Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Bestandsschutz und Nutzungsänderung: Scheune in Wohnhaus

16.11.2020 23:47 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Wir sind direkte Nachbarn eines Grundstücks, welches mit einer Scheune bebaut ist. Die Scheune steht westlich und östlich direkt an der Grenze. Wir blicken von Norden auf die Scheune. Die Scheune unterliegt dem Bestandsschutz. Das Landesbauamt (Heidelberg) gibt sich wohl (bezogen auf vorherige Bauvoranfragen) aber tolerant bzgl. Nutzungsänderungen in ein Wohnhaus (Stichwort: maßvolle Nachverdichtung). Nun gibt es einen Bauantrag, der die Scheune in ein Zweifamilienwohnhaus umbauen möchte. Dies soll natürlich im Rahmen des Bestandsschutzes passieren, so dass das Gebäude weiterhin direkt an den beiden Grenzen stehen darf.

Der Bauantrag umfasst drei massive Gauben in Südrichtung (in Richtung unseres Grundstücks), die über eine Sondergenehmigung (größer als normalerweise erlaubt) realisiert werden sollen. Wo die aktuelle Scheune nur im EG ein Fenster besaß (das OG war durch das Satteldach "versteckt"), hat der Neubau nun eine ganze Armada an Fenstern (10 Stück in EG + OG). Das Dach selber zieht sich deutlich zurück. Diese Fenster haben alle direkten Blickkontakt in unseren Garten. Die Scheune ist gerade mal 7m von der Grenze im Süden entfernt. Unsere Terrasse ca. 15m.

Zusätzlich soll an der Nordseite noch eine Aussentreppe angebracht werden um die obere Wohneinheit zu erreichen. Zu guter Letzt soll ein sogenannter Doppelparker für die benötigten vier Parkplätze (auf zwei "Etagen") sorgen. Dieser ist 3,75m hoch geplant und soll direkt an der Grenze zu unserem Grundstück stehen. Ein Ein- und Ausparken geht hier nie auf direkten Weg. Für beide Wege wird im aktuellen Plan ein mehrfaches rangieren notwendig sein.

Nach unserem Dafürhalten sprechen viele Aspekte gegen diesen Bauantrag. Wir empfinden die Kubatur als geändert (selbst wenn die eigentlichen Außenmaße der Mauern identisch sind) - die Identität ist definitiv eine andere. Weiterhin ist die Nutzungsintensität von einer wenig genutzten Scheune (besseres Gartenhaus) in ein Mehrfamilienhaus definitiv in einer ganz anderen Kategorie. Der Doppelparker und die Aussentreppe erweitern in gewisser Art und Weise auch die alte Scheune.

Der Käufer der Scheune hat sich entgegen anderer interessierter Käufer gegen eine Bauvoranfrage entschieden.

Können Sie abschätzen in wie weit - bezogen auf Urteile und das Landesbaurecht in Baden-Württemberg - es hier Möglichkeiten gibt, gegen dieses Vorhaben anzukämpfen? Im Fall des Falles: das Landesbaurechtamt nicht die letzte mögliche Instanz. Sie würden uns sehr helfen mit verlinkbaren gerichtlichen Entscheidungen, die unsere Stellungnahme unterstützen würden.

17.11.2020 | 00:26

Antwort

von


(1412)
Hallestr. 101
53125 Bonn
Tel: 0228 629 46 462
Tel: 0179 4822457
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrte Fragensteller,

basierend auf Ihrer Schilderung scheinen Rechtsmittel durchaus Erfolgsaussichten zu haben.

Siehe z.B.

VG Düsseldorf, Urteil vom 05.11.2002 - 4 K 2628/02 , das auch auf Ihr Bundesland anwendbar ist.

("Danach wird der in § NRWBAUO2018 § 6 BauO NRW geschützte und hier allein in Betracht kommende nachbarliche Belang des Wohnfriedens durch die geänderte Nutzung der Beigeladenen nicht zulasten des Klägers beeinträchtigt. Ein Teil des bestehenden Gebäudes wurde schon bisher zu Wohnzwecken genutzt. Der Wohnfrieden ist dadurch bereits berührt, zumal auf der nordöstlichen, dem Grundstück des Klägers zugewandten Seite im Erdgeschoss schon ein Fenster vorhanden ist. Eine zusätzliche Wohnung wird nicht errichtet, es handelt sich bei dem Bauvorhaben lediglich um die Erweiterung der bestehenden Wohnung. Die Zahl der Bewohner ändert sich nicht. Eine Einsichtnahme auf das Nachbargrundstück ist, vom vorhandenen Fenster abgesehen, nicht möglich, weil sich die Dachfenster in vier Metern Höhe befinden und im Obergeschoss eine Wand abgemauert ist. Die Fenster dienen ausschließlich der Belichtung des Wohnraumes; eine Fernbedienung wird nicht installiert. Das Öffnen der Fenster ist nur zum Reinigen vorgesehen. Zusätzliche Geräuschbelästigungen sind daher nicht zu erwarten. Ohnehin dürften die Lärmimmissionen kaum wahrnehmbar sein, da das Wohnhaus des Klägers etwa 20 m vom Haus der Kläger entfernt ist.")

Im Gegensatz zum zitierten Urteil werden hier die Fensterflächen offenbar massiv ausgeweitet. Zudem liegt nicht eine bloße Erweiterung bereits bestehender Wohnflächen vor.

Auch durch neue Treppen und Parkplätze sehe ich eine massive und durchaus abwehrfähige Beeinträchtigung. Lärmbelästigungen sind zu erwarten.

Ebenso sprechen die Gauben für ein Vorhaben, das über eine Nutzungsänderung weit hinausgeht.

Beachten Sie bitte, dass ein längeres Zuwarten zur Verwirkung von Klagerechten analog § 58 Abs. 2 VwGO führen kann:

"(2) Ist die Belehrung unterblieben oder unrichtig erteilt, so ist die Einlegung des Rechtsbehelfs nur innerhalb eines Jahres seit Zustellung, Eröffnung oder Verkündung zulässig, außer wenn die Einlegung vor Ablauf der Jahresfrist infolge höherer Gewalt unmöglich war oder eine schriftliche oder elektronische Belehrung dahin erfolgt ist, daß ein Rechtsbehelf nicht gegeben sei. § 60 Abs. 2 gilt für den Fall höherer Gewalt entsprechend."

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Saeger


ANTWORT VON

(1412)

Hallestr. 101
53125 Bonn
Tel: 0228 629 46 462
Tel: 0179 4822457
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Arbeitsrecht, Miet und Pachtrecht, Familienrecht, Erbrecht, Baurecht, Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Strafrecht, Verwaltungsrecht, Internationales Recht, Nachbarschaftsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 94540 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
Die Antwort war sehr gut verständlich, auch wenn ich mir eine sehr anders lautende Antwort gewünscht hätte. Nun habe ich aber wenigstens Klarheit und kann mir den Aufwand eines Rechtstreites (den ich verlieren würde) sparen. ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr schnelle und gute Auskunft. Mal sehen was der Vermieter noch so alles auf Lager hat. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Super, vielen Dank für die schnelle und verständliche Antwort. ...
FRAGESTELLER