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Beschränkte/Unbeschränkte Steuerpflicht


| 28.05.2006 18:19 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Wir sind ein Ehepaar und wollen nach Paraguay auswandern. Ich als Ehefrau habe ein Haus in Deutschland, welches vermietet wird. Mein Ehemann wird keine Einkünfte mehr in Deutschland haben. Im eigenen Haus wäre es möglich eine Wohnung/Zimmer zu behalten. Allerdings haben wir nicht ernsthaft vor, jedes Jahr aus Paraguay anzureisen.

In Paraguay werden wir keine Einkünfte haben. Wir möchten unseren Lebensunterhalt aus den Mietzinsen bestreiten.

Uns interessiert, in welche Steuerplicht wir eingeordnet werden. Vom Finanzamt erhielten wir die Auskunft, dass wir dann in die „unbeschränkte Steuerpflicht“ fallen würden. Dies bedeutet, dass auf die Mietzinsen 25% Steuern anfallen würden. Monatlich werden die Mietzinsen etwa um die 1000,00 Euro betragen.

Geringe Einkünfte werden noch aus Kapitalerträgen erzielt. Diese werden sich jedoch höchstens auf 1000,00 Euro pro Kalenderjahr belaufen. Würden auf diese Kapitalerträge bei der „unbeschräkten Steuerpflicht“ 30% fällig werden? Wird der Solidaritätszuschlag zusätzlich erhoben.?

Welche Möglichkeiten gibt es für uns, dass wir unsere Steuerlast so gering wie möglich halten können?
Guten Abend,

wenn Sie zwar im Ausland wohnen, im Inland aber Einkünfte beziehen, sind Sie grundsätzlich beschränkt steuerpflichtig. Dies ergibt sich aus § 1 IV EStG, den ich Ihnen nachfolgend zitiere:

§ 1

"(4) Natürliche Personen, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind vorbehaltlich der Absätze 2 und 3 und des § 1a beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 haben."

Zu den dort genannten Einkünften im Sinne des § 49 gehören sowohl die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung als auch Kapitalerträge. Krux dabei ist, daß die Einkommenssteuer auf diese Einkünfte mindestens 25 % beträgt; dies betrifft die Mieteinnahmen. Zudem werden die Kapitaleinkünfte mit dem Steuerabschlag von 30 % abschließend besteuert. Sie haben also relativ große Abschläge.

Es kann sich deshalb für Sie lohnen, daß Sie beim Finanzamt beantragen, als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt zu werden. Voraussetzung ist nach § 1 III EStG, den ich Ihnen im Anhang zitiere, daß Sie 90 % Ihrer gesamten Einkünfte im Inland beziehen und im Ausland nicht mehr als 6.136,- € vereinnahmen. Sie werden dann mit dem normalen Einkommenssteuersatz veranschlagt, der natürlich erheblich günstiger ist.

Ich hoffe, ich habe Ihnen weitergeholfen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß
Rechtsanwalt und auch Fachanwalt für Steuerrecht
Esenser Straße 19
26603 Aurich
Tel. 04941 60 53 47
Fax 04941 60 53 48
e-mail: info@fachanwalt-aurich.de

Anhang:
§ 1 EStG

"(3) <1>Auf Antrag werden auch natürliche Personen als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, soweit sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 haben. <2>Dies gilt nur, wenn ihre Einkünfte im Kalenderjahr mindestens zu 90 vom Hundert der deutschen Einkommensteuer unterliegen oder die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte nicht mehr als 6.136 Euro im Kalenderjahr betragen; dieser Betrag ist zu kürzen, soweit es nach den Verhältnissen im Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen notwendig und angemessen ist. <3>Inländische Einkünfte, die nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nur der Höhe nach beschränkt besteuert werden dürfen, gelten hierbei als nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegend. <4>Weitere Voraussetzung ist, dass die Höhe der nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte durch eine Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde nachgewiesen wird. <5>Der Steuerabzug nach § 50a EStG ist ungeachtet der Sätze 1 bis 4 vorzunehmen."

Nachfrage vom Fragesteller 01.06.2006 | 09:32

Guten Tag Herr Weiß,

Ihre Antwort auf unsere Frage hat uns schon sehr weitergeholfen. Danke. Mach Rücksprache mit dem Finanzamt müssen wir mit der jährlichen Steuererklärung das Formular EWR einreichen. Eine Frage in diesem Zusammenhang bleibt noch: Werden wir als Ehepaar dabei gemeinsam veranlagt? Ich als Ehefrau habe Einkünfte aus Vermietung, mein Ehemann bezieht keinerlei Einkünfte. Vom Finanzamt erhielt ich die Auskunft, dass nur diejenige Person den Antrag EWR stellen kann, welche auch Einkünfte hat. Dies bedeutet dann, dass die Einnahmen bis in Höhe von 7500,00 € jährlich steuerfrei sind. Welche Möglichkeit gibt es, dass wir als Ehepaar gemeinsam veranlagt werden? Irritierend auf dem Formular EWR ist für mich auch noch die Formulierung "Antrag auf Behandlung als unbeschränkt einkommenssteuerplichtiger Arbeitnehmer ...." Falle ich mit meinen Mieteinnahmen auch darunter? Auf dem Formular gibt es die Möglichkeit sich eine Steuerklasse zu beantragen. Wenn ich die Steuerklasse III ankreuze erhöht sich dann der Steuerfreibetrag? Kann auch ein Freistellungsauftrag für Kapitalerträge für beide Partner beantragt werden, obwohl nur ich als Ehefrau Kapitalerträge habe?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.06.2006 | 10:09

Guten Morgen,

Sie stellen eigentlich nicht Nachfragen, sondern weitere Fragen, die durch den ursprünglichen Einsatz nicht abgedeckt sind. Deshalb nur in der gebotenen Kürze: den Antrag EWR müssen Sie selbst stellen, da für Sie die Frage der beschränkten Steuerpflicht relevant ist. Dies hindert Sie nicht, eine gemeinsame Veranlagung nach § 26 EStG bei der Steuererklärung zu beantragen.

Für den Fall weiterer Fragen stehe ich Ihnen natürlich gerne weiter zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß

Bewertung des Fragestellers |


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"Ich habe viel klarer nach der Beantwortung gesehen und konnte auch den Mitarbeitern des Finanzamtes präzisere Fragen stellen. Gerade der Sachverahlt mit dem Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht ist den Mitarbeitern dort nicht geläufig und die Auskünfte die ich dort erhielt waren relativ dürftig. "