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Berechnung von Schadensersatz

04.11.2016 18:26 |
Preis: ***,00 € |

Kredite


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Hallo Anwältin/Anwalt,

ich habe einen Immobilien-Kreditvertrag in 01/2012 abgeschlossen über 600.000 Euro. In der Wiederrufsbelehrung fehlt(e) ein Satz. Ich habe in 10/2015 widerrufen. Nun klage ich gegen die Bank. Mein Anwalt im Urlaub.

Wie errechne ich den Betrag, den ich von der Bank fordere, d.h.
a. wie ist der Rechenweg.
b. beginne ich die Rechnung ex tunc oder ex nunc? D.h. auf die erste Zins/Tilgungszahlung in 2012 oder ab Widerrufszeitpunkt?
c. Rechne ich auf den Anspruch der Bank auf Nutzungsersatz + 2,5% über Basiszins? Oder ist dieser nach der aktuellen Rechtsprechnung des BG der letzten zwei Jahre nicht mehr anzusetzen.

Einfach bitte die Rechenschritte angeben. Ich will meine Rückfordeung einfach mit Excel nachrechnen.

vielen Dank

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zunächst: Sie berchnen die Rückforderung auf die erste Rate ("ex tunc"), also als hätte der Vertrag nie bestanden.

Da ihr Darlehensvertrag vor dem 13.06.2014 geschlossen wurde,geht die Rechtsprechung davon aus, dass die Nutzen, welche die Bank gezogen hat mit 5% über dem Basiszinssatz herauszugeben sind (stetige Rechtsprechung seit BGH Az. XI ZR 33/08 und erneut bestätigt vom BGH in seinem Beschluss vom 22.09.2015 Az. XI ZR 116/15), wenn ein Personalkredit vorliegt. Bei dem wesentlich häufiger vorliegenden Immobilienkredit schuldet die Bank lediglich Zinsen in höhe von 2,5%-Punkten über dem Basiszinssatz (BGH, Urteil vom 12.07.2016 Az. XI ZR 564/15). Mit Urteil vom 12.07.2016 Az. XI ZR 564/15 hat der BGH festgelegt, dass die Bank nachweisen kann, geringere Gebrauchsvorteile gezogen zu haben, dann schuldet sie nur diesen Zinssatz. Insbesondere bei Darlehen der KFW kann dies vorkommen. Allerdings bleibt es dem Darlehensnehmer unbenommen, nachzuweisen, dass die Bank höhere Vorteile gezogen hat, so dass sie dann diese schuldet.

Demgegenüber haben sie für einen Darlehensvertrag , der vor dem 12.06.2014 geschlossen wurde, den marktüblichen Zinssatz ( und nicht den vertraglichen) schulden. Dieser ist in seiner Höhe jedoch durch den vertraglich vereinbarten Zinssatz beschränkt, so dass eine Verschlechterung der Zinskonditionen durch den beim Widerruf geschuldetetn Wertersatz ausgeschlossen ist. Den jeweils marktüblichen Zinssatz erfahren sie in der jeweiligen zinssatistik der europäischen Zentralbank.
Bei Immobiliendarlehensverträgen, kann allerdings ein geringerer Gebrauchsvorteil nachgewiesen werden. Gelingt dies, so wird nur der geringere Zinssatz geschuldet.

Nun zum Rechenweg: Sowohl die ausgezahlte Darlehenssumme ist bis zu ihrer Rückzahlung zu verzinsen ( also von ihnen) , als auch die gezahlten Raten (also von der Bank.)

Wichtig für sie ist das eine Vorfälligkeitsentschädigung für widerrufende Kredite nicht zu leisten ist.

1. Zuerst ermitteln sie die ausgezahlten Darlehesvaluta. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Rückzahlung sind diese mit dem marktüblichen Zins aufzurechnen. Ich empfehle hier den Basiszinsrechner ( einfach ergoogeln und dort den Zinssatz laut ihrem Kreditvertrag oder der Zinsstatistik der EZB einzugeben). Dieser Basiszinsrechner rechnet die Zinsen sehr genau aus, der Zinssatz kann beliebig eingegben werden.

Der Rechenweg für den Zinssatz ist : Zinsertrag = Kapital x Zinssatz : 100 (das ist für ein Jahr) Um Taggenau die Zinsen zu ermitteln wird das Ergebnis durch 365 dividiert und anschließend mit der Anzahl der Tage multipliziert. Bei monatlicher Ermittlungsweise durch 12 rechnen und mit der zu berechnenden Monatsanzahl multiplizieren.

2. In einem zweiten Schritt ermitteln sie die gezahlten Raten, diese sind ab dem Zeitpunkt der Zahlung bis zum Rückzahlungszeitpunkt zu verzinsen, hier muss also eine Berechnung für jede einzelne Rate extra vorgenommen werden. Auch hierfür lässt sich der Basiszinsrechner verwenden.

Der Weg ist der gleiche wie oben: Zinsertrag pro Jahr = Kapital x Zinssatz : 100 ( Zinssatz der EZB + 2,5% bzw 5%). Taggenau ermitteln sie die Zinserträge wiederum in dem sie das ERgebnis durch 365 teilen und mit der Anzahl der Tage multiplizieren. Eine Monatsgenaue Zinszahlung erhalten sie durch die Division mit des Zinsertrages durch 12 und der Muliplikation mit den Monaten für die seit Zahlung keine Rückzahlung erfolgte.

3. Sodann Addieren sie die ausgezahlten Darlehensvalute mit den von ihnen errechneten Zinsen für die Zeit der Nichtrückzahlung.

4. Von dieser Summe ziehen sie die gezahlten Raten nebst den errechneten Zinsen ab. Übrig bleibt die Restschuldsumme.

Bitte beachten sie ( es ist mir nach dem Sachverhalt nicht ganz klar, ob die Darlensvaluta schon ausgelöst wurde), dass eine Rückzahlung der errechneten Restschuld zeitnah nach Rechtswirksamkeit des Widerrufes (meist binnen 30 Tagen) zurückzuzahlen ist.


Beispiel: Darlehen über 10 Jahre wurde nach 59 Monaten widerrufen, es gab eine Darlehnssumme von 10.000 € ( Zinssatz 2,75 %) und es wurden 59 Raten gezahlt.



Darlehenskapital: 10.000,00 € (ausgezahlte Valuta)
+ Zinsschulden ( 10.000 € x 2,75 x 10 Jahre) = 2750
- Ratenzahlungen (50x 59) = 2950
________________________________________________
9800 €.

Hiervon sind nun die von der Bank zu erstattenden Nutzungszinsen abzuziehen:

50,00 € x 5,5% /12 x 59
+ 50,00 € x 5,5% /12 x58
...

+ 50,00 € x 5,5% / 12 x 1
+ 50,00 € x 5,5% /12 x 0

= 405,625 EUR

Die Restschuldsumme wäre also 9.800 € - 405,63 € und somit 9394,37 €.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bitte bedenken sie das Juristen keine Mathematiker sind - der Weg stimmt also- nur das Ergebnis, naja ;) Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


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