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Bestattungskosten, Wucher, unmoralische Sittenwidrigkeit?

27.01.2021 18:33 |
Preis: 60,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von


Hallo, innerhalb kurzer Zeit hatte ich drei familiäre Todesfälle abzuwickeln. Auch von Bekannten habe ich nun erfahren, dass diese Trauersituationen regelmäßig ungerechtfertigterweise ausgenützt werden und den Trauernden wie ich meine - unrechtmäßige und überteuerte Positionen in Rechnung gestellt werden. Dass uns das nicht noch einmal passiert möchte ich mich über die rechtliche Situation erkundigen.

Unklare Positionen:
1. Auftragsanlage € 129.--
2. Auslagenpauschale € 33.-- (ohne Nachweis)
3. Sargdesinfektion € 39.-- ???

Eine Desinfektion eines Sarges könnte allenfalls den Sinn (Unsinn) haben, dass die Leiche sich keine Krankheiten mehr zuziehen könnte, an denen sie versterben könnte ?

Wohlgemerkt: nicht das desinfizieren der Leiche wurde in Rechnung gestellt, sondern des SARGES!
Die Leiche selbst war nicht infektiös oder litt gar an ansteckenden Krankheiten. Zudem wurde die Tote von mir persönlich gewaschen, desinfiziert und eingekleidet.
Die Leiche und der Sarg wurden nach einigen Stunden bei über 800 Grad verbrannt. Eine der wohl effektivsten Desinfektionsmethoden...

Einsargung € 145.--
Trägerdienst € 145.--

Diese zwei Dienste dauerten mit 2 Mann gerade mal 20 Minuten. Das heißt einen Stundensatz von annähernd € 435.-- pro Person. Wenn man bedenkt, dass es sich dabei meist lediglich um ungelernte bzw. kurz angelernte Personen handelt, ganz schön überzogen. Nicht?

Kissen und Decke: € 198.--

Wohlgemerkt kein Zierkissen, nicht verziertes oder gesticktes, sondern billige Synthetikware die im Geschäft maximal € 25.-- kostet.

Meine Fragen:
könnte man sich gegen solche unmoralischen, meiner Meinung nach sittenwidrige, weit überteuerten und teilweise nicht erbrachten Leistungen wehren?

Könnte man die ganze Sache oder einzelne Elemente als sittenwidrig werten?

Ist das alleinige "Anlegen eines Auftrages mit 129.--" überhaupt berechenbar?

Allenfalls könnte man daraus eine Beratung konstruieren, die jedoch nie stattgefunden hat, leidiglich wurden mir Leistungen/ Dinge verkauft und aufgeschwatzt.

Doch auch hier möchte ich erwähnen, dass ich viele Jahre in unserer Arztpraxis selbständig war, als Ärztliche Erstberatung und Anlage eines "Auftrages" (Karteikarte) hatten wir nach GOÄ gerade mal € 16.52 in Rechnung gestellt.
Das hieße für einen Toten (ohne weiteres Risiko) durch eine ungelernte nicht studierte Person, könnte hier das mehr als 6fache verrechnet werden?

Ist eine nicht spezifisch belegte Kostenpauschale v € 33.-- für einen Bestatter rechtens?

Wahrscheinlich werde ich die Rechnung so wie sie ist bezahlen um die Sache abzuschließen, doch genau das ist es wahrscheinlich was diese Bestatter unmoralisch und nach meiner Meinung sittenwidrig ausnützen.

Im Sinne weiterer "Opfer" und um bei meiner eigenen Beerdigung solche unverhältnismässige Kosten für meine Erben zu ersparen (... die sollten das Geld besser für eine Party nutzen...) würde mich eine rechtssichere Auskunft Ihrerseits freuen, die ich dann gerne zu meinen Sterbepapieren legen würde.

Noch anzumerken wäre, dass ich bei der Zentrale selbigen Bestattungsinstitutes wegen Preisen angefragt habe. Lapidar wurde geantwortet, dass dies vorab nicht möglich sei und dass sich die Kosten aus verschiedenen Einzelpositionen zusammensetzen würde, die man nicht voraussagen können eine Preisliste gäbe es keine...

Nichts ist umsonst lediglich der Tod...
Tja, wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über diese Dreistigkeit der Bestatter, auf die so viele reinfallen, fast etwas schmunzeln...

Danke.
Mit freundlichen Grüßen



27.01.2021 | 21:07

Antwort

von


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81375 München
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

§ 138 BGB: Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher bestimmt:

(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.

Ein Verstoß gegen die guten Sitten nach Abs. 1 liegt nicht vor, das wäre die Vornahme einer allgemein missbilligenden Handlung, wie eine Belohnung für einen Auftragsmordes - um beim Tod zu bleiben.

Es könnte Wucher sein nach Abs. 2. Dafür müsste aber Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis sein. grobes Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung liegt vor, wenn der Wert der Leistung knapp doppelt so hoch ist wie der Wert der Gegenleistung.

Dazu muss man jedoch die Preise der übrigen Bestatter kennen. Sie können nicht eine Teilleistung wie das Zierkissen nehmen und diesen Wert berechnen. Auch Ihre Erfahrungen aus der Arztpraxis helfen da nicht weiter.

Dass auch der Sarg von Bakterien gereinigt werden muss, die ein Leichnam produziert, wird auch von keinem Gericht in Frage gestellt werden. Auch dass Sie den Leichnam laienhaft bereits gewaschen haben, wird dabei kein gewichtiges Argument sein.

Ebenso verhält es sich beim Anlegen eines Auftrages - Sie müssen Vergleichsangebote einholen.

Ohne diese lässt sich nicht feststellen, ob ein auffälliges Missverhältnis - und damit Wucher - vorliegt.

Meine Vermutung ist jedoch, dass alle Bestatter ähnlich hohe Preise verlangen. Mit dem Tod lässt sich eben viel Geld verdienen - als Auftragsmörder oder als Bestatter.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rückfrage vom Fragesteller 27.01.2021 | 21:36

Hallo und Danke für die Antwort.
Bitte nochmals höflich meine gestellten Fragen durchzulesen und wie gewünscht zu beantworten.
1. Nach welcher Rechtsgrundlage kann das alleinige Anlegen von Personalien für einen Verkauf oder Auftrag wie hier mit € 129.-- in Rechnung gestellt werden. 2. € 33.-- Auslagenersatz ohne Nachweis sind meines Wissens nur bei bestimmten Berufsgruppen RA usw. möglich. Bezüglich der Sargdesinfektion - rechtlich zwar unwichtig, aber für das Gesamtbild der Abzocke doch interessant: bitte lesen Sie das Geschriebene nochmals durch: Die Leiche wurde so wie von mir vorbereitet in den Sarg gelegt und so verbrannt. Die Leiche wurde nicht mehr umgebettet... und der Sarg wurde - nicht wie Sie schreiben ... "von Bakterien die der Leichnam produziert..." (klingt ja direkt makaber... gereinigt oder desinfiziert... denn es kam sofort alles in die Verbrennung....
Na ja... es war dumm von mir, aus der Emotion heraus ausschweifend zu schreiben. Schade, Hoffe, dass Sie mir wenigstens die 2 Fragen rechtskonform beantworten können. Danke.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 27.01.2021 | 22:00

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihnen die Fragen im Detail.

1) Die rechtliche Grundlage ist in jede Falle der Vertrag. Natürlich muss man berücksichtigen, dass ein Bestatter eruieren muss, welche Leistungen erforderlich bzw. gewünscht sind und diese Auftragserteilung ist auch eine Leistung. Inwieweit dies in einem auffälligen Missverhältnis zu anderen Bestatter steht, kann ich in diesem Rahmen nicht beantworten.
Aber wie ich versucht habe zu erläutern, es kommt auf den Vergleich zu anderen Bestatter an.
Nicht auf die Auftragserteilung anderer Berufsgruppen.

2. Bei den Auslagen ist es dasselbe: welche Auslagen üblich sind, muss erst herausgefunden werden.

Aber es ist jedenfalls so, dass der Bestatter Ihnen auf Rückfrage jede Position erklären muss. Sollte das am Beispiel der Auslage nicht der Fall sein und in Wahrheit sind gar keine Auslagen angefallen, dann wäre es tatsächlich Betrug und Sie könnten den Vertrag anfechten.

Ich empfehle Ihnen daher zu folgendem Vorhehen:

Fordern Sie den Bestatter unter Verweis auf die unüblich Preisgestaltung der einzelnen Positionen auf, jede zu erklären.

Weisen Sie ihn darauf hin, dass im andern Fall eine Täuschung im Raum steht, welche Sie in Ihrem Zustand gewillt sind, strafrechtlich zu verfolgen.

Bei weiteren Fragen können Sie mich gerne auf meiner E-mail Adresse anschreiben.

Beste Grüße
RA Richter

P.S. Sie haben recht, wenn ich den emotionalen Part ausser Acht gelassen habe und versucht habe, auf den Kern Ihrer Frage einzugehen. Ich hoffe, es ist jetzt klar geworden.

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