Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Beschäftigung nicht in Übereinstimmung mit Arbeitsvertrag

22.09.2009 10:46 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Sehr geehrtes Anwalt-Team,

in folgender Angelegenheit möchte ich Ihre anwaltliche Einschätzung und ggf. auch Handlungsempfehlungen einholen:

Seit dem 01.03.2009 bin ich als stellvertretende Store-Managerin (textiler Einzelhandel) beschäftigt und war in der Position als Stellvertreterin auch bis zum 26.05.2009 tätig. Zu diesem Zeitpunkt wurde die - gleichzeitig mit mir eingestellte - Store Managerin entlassen.
Für eine Übergangszeit von 3 Wochen wurde ich durch die Leiter anderer Filialen unterstützt, seitdem bin ich eigenständig und ohne weitere Unterstützung als Store-Managerin unserer Geschäftsniederlassung tätig.
Eine Neubesetzung der Chefposition ist bis heute nicht erfolgt, obwohl bereits Mitte Juli per Inserat gesucht wurde.

Durch den hohen Arbeitsaufwand - von den vorgesehenen zwei Positionen übe ich ja seit dem 26.05. beide aus - haben sich mittlerweile auf meinem Überstundenkonto 240 Stunden angesammelt. Laut Arbeitsvertrag als „stellvertretender Store-Manager“ ist in meinem Gehalt keine Vergütung für Überstunden vorgesehen, sondern sie müssen „abgebummelt“ werden. Nur ist mir das aufgrund der angespannten Lage und des hohen Arbeitspensums absolut nicht möglich.
Demgegenüber steht, dass die Chefposition mit einem um ca. 1.000 € höheren Gehalt vergütet wird, mit dem angefallene Überstunden abgegolten sind.


Anmerken möchte ich noch, dass ich für die freigewordene Position als Store-Managerin deutliches Interesse gezeigt habe. Allerdings wurde mir daraufhin von meiner direkten Vorgesetzten mitgeteilt, dass ich dafür noch nicht genügend firmeninterne Erfahrungen gesammelt hätte. Ganz nachzuvollziehen ist dieses Argument nicht, da mit einem Inserat ja eindeutig die Suche ausserhalb der Firma betrieben wird und man bereit ist, einen ebenfalls Firmenfremden einzustellen.

Am 31.08.2009 endete meine 6-monatige Probezeit und ich bin weiterhin im Selbstlauf - entgegen meinem Arbeitsvertrag - als Filialleiterin mit dem Gehalt einer Stellvertreterin beschäftigt.
Für übermorgen habe ich um ein Gespräch mit meiner direkten Vorgesetzten gebeten und möchte vorher unbedingt abklären, welche Rechte ich überhaupt habe.
Kann ich einen finanziellen Ausgleich verlangen und wenn ja, in welcher Höhe und welcher Hinsicht ?
Wie sollten die 240 Überstunden behandelt werden, die ich ja laut AV „abbummeln“ kann, was aber utopisch ist ?
Da nicht absehbar ist, wann die Position des Chefs neu besetzt wird, habe ich weiterhin dieses Aufgabengebiet mit zu übernehmen. Kann ich dafür die entsprechend höhere Bezahlung verlangen ?

Vielen Dank

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Unter Berücksichtigung des Sachverhalts und Ihres Einsatzes beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

Zunächst ist zu beachten, dass Ihr Arbeitsvertrag gilt, so wie er abgeschlossen wurde, da Sie zwischenzeitlich keine Änderungskündigung erhalten haben.

Grundsätzlich ist es zulässig, vertraglich zu vereinbaren, dass Überstunden als Freizeitausgleich abzugelten sind. Der Arbeitgeber kann insoweit wählen, ob er eine Vergütung für geleistete Überstunden bezahlt oder ob er Freizeitausgleich gewährt. Somit besteht weder ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Vergütung allein oder auf Freizeitausgleich allein. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen keinen Freizeitausgleich gewährt hat, sind die Überstunden zu vergüten. Andererseits ist es aber zulässig, dass ein Arbeitnehmer vorübergehend zu höherwertigen Tätigkeiten ohne zusätzliche Vergütung herangezogen werden kann. Mit „vorübergehend“ ist ein Zeitraum von 2 bis 3 Monaten gemeint.

Der völlige Ausschluss eines finanziellen Ausgleichs wäre dann unzulässig, wenn ein Freizeitausgleich nicht möglich ist oder wenn das zugewiesene Arbeitsvolumen während der vertraglichen Arbeitszeit nicht zu schaffen ist.

Ich weise Sie noch darauf hin, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer nach § 3 ArbZG acht Stunden nicht überschreiten darf. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist möglich, wenn innerhalb von sechs Monaten oder innerhalb von 24 Wochen durchschnittlich acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Sie sollten zunächst auf Auszahlung der Überstunden bestehen und Ihren Arbeitgeber fragen, bis wann die Chefposition wieder besetzt wird. Gleichzeitig können Sie auf das Arbeitszeitgesetz hinweisen. Zur Übernahme des weiteren Aufgabengebiets sind Sie - zumindest ohne Bezahlung - nicht (mehr) verpflichtet, da dies nur für einen vorübergehenden Zeitraum gilt. Bitte beachten Sie, dass in einem Tarifvertrag andere Bestimmungen enthalten sein können.

Ich hoffe, Ihnen zunächst eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Marion Deinzer
(Rechtsanwältin)
---------------------------------------------------------------------------------------------------
Bitte beachten Sie, dass diese Plattform lediglich dazu dient, eine erste rechtliche Einschätzung zu erhalten und eine ausführliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Bei Änderungen im Sachverhalt kann sich eine andere rechtliche Beurteilung ergeben.

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 80341 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr gute Einschätzung und Erklärung des Sachverhalts! Hat mir geholfen die bestehenden Vereinbarungen zu verstehen und zu deuten. Klare Empfehlung! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Wie freundlich würde ich auf Sachlich umändern wollen, denn eine Sachauskunft hat wenig mit freundlichkeiten zu tun. Antwort Top. Sachlich und Verständlich erklärt. Danke für die schnelle Antwort ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Leicht Verständlich. Bestens! ...
FRAGESTELLER