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Beschädigung eines Nussbaums an der Grundstücksgrenze


15.06.2005 16:19 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann



Guten Tag,
wir haben kürzlich von unserem Grundstück in Berlin ein Teilstück verkauft, das jetzt bebaut wird. Unmittelbar an der Grenze zu diesem neuen Nachbargrundstück befindet sich ein etwa 8m hoher Nussbaum. Der Stamm des Baumes ist nur etwa 20 bis 30cm von der Grenze entfernt. Dass heißt, dass Wurzeln und die Baumkrone dieses Baumes sich zum Teil auf dem Grundstück des neuen Nachbarn befinden. Da die Nachbarn ihr neues Haus bis 3m an unsere Grundstücksgrenze bauen möchten und dabei einen Erdaushub bis 60cm an unsere Grenze machen, wird der Baum nach Auskunft eines Gartenarchitekten so stark beschädigt, dass er eingehen wird und gefällt werden muss. Die Nachbarn sind nicht bereit, vorsichtig graben oder einen Wurzelschutz (Kosten 3000 Euro) machen zu lassen.

Meine Fragen nun: Gehört der Baum zu 100% uns, da sich der Stamm vollständig auf unserem Grundstück befindet? Oder gehört er anteilig auch den Nachbarn, da sich zahlreiche Wurzeln des Baumes und die Baumkrone auf ihrem Grundstück befinden? Dürfen die Nachbarn in dieser Weise den Baum beschädigen? Da sie sich weigern, den Baum zu schützen, würden wir sie gerne auf Schadensersatz verklagen. Welche Aussichten haben wir diesbezüglich? Sollten wir vorher von einem Baumsachverständigen ein Gutachten anfertigen lassen, solange der Baum noch nicht allzu stark beschädigt ist (und können wir die Kosten dafür von den Nachbarn zurückfordern)? Wie können wir jetzt rechtlich vorgehen?

Vielen Dank!
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Auf den von Ihnen geschilderten Sachverhalt wird § 923 BGB Anwendung finden.

Diese Vorschrift lautet:

§ 923 Grenzbaum
1) Steht auf der Grenze ein Baum, so gebühren die Früchte und, wenn der Baum gefällt wird, auch der Baum den Nachbarn zu gleichen Teilen.

(2) Jeder der Nachbarn kann die Beseitigung des Baumes verlangen. Die Kosten der Beseitigung fallen den Nachbarn zu gleichen Teilen zur Last. Der Nachbar, der die Beseitigung verlangt, hat jedoch die Kosten allein zu tragen, wenn der andere auf sein Recht an dem Baume verzichtet; er erwirbt in diesem Falle mit der Trennung das Alleineigentum. Der Anspruch auf die Beseitigung ist ausgeschlossen, wenn der Baum als Grenzzeichen dient und den Umständen nach nicht durch ein anderes zweckmäßiges Grenzzeichen ersetzt werden kann.


Als Grenzbaum ist der Baum aber nur zudefinieren, wenn er da, wo er aus der Erde tritt, von der Grenze durchschnitten wird. Ist das nicht der Fall, steht der Baum in Ihrem Alleineigentum und wird Bestandsschutz genießen. Der Nachbar darf also die Fällung nicht verlangen. Beschädigt er die Wurzeln des Baumes derart, daß der Baum gefällt werden muß, wird Ihnen ein Schadensersatzanspruch gegen den Nachbarn zustehen.

Sie sollten den Nachbarn darauf aufmerksam machen, daß eine Beschädigung des Baumes Schadensersatzansprüche nach sich ziehen wird. Vorab können Sie aber nichts weiter machen, als darauf zu achten, ob er Ihre Rechte als Eigentümer des Baumes beachten wird. Es empfiehlt sich, den Nachbarn, der offenbar uneinsichtig ist, vorab bereits anwaltlich klar auf die Rechtslage und die Konsequenzen einer Beschädigung des Baumes hinzuweisen.

Wenn es trotzdem zu einer Beschädigung kommt, empfiehlt sich vor einer Fällung die Einholung eines Gutachtens im selbständigen Beweisverfahren, um die Schadensursache festzuhalten. Die Kosten dieses Verfahrens werden im darauf folgenden Klageverfahren angerechnet und, wenn Sie die Klage gewinnen, der Gegenseite belastet.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.


Mit freundlichen Grüßen

A. Schwartmann
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 15.06.2005 | 18:14

Vielen Dank für Ihre Antwort! Der Nachbar bezieht sich in seiner Uneinsichtigkeit auf Aussagen eines Sachbearbeiters des Grünflachenamtes, der nach Besichtigung vor Ort behauptet hat, dass 1.) der Baum ein Grenzbaum sei (was Ihren Ausführungen zufolge nicht stimmt, da der Stamm vollständig auf unserem Grundstück liegt)und 2.) der Baum geschützt würde, wenn man bei den Bauarbeiten 60cm Abstand zum Baumstamm einhält (was nach unseren Informationen zu einer irreversiblen Schädigung eines so hohen Baumes führen würde). Aus Ihrer Antwort entnehme ich, dass wir mit hohen Erfolgschancen eine Schadensersatzklage einreichen könnten. Besteht die Möglichkeit, diese auch gegen den Vertreter des Grünflächenamtes zu richten? Er hat immerhin zwei falsche Aussagen gemacht und wir würden natürlich lieber nicht einen neuen Nachbarn gleich verklagen?
Nochmals besten Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.06.2005 | 23:42

Sollte es zu einer Beschädigung des Baumes kommen, wird ein Anspruch gegen den Sachbearbeiter des Amtes schwer durchzusetzen sein. Er könnte nur auf die Verletzung einer Amtspflicht zu stützen sein, die gerade auch zu Ihrem Schutz gedient hat. Diese müssten Sie auch konkret nachweisen können. Ob der Sachbearbeiter eine Amtspflichtverletzung begangen hat, die zu einer Haftung führt, sollten Sie von einem auf Verwaltungsrecht spezialisierten Kollegen klären lassen. Dazu bin ich leider der falsche Ansprechpartner, und das kann im Rahmen dieser kostenlosen Nachfrage nicht beantwortet werden, da es sich im Grunde um eine neue Frage aus einem anderen Rechtsgebiet handelt.

Letztlich wird aber ein Anspruch gegen den unmittelbaren Schadensverursacher, nämlich den Nachbarn, einfacher durchzusetzen sein.


Mit freundlichen Grüßen

A. Schwartmann

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