Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Beleidigung/ Jobsuche während Probezeit


15.03.2006 15:45 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Sehr geehrte Experten,

meine Freundin ist bei ihrem neuen Job unglücklich, weil sie von ihrer Chefin in - aus meiner Sicht - unglaublicher Weise schikaniert wird. So wird ihr zum Beispiel ohne Angabe von Gründen unterstellt, dass sie ihre Arbeitsnachweise (Telefonmarketing) fälschen würde. Zitat: "Das glaube ich nicht, dass Sie so viele Anrufe gemacht haben können!" Obwohl die Vorgabe noch höher war. (Also offensichtlich unerfüllbar hoch...?!) Ausserdem gibt die Vorgesetzte täglich wechselnde, widersprüchliche Anweisungen. Wenn man Anweisung A ausführt, kommt sie rein und sagt, man solle gefälligst Anweisung B befolgen und umgekehrt. Und sie verweigert eine verbindliche, schriftliche Festlegung gewisser Regeln (aus meiner Sicht, weil dann ihre Willkür auffliegen würde). Bitte setzen Sie voraus, dass meine Freundin über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung in z.T. höherer Qualifikation verfügt und es nicht nötig hat, Arbeitsnachweise zu fälschen, weil sie den Job tatsächlich gut macht.

Daher meine zweiteilige Frage:
1. Welche Chancen hat man, sich gegen ehrverletzende Unterstellungen der geschilderten Art zur Wehr zu setzen?

2. Wie kann man sich legal Freiräume verschaffen, um Vorstellungsgespräche für einen neuen Job zu absolvieren, wenn man doch während der Probezeit keinen Urlaubsanspruch hat?

Besten Dank im voraus!

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage des dargestellten Sachverhaltes wie folgt:

Grundsätzlich ist der geschilderte Zustand sicherlich nicht haltbar, da die Vorgesetzte gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht hat. Allerdings ist bei den zu treffenden Maßnahmen zu beachten, dass während der Probezeit das Arbeitsverhältnis ohne Angaben von Gründen ordentliche innerhalb der arbeitsvertraglichen Frist gekündigt werden kann.

Zu Ihren Fragen:
1.) Hinsichtlich der geschilderten Vorgänge ist es zunächst ratsam eine Art Gedächtnisprotokoll "Mobbing Tagebuch" anzufertigen. Um den zeitlichen Aufwand überschaubar zu halten, sollte eine Tabelle angefertigt werden, in der dann Datum, Uhrzeit, der Vorwurf, Zeugen sowie die Reaktion festgehalten werden.

a) Sie haben die Möglichkeit sich mit einer Beschwerde an den Betriebsrat wenden (§ 85 BetrVG). Der Betriebsrat hat dann beim Arbeitgeber auf Abhilfe der Beschwerde hinzuwirken.

b) Sie können von ihrem Arbeitgeber verlangen, dass Handlungen, die ihr Persönlichkeitsrecht verletzten, unterlassen werden. Hierbei kann der Arbeitgeber auch dann in Anspruch genommen werden, wenn er es unterlässt, Mobbing durch Vorgesetzte zu unterbinden oder keine Maßnahmen ergreift bzw. den Betrieb nicht so organisiert, dass eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts ausgeschlossen wird. Der Arbeitgeber muss auf ihre Ansprüche mit einer Rüge, Ermahnung oder einer Abmahnung, einer Versetzung und letztlich mit einer Kündigung gegenüber dem Vorgesetzten reagieren.

c) Schadenersatz: Wenn Ihnen ein Schaden entsteht, können Sie diesen von Ihrem Arbeitgeber oder Vorgesetzten verlangen. Als zu ersetzende Schadenspositionen kommen hier z.B. Arztkosten, Medikamente, Kuraufenthalte, Rechtsanwaltskosten, etc. in Betracht.

d) Ihnen steht unter bestimmten Voraussetzungen ein Schmerzensgeldanspruch bei Verletzung des Persönlichkeitsrechts zu. Hierfür ist allerdings ein konkreter Beweis erforderlich, dass es sich bei dem Verhalten des Vorgesetzten um dauerhafte, systematische, degradierende oder beleidigende Handlungen handelt und Sie hierdurch eine psychische und/oder psychische Gesundheitsbeeinträchtigung erleidet. Beweisführung

e) Weiterhin steht Ihnen gegenüber Ihrem Arbeitgeber ein Unterlassungsanspruch zu, den Sie im im Rahmen einer Klage beim Arbeitsgericht durchsetzen können. Allerdings ist das Klageverfahren zeitintensiv.

Besonders bei Schikanen durch Vorgesetzte ist die Beweisführung besonders schwierig, da die Vorgehensweisen in den meisten Fällen ohne Zeugen ablaufen. Kollegen haben häufig Angst, selbst den Arbeitplatz zu verlieren, wenn sie gegen ihren Chef aussagen. Daher ist das oben genannte "Mobbing-Tagebuch" wichtig.

2. Im Rahmen arbeitsvertraglichen und betrieblicher Regelungen, können Sie soweit eine Gleitzeitregelung existiert, entsprechende Freiräume für private Termine schaffen, wenn Sie in der Kernzeit anwesend sind und keine dienstlichen Belange dagegen sprechen. Jedenfalls sollte Sie aber vorher Ihre Vorgesetzte informieren.

Soweit möglich können auch Überstunden durch Freizeit abgegolten werden, jedoch sind hier die entsprechenden Dienstvereinbarungen maßgebend. Auch hier gilt eine Abstimmung mit den Vorgesetzten. Sie sollten erwägen in der Personalabteilung nachfragen, inwieweit Sie private Termine während der Arbeitszeit wahrnehmen können, da diese die betrieblichen Bestimmungen am besten kennen.

3. Möglicherweise ist die Vorgesetzte durch die Berufserfahrung Ihrer Freundin selbst verunsichert und sieht hier eine „gefährliche“ Konkurrentin. In diesem Fall sollten Sie die Problematik bei dem nächst höheren Vorgesetzten ansprechen. Ob mit oder ohne ihre direkte Vorgesetzte ein solcher Termin stattfindet ist dann im Einzelfall zu entscheiden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen und stehe im Rahmen der Nachfragefunktion gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

RA Schröter
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER