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Berechnung Pflichtteilsergaenzungsanspruch

10.06.2021 21:55 |
Preis: 60,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


Kein Testament
Mutter stirbt vor Vater
3 Kinder

Vermögen
18000 Gemeinschaftskonto (Eltern)
102000 Sparbuch, Depot, Lebensversicherung
(die im Todesfall den jeweiligen Ehepartner begünstigen also den Vater)

Nach meiner Berechnung hat jedes Kind einen Anspruch auf 10000€ (Pflichtteilsergaenzungsanspruch 7000)
Ist das so richtig? Bitte mit entsprechenden Paragraphen begründen.
Vielen Dank


Einsatz editiert am 10.06.2021 22:59:04

10.06.2021 | 23:30

Antwort

von


(323)
Alte Schmelze 16
65201 Wiesbaden
Tel: 0611-13753371
Web: http://deutschland-schulden.de
E-Mail:

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

bei der Beantwortung der Frage gehe ich davon aus, dass die Eheleute im gesetzlichen Stand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben. In diesem Fall würde nach der gesetzlichen Erbfolge bei Tod der Ehefrau der Ehemann nach § 1931 Absatz 1 BGB ein Viertel erben und nach § 1371 BGB zum Ausgleich des Zugewinns ein weiteres Viertel.

Zitat:
§ 1931 Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten
(1) Der überlebende Ehegatte des Erblassers ist neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel, neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern zur Hälfte der Erbschaft als gesetzlicher Erbe berufen. Treffen mit Großeltern Abkömmlinge von Großeltern zusammen, so erhält der Ehegatte auch von der anderen Hälfte den Anteil, der nach § 1926 den Abkömmlingen zufallen würde.
(2) Sind weder Verwandte der ersten oder der zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, so erhält der überlebende Ehegatte die ganze Erbschaft.
(3) Die Vorschrift des § 1371 bleibt unberührt.
(4) Bestand beim Erbfall Gütertrennung und sind als gesetzliche Erben neben dem überlebenden Ehegatten ein oder zwei Kinder des Erblassers berufen, so erben der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen; § 1924 Abs. 3 gilt auch in diesem Falle.


Zitat:
§ 1371 Zugewinnausgleich im Todesfall
(1) Wird der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet, so wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht; hierbei ist unerheblich, ob die Ehegatten im einzelnen Falle einen Zugewinn erzielt haben.
(2) Wird der überlebende Ehegatte nicht Erbe und steht ihm auch kein Vermächtnis zu, so kann er Ausgleich des Zugewinns nach den Vorschriften der §§ 1373 bis 1383, 1390 verlangen; der Pflichtteil des überlebenden Ehegatten oder eines anderen Pflichtteilsberechtigten bestimmt sich in diesem Falle nach dem nicht erhöhten gesetzlichen Erbteil des Ehegatten.
(3) Schlägt der überlebende Ehegatte die Erbschaft aus, so kann er neben dem Ausgleich des Zugewinns den Pflichtteil auch dann verlangen, wenn dieser ihm nach den erbrechtlichen Bestimmungen nicht zustünde; dies gilt nicht, wenn er durch Vertrag mit seinem Ehegatten auf sein gesetzliches Erbrecht oder sein Pflichtteilsrecht verzichtet hat.
(4) Sind erbberechtigte Abkömmlinge des verstorbenen Ehegatten, welche nicht aus der durch den Tod dieses Ehegatten aufgelösten Ehe stammen, vorhanden, so ist der überlebende Ehegatte verpflichtet, diesen Abkömmlingen, wenn und soweit sie dessen bedürfen, die Mittel zu einer angemessenen Ausbildung aus dem nach Absatz 1 zusätzlich gewährten Viertel zu gewähren.


Die andere Hälfte des Erbes steht den Kindern als Erben der ersten Ordnung zu.

Wenn diese enterbt wurden beträgt der Pflichtteil der Kinder allerdings nur die Hälfte des gesetzlichen Erbes gemäß § 2303 Absatz 1 BGB

Zitat:
§ 2303 Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils
(1) Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.
(2) Das gleiche Recht steht den Eltern und dem Ehegatten des Erblassers zu, wenn sie durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Die Vorschrift des § 1371 bleibt unberührt.


Damit erhalten die Kinder zusammen nur ein Viertel der Erbschaft, wenn diese insgesamt 120.000 € wert ist entfallen also nur 30.000 € davon auf die Kinder. Bei drei Kindern erhält also jedes 10.000 €, Ihre Berechnung ist also korrekt.
Soweit die Lebensversicherung den Vater als im Todesfall begünstigten nennt muss diese allerdings bei der Wertermittlung grundsätzlich außen vor bleiben, dies fällt dann nicht in den Nachlass.


Ich hoffe damit Ihre Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

Mit freundlichen Grüßen,
RA Fabian Fricke


ANTWORT VON

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