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Beleidigung/ Fachmann

14.07.2020 01:23 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Folgende Mail habe ich bekommen.

Ich denke, das ist Beleidigung!
Diese Mail ist sehr persönlich beleidigend, oder? (Worte „doof" „Verlogenheit" „Allmachtsfantasien" „Verlogenheit" „..bei Fachleuten klären lassen"


Wie bereits erwähnt, interessiert mich ihre Entschuldigung in keinster Weise. Was erlauben Sie sich eigentlich, von Herzlichkeit zu sprechen? Wie kommen Sie auf die Idee, mit mir Streit zu bekommen, überschätzen sie sich ein bisschen?

Mich interessiert ausschließlich Klärung!
Was für ein Vater würde sich derart zum Erfüllungsgehilfen seines Sohnes machen und eine so unsäglich doofe Mail verfassen?

Und wenn Sie sich dann auch noch hinter diesem "Sohn" verstecken, dann wird mir schlecht.

Ich finde Ihre Anschuldigungen nur erbämlich und lächerlich, und Ihre Allmachtsfantasien sollten Sie vielleicht bei Fachleuten klären lassen!

Brauchen Sie Adressen oder besorgen Sie sich diese auch illegal?

Wenn Sie es fertig bringen, mit offenen Karten zu spielen, bin ich auch gerne bereit, mir Ihre plausible Version - allerdings ohne "allerherzlichste" Verlogenheit - anzuhören.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Nach allgemeiner rechtlicher Definition (§ 185 StGB ) gilt: Eine Meinungsäußerung ist beleidigend, wenn sie dem Opfer den Respekt als gleichwertige Rechtsperson aberkennt, indem sie den ethischen oder sozialen Wert des anderen geringer darstellt, als er tatsächlich ist.

Nach dieser Definition erhält die E-Mail tatsächlich herabwürdigende Äußerungen ("doof", "verlogen"), die als Beleidigung zu qualifizieren sein könnten.

Auch die Behauptung einer Tatsache kann eine Beleidigung darstellen. Als Tatsachen gelten in Abgrenzung zur Meinung Sachverhalte, die dem Beweis zugänglich sind. Beleidigend kann insbesondere das Äußern einer unwahren Tatsache wirken.

Insofern ist die Behauptung, Sie hätten "Allmachtsphantasien" und bräuchten die Hilfe von "Fachleuten", durchaus ehrverletzend, denn das insinuiert, dass Sie verrückt seien und die Behandlung eines Psychiaters benötigten.

Der Inhalt der Mail deutet allerdings darauf hin, dass diese eine Antwort ist auf von Ihnen getätigte Äußerungen, deren Inhalt ich nicht kenne. Deshalb weise ich Sie vorsorglich auf § 199 StGB hin, der die sogenannte wechselseitige Beleidigung normiert. Hierbei kommt es auf den Zeitraum an, das heißt, die Situation ist die, dass die Beleidigung lediglich auf eine vorherige Beleidigung reagiert, allerdings unmittelbar. Das wäre also der Fall, wenn die von Ihnen zitierte E-Mail postwendend auf eine zuvor von ihnen verschickte E-Mail antwortet.

Darüber hinaus müssen Sie überlegen, was sie mit einer möglichen Qualifizierung als Beleidigung anfangen wollen, denn die Beleidigung nach § 185 StGB ist ein Straftatbestand, der von der Staatsanwaltschaft meist nicht verfolgt wird, da das sogenannte öffentliche Interesse nicht vorliegt. Der Staatsanwalt würde Sie somit auf den sogenannten Privatklageweg verweisen und nicht etwa Anklage erheben.

Sie könnten also den Sachverhalte bei der Polizei zur Anzeige bringen, ich kann Ihnen allerdings keine Hoffnung machen, dass diese Anzeige ernsthaft verfolgt wird. Sie würden alsbald einen Brief von der Staatsanwaltschaft erhalten, in dem steht, dass das Verfahren nach § 170 Absatz 2 StPO eingestellt wurde und Sie die Möglichkeit haben, Ihre Anzeige im Wege der Privatklageweg weiter zu verfolgen.

Dies nur als Hinweis darauf, dass es im zwischenmenschlichen Bereich bedauerlicherweise sehr schwierig ist, solches Verhalten strafrechtlich würdigen zu lassen. Um es salopp auszudrücken: Der Staat interessiert sich nicht für Streitereien zwischen Privatleuten, weil diese Verfahren so zahlreich wären, dass die Staatsanwaltschaft mit der Arbeit nicht mehr nachkäme. Deshalb werden z. B. sogenannte Nachbarschaftsstreitigkeiten nur noch dann vor ordentlichen Gerichten verhandelt, wenn zuvor ein sog. Streitschlichtungsverfahren stattgefunden hat.

Aus anwaltlicher Sicht kann ich Ihnen daher nur empfehlen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, so ärgerlich und unbefriedigend das auch klingen mag. Sie würden bloß eine weitere Enttäuschung erleben, wenn die Polizei Ihre Anzeige nicht wirklich ernst nimmt und die Staatsanwaltschaft - wie gesagt - das Verfahren ohnehin einstellt.

Fazit: Selbst wenn ich diese Äußerungen als durchaus ehrverletzend und kränkend einordne, so kann ich Ihnen von rechtlichen Schritten leider nur abraten.

Wenn noch etwas unklar geblieben ist, fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

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