften.

Hierzu gehören die Einkünfte aus nichtselbsständiger Tätigkeit außerhalb Deutschlands nach dem Wegzug.

Bei Kapitaleinkünften sind in Deutschland nur Dividenenden und Veräußerungsgewinne aus Verkäufen steuerpflichtig. Wertsteigerungen bleiben auch in Deutschland unberücksichtigt, solange diese nicht durch Verkauf realsisiert werden.

Allerdings sind Kapitaleinkünfte weiterhin inländische Einkünfte nach § 49 EStG: Beschränkt steuerpflichtige Einkünfte , wenn diese von einem Schuldner mit Sitz im Inland gezahlt werden. In den Fällen sind es keine ausländischen Progressionseinkünfte, auch wenn das Besteuerungsrecht nach DBA nach dem Wegzug richtigerweise im Wohnsitzstaat Tchechien liegt. Klingt kompliziert, ist aber so ;-)

Die Mieten aus in Deutschland liegenden Immobilien bleiben nach dem Wegzug in der deutschen beschränkten Steuerpflichtig, sind also für ganz 2019 (und auch spätere Jahre) hier als steuerpflichtige, beschränkt steuerpflichtige Einkünfte weiter zu erklären (Anlage V, nicht anlage AUS).

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nils Hoefer
RA/StB

Rückfrage vom Fragesteller 13.05.2020 | 16:17

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Die folgende Passage ist mir noch nicht ganz klar:

"Allerdings sind Kapitaleinkünfte weiterhin inländische Einkünfte nach § 49 EStG: Beschränkt steuerpflichtige Einkünfte , wenn diese von einem Schuldner mit Sitz im Inland gezahlt werden. In den Fällen sind es keine ausländischen Progressionseinkünfte, auch wenn das Besteuerungsrecht nach DBA nach dem Wegzug richtigerweise im Wohnsitzstaat Tchechien liegt."

Mein Depot hat quasi drei Arten von Einnahmen: Dividenden von Fondsanteilen, Wertsteigerung von Fondsanteilen und Verkäufe von Fondsanteilen. Muss ich jetzt dann also aus dutzenden von Investmentfonds, die von deutschen Gesellschaften ermitteln und deren Dividenden und Verkaufserlöse ab Juni 2019 ausrechnen und in die Anlage KAP eintragen bzw. versteuern? Ich gehe mal davon aus, dass über das DBA dann diese Beträge in Tschechien erstattungsfähig sind, denn dort muss ich hierfür anscheinend auch Steuern zahlen.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 14.05.2020 | 09:28

Es ist tatsächlich etwas kompliziert geregelt:

Bis zum Wegzug sind alle Kapitaleinkünfte (Dividenden und Verkäufe, aber keine unrealisierten Wertsteigerungen) in der Anlage KAP zu erklären, ggf unter Anrechnung ausländischer Quellensteuer.

Nach dem Wegzug muss zwischen inländischen und ausländischen (Kapital-)einkünften differenziert werden:

Maßgeblich ist der Sitz des Schuldners, also der ausschüttenden Gesellschaft.

Inländische Kapitaleinkünfte müssen nicht mehr in der deutschen Steuererklärung als steuerpflichtige Einkünfte erklärt werden, wenn diese aus einem Staat stammen mit dem ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht (ohne alle in Frage kommenden DBA prüfen zu können ist regelmäßig der Wohnsitzstaat berechtigt, Quellensteuereinbehalte bei bestimmten Beteiligungshöhen in den einzelnen DBA ebenfalls möglich). Sollte hierauf ein deutscher Steuereinbehalt (Kapitalertragsteuer) stattgefunden haben, ist dies als anrechenbare Steuer in der anmlage KAP anzugeben. Für zukünftige Ausschüttungen kann eine Freistellung von der deutschen KapESt beantragt werden.

Ausländische Kapitaleinkünfte müssen nur im Jahr des Wegzuges in der Anlage AUS als Progressionseinkünfte nach § 32b EStG: Progressionsvorbehalt angegeben werden, d.h. diese werden nicht besteuert sondern erhöhen allenfalls den Steuersatz.

MfG

Ergänzung vom Anwalt 14.05.2020 | 09:32

Dieser Passus

, wenn diese aus einem Staat stammen mit dem ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht (ohne alle in Frage kommenden DBA prüfen zu können ist regelmäßig der Wohnsitzstaat berechtigt, Quellensteuereinbehalte bei bestimmten Beteiligungshöhen in den einzelnen DBA ebenfalls möglich).

ist zu streichen. Hier gilt aus tschechischer Sicht die Besteuerung im Wohnsitzstaat. für DE-Tchechien also nicht weiter zu beachten...

Bewertung des Fragestellers 15.05.2020 | 06:24

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