Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Besteht eine Möglichkeit einen Anteil aus dem Erbe der Ihr im Normalfall als Kind zustehen würde zu

| 27.02.2012 08:15 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Heiko Tautorus


Meine Frau, 45 ist das erste Kind ihres kürzlich verstorbenen Vaters aus erster Ehe.
Die erste Ehe ist vor ca 41 Jahren gechieden worden.
Der Vater meiner Frau hat wieder geheiratet 2 weitere Kinder bekommen und in
den folgenden Jahrzenten ein beträchtliches Vermögen angesammelt.
Mehrfamlienhaus, Eigentumswohnungen etc.
Wie wir vermtuten hat er sein gesamtes Vermögen
vor vielen Jahren auf seine Frau übertragen.
Besteht eine Möglichkeit einen Anteil aus dem Erbe der Ihr im Normalfall
als Kind zustehen würde zu erhalten, oder ist das rechtlich so, dass Sie es eher vergessen sollte.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Sie werden sicher noch mehr Fragen haben, aber zunächst die (inzident) gestellten Fragen.

Ich gehe davon aus, dass der Verstobene, hierzu mein Beileid, im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebte. Es handelt sich um 3 leibliche (oder adoptierte) Kinder, die nicht selbst von einer anderen Person adoptiert wurden.

"Die erste Ehe ist vor ca 41 Jahren gechieden worden."

Dies hat insofern Einfluss, als zu dieser Zeit möglicherweise ein gemeinschaftliches Testament (Ehegattentestament) vorliegt, welches nicht geändert wurde. Dieses Testament könnte Regelungen für Dritte (Kinder) getroffen haben, die über die Ehe hinaus Wirkung hatten und haben.

"Der Vater meiner Frau hat wieder geheiratet 2 weitere Kinder bekommen "

Dadurch erhöhen sich die gesetzlichen Erben.

Bei gesetzlicher Erbfolge, ohne Testament, haben nach §§ 1931 Abs. 1, 1371 Abs. 1 BGB die Witwe mit 1/4+1/4 am Nachlass und die Kinder mit je 1/6 ihren Anteil.

(Nur) Der Vollständigkeit halber, sollte Ihre Frau sich noch in/vor Ausbildung befinden, so ist die Witwe nach 3 1371 Abs. 4 BGB verpflichtet:

Auszug:
"so ist der überlebende Ehegatte verpflichtet, diesen Abkömmlingen, wenn und soweit sie dessen bedürfen, die Mittel zu einer angemessenen Ausbildung aus dem nach Absatz 1 (dem EINEN Viertel d.U.) zusätzlich gewährten Viertel zu gewähren."

Sie vier bilden nun eine Erbengemeinschaft, die sich auseinandersetzen muss (§2032 Abs. 1, 2 BGB).

"Wie wir vermtuten hat er sein gesamtes Vermögen ..."


Die Vermutung sollte dringend belegbar nachgefragt werden.

Eine Auskunftsplicht der Witwe als Miterbe besteht nach § 2057 BGB für die Ausstattungen, Zuschüsse, Berufsausbildungskosten (ugs. Aussteuer) und sonstigen Zuwendungen § 2050 BGB. Für Letzteres müsste die Ausgleichung jedoch mit der Schenkung oder später im Wege einer Verfügung von Todes wegen angeordnet worden sein.

Für die Grundstücksübertragungen, wäre dies im Schenkungsvertrag (notarielle Form, wegen des Grundstücks zwingend) zu vermerken gewesen.

Für diese Auskunftspflicht kann möglicherweise die "Drohung" auf Verpflichtung zur Abgabe einer eidesstattliche Versicherung durch den Zuwendungsempfänger mehr Nachdruck verhelfen.

Grundsätzlich hat jedoch die Rechtsprechung einen weitergehenden Auskunftsanspruch (auch nicht aus Treu und Glauben) abglehnt. (Um im Einzellfall wieder Ausnahmen zu gewähren...)

So z.B., wenn der Miterbe mit dem Nachlass(-gegenständen) folgende Handlungen vorgenommen, mithin diesen Nachlass "allein" verwaltet:

-die Geltendmachung von Nachlassforderungen gegenüber den Schuldnern des Erblassers

-die Übertragung oder Belastung von Grundstückeigentum(anteilen) des Erblasser

- die Regelung von unternehmensbezogenen Belangen, z.B. die Abwicklung oder Führung von Firmen des Erblassers

-die Begleichung von Schulden des Erblassers aus dem Nachlass

-die Geldanlage von Nachlasskapital bis zur Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Des Weiteren besteht ein Auskunftsanspruch noch gegenüber Miterben, soweit Sie einen Nachlassgegenstand aus dem Nachlass entfernt haben (verkauft), ohne dass die Erbengemeinschaft Besitz ergreifen konnte. Auf den Grund für die Entfernung kommt es dann nicht (mehr) an (§ 2027 Abs. 2 BGB), da der Miterbe vor Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft einen Teil des Nachlasses sich zugeignet hat.

"vor vielen Jahren auf seine Frau übertragen."

Schenkungen sind im Wege der Sonstigen Zuwendungen des § 2050 BGB und im Wege der Pflichtteilsergänzungansprüche bei testamentarischer Enterbung bzw. Beschränkung relevant. (Hierzu bedarf es jedoch des Einblickes in das Testament.)

Hier gilt eine 10 Jahresfrist. (§ 2325 Abs. 3 Satz 1 BGB)

GAAAANZ wichtig, ist aber der § 2325 Abs. 3 Satz 3 BGB

"Ist die Schenkung an den Ehegatten erfolgt, so beginnt die Frist nicht vor der Auflösung der Ehe."
...mit dem Tod.

Die Schenkung an den Ehegatten begünstigt die testamentarischen Erben!! Sie wird aber nicht rückgängig gemacht, sondern nur der Wert fließt in den fiktiven Nachlass ein.

Es wird der Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalles angesetzt (§ 2311 Abs. 1 BGB).

Zusammenfassung:
"Besteht eine Möglichkeit einen Anteil aus dem Erbe der Ihr im Normalfall
als Kind zustehen würde zu erhalten, oder ist das rechtlich so, dass Sie es eher vergessen sollte.
"
Entscheidend für das weitere Vorgehen ist die Frage der Erbenstellung (Testament ja/nein, Enterbung...).

Ja, Sie können sich Hoffnungen machen, die Höhe ist jedoch (noch) Spekulation.

Insbesondere Schenkungen an die Witwe sind im Falle einer testamentarischen Erbschaft sehr relevant.

Auch bei Schenkungen unter Berücksichtigung gesetzlicher Erbfolge ist nicht "alles" verloren.

Sie sollten erstmal vorfühlen und so viele Informationen, wie möglich (gütlich) zusammentragen.

Denken Sie daran, dass Sie mit Erbschein auch Auskünfte von Dritten (Steuerberater, Bank, Versicherung, Hausverwalter), jedoch nur an die Erbengemeinschaft verlangen können. Sie müssen die Dritten ja nicht auf deren Verpflichtung (an die Erbengemeinschaft Auskunft zu geben), statt (nur) Ihnen hinweisen.


Nochmal der Hinweis: Bei einem vorliegenden Testament kann sich einiges anders darstellen bzw. ist anders zu bewerten.

-----------------
Ich hoffe, dass ich Ihnen eine erste Orientierung in der Sache geben konnte.

Sollte sich der Sachverhalt doch etwas anders darstellen, nutzen Sie bitte die Nachfrage.

Sie können mich jederzeit über die Kontaktdaten in meinem Profil erreichen und auch in anderen Angelegenheiten beauftragen.

Es sei noch der Hinweis erlaubt, dass die rechtliche Einschätzung ausschließlich auf den von Ihnen mitgeteilten Tatsachen beruht und dass durch das Hinzufügen oder Weglassen von weiteren tatsächlichen Angaben die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen kann.

Bewertung des Fragestellers 29.02.2012 | 06:24

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Für mich war es mal wieder der Beweis das es ohne Anwalt oft nicht geht
Danke."
FRAGESTELLER 29.02.2012 4,8/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70917 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
Habe auch am späten Abend unerwartet die Frage innerhalb 1,5 h beantwortet bekommen, sehr verständlich. Meine Frage von 3/4 Seite wurde in 5-6 Zeilen konkret beantwortet, keine Ausflüchte. So möchte man es immer haben, auch wenn ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr hilfreich, kompetent und schnell. Vielen Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ich habe eine schnelle und ausführliche und verständliche Antwort bekommen. Vielen Dank dafür. ...
FRAGESTELLER